Teufelchen







Tori 
die teuflisch
mit der engels

Engelchen







Amos
 gute Pianistin
gleichen Stimme



Tori Amos - die teuflisch gute Pianistin
mit der engelsgleichen Stimme

Sie ist eine großartige Sängerin und gleichzeitig beherrscht sie ihr Handwerk auf dem Klavier. Tori Amos macht Musik, die man laut hören muß, die gleichzeitig Dynamik und Eigenwillen besitzt und dennoch nicht in eine Schublade passt. Die Amerikanerin mit dem leuchtend roten Haar wird von manchen liebevoll als Fee angesehen. Ihr Song, "A Sorta Fairytale" unterstreicht dieses Image und sorgte für einen radiotauglichen Erfolg. Wenn Sie auch so gut wie nie auf deutschen Radiostationen zuhören ist, so hört man so manches Mal das oben angegebene Lied oder auch den Song "Cornflake Girl".

Tori vertritt keine spezielle Musikrichtung. Sie tanzt in ihren Songs immer auf einer gewissen Balance zwischen jazzigem Bar-Piano und mystischen, dunklen Klängen. Ihr Klavier klingt durch und durch schwer, umrahmt alle ihre Songs und passt hervorrangend zu ihrer verrauchten Stimme. Auch wenn man manchmal meinen könnte, ihre Alben bestehen nur aus klassischen Piano-Balladen so sorgt sie immer wieder für lautstarke Überraschungen mit modernen Sounds, Percussions, Orchestereinlagen. Sie ist also keine Chanson-Sängerin, wie viele jetzt meinen. Gleichzeitig kann man aber auch sagen, dass sie es nicht nötig hat, auf aktuelle Trends aufzuspringen. Ihre Musik ist zeitlos und man verliebt sich während des Hörens immer wieder neu in ihre Klavier-Passagen.

Bis heute hat sie bereits acht Alben auf den Markt gebracht, allesamt immer wieder verschieden. Mit dem Album"Strange little girls" hat sie unter anderem eine Reihe von berühmten Songs auf ihre individuelle Art gecovert. Darunter befinden sich Stücke von Eminem, den Beatles, Velvet Underground und Depeche Mode. Das nachfolgende Erfolgs-Album "Scarlet`s Walk" enthält eine Menge verschiedener Titel, die qualititativ sehr anspruchsvoll gestaltet sind. Es befinden sich meiner Meinung nach heute nur sehr wenige Musiker im Geschäft, die wirklich Qualität abliefern.

Toris Musik sollte alle Menschen ansprechen, die Wert auf handgemachte und gut strukturierte Musik legen. Menschen, die Liebe zur Klaviermusik besitzen und für rauchige Frauenstimmen etwas übrig haben. Ich habe ihre Musik im Sommer 2003 entdeckt, als ich mich für Platten von Björk interessierte und dabei immer wieder auch den Namen Tori Amos irgendwo genannt bekam. Das machte mich letztlich neugierig und so hörte ich probehalber in ihre Songs. Das Album Scarlet`s Walk sprach mich zunächst am Meisten an, im Herbst diesen Jahres kaufte ich mir außerdem das 94er-Album "Under the Pink" das mir auch sehr gut gefällt. Dieses Album ist ein wenig ruhiger und nachdenklicher gestimmt.

Biographie

Tori Amos erblickt am 22. August 1963 als Myra Ellen Amos in Newton, North Carolina das Licht der Welt. Mit zweieinhalb beginnt sie Klavier zu spielen, mit vier singt und spielt sie im Kirchenchor und mit fünf wird sie die jüngste Schülerin, die das "Peabody Conservatory" in Baltimore jemals hatte. Ihre Art, klassische Stücke nach ihren eigenen Gefühlen zu interpretieren, stößt bei einigen Lehrern dort nicht auf Gegenliebe und mit 10 muss sie die Schule verlassen.

