Vanessa Carlton-Collage

Vanessa Carlton - ein Ohrenschmaus kommt groß raus

Die junge Musikerin ist nach ihren Erfolgen in den Charts zu urteilen für die Meisten erstmal in die Mainstream-Schublade einzuordnen. Doch das ist ein großer Fehler. Wer sich das Debütalbum "Be Not Nobody" des YoungStars einmal in vollen Zügen angehört hat, sieht die ganze Bandbreite einer zwar noch jungen und naiven Künstlerin vor sich, die aber dabei das großartige Talent besitzt, die klassischen Klavierarrangments mithilfe ihrer Stimme und einem Orchester in Popmusik zu verwandeln.

Wer macht sich heute noch die Mühe, ein ganzes Album komplett mit einem großen Orchester einzuspielen? Wer schreibt heute noch überwiegend seine Musik selbst? Natürlich stecken auch immer andere große Produzenten dahinter, die dem ganzen den harmonischen Schliff geben. Aber Vanessa Carlton überzeugt durch ihre melancholischen, aber auch schmissigen Klavierparts, alles zusammengefasst zwischen Jazz und Pop für jedes Ohr hörbar. Ihr bislang größter und einziger Erfolg war "A Thousand Miles", er lief auf den Radiostationen rauf und runter und machte mich erst stutzig und dann neugierig. Was macht so ein geniales Stück im Radio? Der Titel puschte sich in die Charts und auch das Video lies sich auf den Musiksendern öfter blicken. Ich hörte nur ein zwei Stücke von ihrem Album "Be Not Nobody" und war sofort fasziniert. Gekauft und hundertmal angehört. Ein paar Monate später dann gab es im nicht ganz so nahen Offenbach ein Konzert im kleinen Rahmen.

Nirgendwo war dieses "Highlight" angekündigt worden. Ich erfuhr das durch Zufall. Aber so ein Konzert lasse ich mir nicht entgehen. Die Halle in Offenbach war zwar leider nicht mit der besten Akoustik augestattet, dennoch war die Stimmung großartig. Selbst ohne großartiges Orchester beweist diese Frau auf der Bühne, dass sie jetzt schon eine perfekte Entertainerin ist. Das Repertoire der Pianisten ist zwar noch klein, jedoch geht durch alle ihre Lieder ein auffälliger roter Faden. Sie besitzt bereits ihren ganz eigenen Stil. Nur bei einem Stück auf der Platte hatte sie sich bei jemand anders bedient: Den Rolling Stones. Das Stück "Paint it Black" bekommt bei Vanessa ein moderneres Gesicht, hat aber nichts vom guten alten Rock verloren. Auch dieses Stück war live ein Stimmungsmacher.

In Amerika, ihrer Heimat wurde sie schon bald mit Tori Amos verglichen, von der ihr hier ja auch nachlesen könnt. Auch wenn man diese beiden Musikerinnen nicht ganz vergleichen kann, so kann man zumindest Ähnlichkeiten feststellen. Talent haben sie beide. Und sie wirken beide authentisch. Alles andere ist bei Vanessa Carlton eher eine Frage der Entwicklung. In welche Richtung sie weitergehen wird, darauf bin ich sehr gespannt. Es ist schade, dass es bisher nur dieses eine Album gibt. Ich wünsche mir, dass sie bald einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht hat, vor allem hier in Europa. Ich wünsche mir, dass Vanessa Carlton irgendwann einmal großplakatig in den Städten vertreten ist und somit auch größere Konzerthallen füllt. Und ich wünsche mir dass sie es schafft, vielleicht auch bald so erfolgreich bei einer Grammy-Verleihung abzusahnen wie ihre Kollegin Norah Jones (bei der Grammyverleihung im Jahre 2003 machte Norah Jones das Rennen vor Vanessa Carlton, was auf die Verkaufszahlen der Alben zurückzuführen ist).

Album 2002: "Be Not Nobody"

Singleauskopplungen: "A Thousand Miles" und "Ordinary Day"