1983 ändert sie ihren Namen in Tori, ein Jahr später zieht sie nach Los Angeles und 1987 veröffentlicht sie ihre erste Platte mit einer Hard-Rock Band namens "Y Kant Tori Read". Das Album wird ein totaler Flop und sie löst die Band auf. 1992 erscheint ihr Solodebut "Little Earthquakes", welches durch wunderschöne, sehr private Songs besticht, sich über 2 Millionen mal verkauft und ihr verschiedenste Awards beschert. Noch im selben Jahr erscheint eine EP "Crucify", die drei Coverversionen enthält, darunter Nirvanas "Smells Like Teen Spirit", die das Original an Intensität noch übertrifft.

1994 erscheint "Under the Pink", als Single wird u.a. "Cornflake Girl" ausgekoppelt, wodurch sie noch mehr Fans gewinnt. 1996 kommt "Boys For Pele" auf den Markt, die Presse beschäftigt sich jedoch mehr mit dem Cover, welches ein junges Ferkel an ihrer Brust zeigt, als mit dem Album selber. Wiederum nach zwei Jahren, im Mai 1998 erscheint ihr nächstes Album "From The Choirgirl Hotel". Wie zuvor verarbeitet sie auf ihm sehr persönliche Dinge.

Im September 1999 veröffentlicht sie ihr fünftes Soloalbum - "To Venus And Back". Ein viel größerer Erfolg aber wurde "Scarlets Walk", das 2002 erschien (siehe auch weiter oben). 2003 gibt Tori dann ein Best Of-Album heraus namens "Tales of a Librarian". Das Album erhält zusätzlich eine DVD mit fünf Live-Mitschnitten.

The Beekeeper 2005

the beekeeper

2005 scheint das große Tori Amos-Jahr zu werden. Nicht nur ein wunderschönes neues Album erscheint, sondern Tori geht mit all den schönen neuen Melodien auf Tour. Am 21. Februar erschien "the Beekeeper" - ein ungewöhnliches Album mit einem ungewöhnlichen Namen. Doch der Titel sagt schon Einiges über die Struktur des Albums aus. Tori hat dieses Werk mit sechs "Gärten" versehen. Das sind Zonen, in denen musikalisch und lyrisch verschiedene Themen verarbeitet werden. Musikalisch geht Tori neue Wege. Wir werden regelrecht von neuen Tönen alà Gospel und Funk, Soul und wiederrum den klassischen Tönen zugeschüttet. Neben dem wunderschön dunklen Börsendorfer-Flügel hat sie verstärkt die Hammond und das Rhodes Piano eingesetzt. Ein Gospel-Chor unterstützt die rythmischen Songs. Die Gärten nennen sich "the greenhouse", "roses and thorns", "rock garden", "elixirs and herbs", "the orchard" und "desert garden". Verstärkt setzt sie sich in diesen Gärten mit dem Mutter-Tochter-Verhältnis auseinander. Sie erzählt von ihrer vierjährigen Tochter, ihr Verhältnis zur eigenen Mutter und die dadurch beeinflusste Kreativität. Sie setzt sich mit alten Schriften auseinander, in "Marys of the Sea" zum Beispiel mit der biblischen Geschichte der Maria Magdalena und ihrem Schicksal. Sie gibt dem männlich dominierten Christentum einen femininen Charakter. Dabei erinnert sie an die alten Gospel-Songs. Das Geschlechter-Verhältnis zwischen Frau und Mann beherrscht "elixirs and herbs". Hauptsächlich dreht sich doch alles um "Master Beekeeper", der die Gärten verwaltet und beherrscht. Ihm wird hier ein eigenes Lied gewidmet, das durchaus einen mystischen Touch besitzt. Die Struktur der Honigwaben verbindet die Gärten symbolisch miteinander. Und auch das aufwendig gestaltete Booklet lässt einen erkennen, das man sich bei diesem Album sehr viel Gedanken um ein harmonisches Bild gemacht hat. Die Bilder passen perfekt zu jedem Garten, zu den Songs und ihren Geschichten. Ähnlich wie bei Björks letztem Album "Medulla" wurde hier vom Artwork bis perfekten Sound an alles gedacht, um den Fan schachmatt zu setzen. Zumindest diejenigen, die nicht allzu kritisch dem neuen Stil von Frau Amos gegenüber stehen. Ich persönlich kann nur sagen: Es ist ein Album für jede Tages- und Nachtzeit, für jedes Alter, für jede Stimmung, für jeden Geschmack. Dennoch bleibt es schön underground und besticht schlicht und einfach durch Qualität und Authentizität.