Harmonium2004: "Harmonium" ist da

Seit Anfang November 2004 ist es endlich bei uns im Handel: Der Nachfolger des Albums "Be Not Nobody". Vanessa hat sich Zeit gelassen. Es sind gut zwei Jahre vergangen nach ihrem Debut. Eine lange Zeit für die Fans. Aber die Auszeit hat sich gelohnt. "Harmonium" ist gereift, qualitativ und hat das Zeug zu einigen Single-Auskopplungen. Als erstes zu nennen sei das vorab veröffentlichte Stück "White Houses", das noch zu den eingängisten Melodien auf dem Album gehört. Damit hat es gute Chancen für die Charts. "White Houses" mag von der Struktur nicht besonders aufwendig sein, es erzählt aber eine Geschichte. Es erzählt vom Leben einer Frau zwischen 16 und 25 Jahren mit all ihren Problemen, die den Sprung vom Mädchen zur Frau so mit sich bringen. Dabei hat das Stück einen eingängigen Refrain und tanzbare Rythmen, wie Vanessa im dazugehörigen Video beweist mit unterstreichenden Tanzeinlagen. Doch nicht nur hier wird es persönlich. Es tauchen erstmals Namen auf: "Annie" und "Papa". Diese Stücke zeugen von ihrer besonderen Liebe zum Klavier und haben diese gewisse Melancholie, die schon auf dem ersten Album deutlich zu hören war. Anders als bei "Be Not Nobody" steigen wir nicht direkt in den Titel ein, sondern lassen uns Schritt für Schritt zum Refrain begleiten. Natürlich wieder von einem Orchester. Auch hier gibt es so gut wie keine synthetischen Sounds. Das Album besticht wie das Erste durch handgemachte Musik. Zeitweise erinnert es ein Stück an die Sechziger Jahre. Eine kleine Ähnlichkeit mit den ruhigeren Stücken der Beatles konnte ich in "C'est la vie" entdecken. Hier hören wir kein Piano, sondern eine Hammond, oder zumindest ein Nachfolger davon.
Vom Artwork her ist das Album wunderschön gestaltet. Der Jugendstil hält Einkehr mit Ornamenten und Schnörkel. Vom Schriftzug bis zu den nostalgischen Fotos stimmt alles.
Man kann nicht sagen, dass Vanessa grundsätzlich ruhiger geworden ist, sie hat jedoch kräftig an sich gearbeitet. Die Anzahl der Stücke hat sich jedoch nicht verändert; 10 + 1 Hidden Track macht 11 und damit ist diese Platte auch leider kein langes Vergnügen. Aber ein Besonderes. Auf ihrer Homepage wird bereits für die passende DVD zu "Harmonium" geworben. Ob sie jedoch auch bei uns erscheint, wissen wir noch nicht.

Anspieltipps:
"Annie", "Papa" und "Half a week befor the Winter"

hereos and thieves2007: "Heroes and Thieves" ist da

Lang ersehnt und doch noch erschienen: Das neue Album von Vanessa Carlton. Nachdem man nun über den großen Teich hinweg Einiges an Neuigkeiten über Vanessa gehört hatte, war das nächste Studioalbum nun endlich fertig. Vanessa tourte eine zeitlang mit Stevie Nicks, der ehemaligen Sängerin der bekannten Band "Fleetwood Mac" um die Welt und freundete sich mit ihr an, was deutlich aus den Texten des neuen Albums herauszuhören ist. Die Veröffentlichung in Deutschland erfolgte am 09.10.2007 und wurde vor allem durch die Promotion auf Vanessa`s Myspace-Page beworben. Ansonsten blieb das Album - wie das vorherige "Harmonium" - hier eher am Rand des kommerziellen Ausverkaufs. Als sogenannter "Soft Release" konnte man das "Hereos & Thieves" in Deutschland ohne große Werbung direkt in den Plattenläden erhalten. Das Album wurde trotz dieser entfallenden Werbemaßnahmen über vier Millionen mal verkauft. Doch nicht nur der Einfluss der Kollegin und Freundin Stevie Nicks prägt das neue Album. Auch der Wechsel zu einem neuen Label, dass sich eher als Hip-Hop-Label auszeichnet und unter der Schirmherrschaft von Irv "Gotti" Lorenzo steht, tut dem anspruchsvollen Piano-Pop der inzwischen 27-jährigen Vanessa Carlton keinen Abbruch. Ledeglich die erste Single "Nolita Fairytaile" zeugt vielleicht eine Spur von diesem Einfluss: Sie kommt poppig daher, erzählt von der Liebe zum New Yorker Stadtteil "Nolita" und den geplatzten Verhandlungen mit einer Plattenfirma. Doch der schmissige Opener auf "Heroes & Thieves" eröffnet auch als Video neue Seiten der Künstlerin: Es beginnt mit einer gewohnten Szene aus dem Video von "A Thousand Miles", doch der Flügel, mit dem Vanessa aus der Garage fährt, wird dann mitten auf der Straße von einem Taxi in Stücke gerissen - kein Anblick für Flügelliebhaber. Vanessa Carlton zeigt im Laufe des Videos auch immer wieder witzige Figuren aus der Märchenwelt.

Vanessa zeigt allein mit dem Cover ihres neuen Album eine Wende an: Sie vermeidet deutlich das eher mädchenhafte, brave Image, das wir noch von ihrem ersten Album kennen. Obwohl es bereits auf "Harmonium" eher dunkle und melancholische Seiten an ihr gab, sehen wir sie in "Heroes & Thieves" noch ein wenig düsterer, die schwarzgemalten Augen stehen aber immer noch im Gegensatz zu ihrer eher fröhlich gewordeneren Musik. Immer weht aber ein Hauch Antikes durch die Bilder des Booklets, auch die alten Rahmen, die die Fotos umrahmen, scheinen von ihrer Verbundenheit zu alten Zeiten, Möbeln und Frauenbildern (Gemmen) zu zeugen. Auf einer Seite des Booklets sehen wir ein selbstgemaltes Bild von ihr, auf dem auch ihr Hund zu sehen ist - vor einer Feuerstelle im Wald. Dieses Bild hat mich sehr beeindruckt (ohne es mit künstlerischem Anspruch zu sehen). Mit diesem Bild lässt sich das alte Gerücht, dass Vanessa einer modernen Hexenrichtung (Wicca) angehört, für mich wieder ein Stück wahrer werden. Beweise dafür gibt es dafür aber selbstverständlich nicht. Trotzdem strahlt sie eine neue Weiblichkeit aus, die gleichzeitig Erotisches und Unnahbarkeit zu bieten hat. Dies wird auch durch die zweite Single "Hands on me" deutlich. Im passenden Video zeigt sich sich freizügig in Dessous - immer noch schön, aber auch einsam und nach Berührung dürstend.

Besonderes hat "Heroes & Thieves" in musikalischer Hinsicht auf jeden Fall zu bieten. Nicht nur die allgemeine, gleichbleibende musikalische Qualität - durch die Unterstützung von klassischen Instrumenten (wie z B. einer Harfe) und einem weiterentwickelten Klavierspiel, sondern auch die Backgroundgesänge bzw- Chöre stützten die Songs. In "The One" wird sie durch Stevie Nicks unterstützt. Der letzte Titel "More than this" hat die Ehre verdient, einmal in voller Lautstärke genossen zu werden. Der langsame und starke Aufbau des Songs mit einem grandiosen Schluss, aber auch der dazugehörige Text benötigen aufmerksame Ohren. Aus dieser Sicht kann ich nur sagen, dass dieses Album weitaus reifer und qualitativer ist, als sein Vorgänger "Harmonium" - wenn man hier auch auf die eher dunkeleren Töne verzichten muss.

Eine kleine Kritik am Ende muss ich jedoch noch machen: Vanessa Carlton machte 2002, zur Veröffentlichung ihres ersten Album "Be Not Nobody" auch eine Tour durch deutsche Städte. Es waren keine großen Konzerte, aber wir waren damals live in Offenbach dabei. Seitdem warte ich - wie viele andere deutsche Fans auch - auf eine neue Europa- oder Deutschlandtour. Sechs Jahre sind schon vergangen und Vanessa hat ihre deutschen Fans seitdem mit keinem einzigen Auftritt belohnt. Es wäre schön, wenn sich dies in Zukunft ändert. Denn die "Live-Vanessa" kenne ich im Gegensatz zu einigen anderen Musiker/innen nicht wirklich.

Anspieltipps:
Zum Tanzen:"Nolita Fairytale", Zum Träumen:"The One", Zum Rocken: "Home", Zum Ohrenaufsperren:"More than this"

Kleine Biographie

Vanessa Carlton wurde am 16.08.1980 geboren. Sie ist in Midford, PA aufgewachsen. Ihr erstes Talent zeigte sie im Alter von 2 Jahren. Ihre Mutter war ihre erste Musiklehrerin und setzte sie einer Vielzahl von klassischen Komponisten aus: Eric Satie, Mozart und Debussy.
Mit 8 Jahren schrieb sie ihr erstes Musikstück und setzte das Komponieren für das Klavier fort. Im Alter von 9 Jahren lernte Vanessa Ballett. Sie studierte mit einigen großen Tänzern, einschließlich Gelsey Kirkland und Madame Nenette Charisse und zog dann nach New York.
Obwohl sie ursprünglich auf eine Karriere als professionelle Tänzerin gehofft hatte, war sie mit 17 vom Tanzen so frustriert und fing an, Songs zu schreiben. Das brachte ihr letztlich den Durchbruch.

Quellen:

Vanessa`s Seite auf www.pop24.de
Eine schöne Cd-Kritik zu Heroes & Thieves

Links:

Die offizielle Vanessa Carlton-Seite
Die Myspace-Page mit Hörproben

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Zuletzt aktualisiert am 16.06.2008
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