Sehr zu empfehlen ist die "Limited Edition", die zusätzlich eine DVD mit einem Interview "A Walk through the gardens" sowie dem Extra-Track "Garlands" ausgestattet ist. Da lohnen sich ein paar Euros mehr.

Anspieltipps: "Mother Revolution", "Sleeps with Butterflies", "Hoochie Woman" und "The Power of Orange Knickers"....

American Doll Posse 2007

Mit American Doll Posse geht Tori neue Wege. Sie hat ihre Gärten verlassen und der Beekeeper hat in ihrem neuen Album keine Oberhand mehr. Es regieren fünf Frauen, fünf Charaktäre über die Songs und deren Aussagen. Santa, Isobel, Clyde, Pip und natürlich Tori. Jede hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene Meinung und jede wird einer Göttin aus dem griechischen Pantheon zugeordnet. Santa, eine weißblondierte, kurzhaarige Schöne entspricht Aphrodite und hat mit falscher Scham nichts am Hut. Wie die Liebsgöttin auch, sieht sie Liebe und Leidenschaft als etwas ganz Natürliches an. So sind ihr Songs wie z.B. "Body and Soul" wie auf den Leib geschrieben. Clyde, die Künstlerin unter den Fünf und Entsprechung von Persephone, hat Schweres durchgemacht und ist auf einer Sinnessuche. In Songs wie z.B. "Bouncing off Clouds" und "Girl disappearing" scheint sie ihre Erfahrungen zu bewältigen. Es sind die ruhigeren und einfühlsameren Stücke des Albums, die mir persönlich am besten gefallen. Ganz im Gegensatz dazu steht Pip, die die Kriegsgöttin Athene und eine dominante Kämpferin darstellt. Mit schwarzen Haaren und Latexhosen (ich habe sie live auf der Bühne erlebt) gibt sie dem Album den verzerrten, rockigen Sound, wie z.B. bei "Teenage Hustling", vor dem jeder Beekeeper-Verträumte gewarnt sei! Isabel hingegen, als Artemis, ist Fotografin und politisch sehr interessiert. Sie schießt direkt am Anfang des Albums scharf mit "Yo George", eine Anspielung auf Amerikas Präsidenten und seiner Gefolgschaft. Sie scheint ein Überbleibsel der Hippie- und Friedensbewegung zu sein. Tori hingegen hat sich auch verwandelt. Sie trägt eine rote Perücke und wirkt wie eine echte Lady. Bloß keine Spur von einer Frau in den Vierzigern, die ein Kind hat und das Hausmütterchen spielt! Mit "Big Wheel" hat sie einen flotten Ohrwurm geschrieben, der ihr wieder ein neues Gesicht gibt. Alle fünf Frauen stehen für eine starke, von Frauen angeführte Gesellschaft, da sie auch mit alten Göttinnen verknüpft sind. In einem christlichen Haushalt aufgewachsen, wehrt sich Tori gegen das Patriarchat und die Allmacht der Männer (auch und gerade auf Amerikas Politik bezogen). Mit diesem Album hat sie ein ganz ungewöhnliches Werk geschaffen, dass erstmal ein komplexes Gedankengebäude darstellt und beim späteren Zuhören, Lesen und Betrachten der Bilder weitere Zusammenhänge zwischen Musik, Charaktäre und Texte deutlich macht. Der neue, rauhe Stil den Tori mit diesem Album anschlägt, mag gewöhnungsbedürftig sein, er hat aber eine wichtige Aussage.

Anspieltipps: "Bouncing off Clouds", "Body and Soul", "Girl Disappearing"...

Kleine Discographie



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Zuletzt aktualisiert am 27.07.2007
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