Björk Björk

Sie ist eine schillernde Person. An ihr scheiden sich die Geister. Die kleine Isländerin mit dem "Eskimo"-Gesicht ist die wohl exzentrischte Künstlerin der Welt. Eine Ausnahme in der Musikbranche ohne einen, der Björk das Wasser reichen kann. Für viele ist ihre Musik einfach nicht in eine Schublade zu pressen, weil Björk Musik immer wieder neu erfindet und jedes Stück von ihr ein Unikat ist.

Björk lernte bereits mit 5 Jahren Klavier und Blockflöte und gab mit 11 Jahren ihr erstes Album "Björk" heraus, dass in Island großen Erfolg feierte. Das reichte ihr jedoch nicht, sie wollte eigene Songs schreiben und veröffentlichen. Mit diversen Punk-Bands musizierte sie sich durch ihre Jugend und sammelte Erfahrungen. 1987 gründete sie zusammen mit einigen Leuten aus der Punk-Bewegung die Sugarcubes. Das war ein Durchbruch, nicht nur für Björk, auch für die Musikwelt, die langsam von den Isländern bevölkert wurde. Es gab vorher keine andere Band, die isländische Musik so populär gemacht hatte. Die Texte waren teils auf isländisch, teils auf englisch und Björk beherrschte die Songs mit ihrer markanten Stimme. Die Musik traf zu dieser Zeit ins Schwarze, denn die Mischung zwischen Punk und experimentellen Sounds passte zu den wilden 80`ern.

1992 lösten sich die Sugarcubes dann auf. Danach bewegte sich Björk immer mehr in die Dance- und Elektrorichtung. Ein Jahr später kam ihr erstes Album "Debut" auf den Markt. Das brachte ihr den Erfolg, den sie für ihre Solo-Karriere brauchte. Danach folgten Alben wie "Post" und "Homogenic". Zwischen ruhigen, fast schwebenden Stücken tauchen wieder basslastige Dance-Titel auf. Langweilig wird einem nie. Die musikalische Kreativität ist bei Björk schier unerschöpflich. Auch wenn gerade die ersten Alben stark von der Elektronik beherrscht wurden, so tauchen immer wieder große Orchestereinlagen, Harfenklänge, Saxophon, sogar Kirchenorgel und spanische Gitarre (Homogenic) auf. Samples aus der alltäglichen Geräuschkulisse, die uns umgibt, verändern jeden Song aufs Neue.
Björk ist quasi in der Lage, aus ein paar Gehgeräuschen von der Straße und einem Keyboard sowie ihrer Stimme einen Song zu basteln.

Das letzte Studio-Album, zu dem ich auch am meisten etwas erzählen kann, nennt sich "Vespertine" und ist im Ganzen eine gelungene Mischung aus entspannendem Chill-Out, Chor-Frasen und einzigartiger Feinfühligkeit. Es ist sehr ruhig und hebt sich nur in den Refrains um ein paar Db. Trotz allem gibt es hier eine großartige Dynamik. Björk hat auf diesem Album fast alle Harfenarrangments und einige Chorarrangments geschrieben. Es ist im gesamten ein zauberhaftes Album, dass allerdings beim Hören erst einmal sickern muß. Ausserdem enthält Vespertine einige von Björks Zeichnungen, angefangen mit der Schwanenzeichnung auf der Frontseite. Dieses Album ist nichts für "Verstandsmenschen", es braucht Träumer und Illusionisten, die mit den Klängen direkt vertraut sind. Und sicher wird man auch hier sagen können: Es steckt Magie drin.

2004: Björks neues Album "Medulla"

Medulla Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was "Medulla" bedeutet. Aber dem Cover der neuen Björk-Scheibe nach zu urteilen, erinnert das alles an die bekannte Mythen-Gestalt "Medusa". Und wenn man sich Björks Kunstwerk an Frisur auf dem Cover und auch auf weiteren Seiten des Booklets ansieht, dann glaubt man fast, dass sie sich mit ihr identifizieren könnte. Auch wenn es vielleicht nichts damit zu tun hat. Nein, es sind keine Schlangen, sondern verflochtene Haare, durch die Björk uns ihren kühlen Isländer-Blick schenkt. Schon allein dieses Artwork sowie alles am Design von "Medulla" sind beeindruckend und gehen noch weit über "Vespertine" hinaus. Die Musik ist dafür noch ein Stück ungewöhnlicher. Wer sich bisher noch nicht an Björks ungewöhnlichen Style gewöhnen konnte, wird es dieses Mal noch schwerer haben. Denn auf der neuen CD beherrscht nur die Stimme die Songs. Und waren beim letzten Studio-Album schon viele Mitwirkende dabei, so haben wir diesmal 2 zusammengestellte Chöre aus Island und Großbritannien sowie rund 8 beteiligte Studios aus verschiedenen Ländern dabei. Der elektronische Hintergrund ist diesmal auf das Mindeste reduziert, denn das Grundgerüst der Songs besteht aus reinen Gesangseinlagen und Samples. Dabei fehlen aber natürlich auch die gewohnten Instrumente wie z.B. Geige und Harfe. Dafür hören wir endlich mal wieder etwas von der Landessprache: 3 Titel sind auf isländisch, der Rest auf englisch.
Die Produktion sowie das gesamte Konzept für das Album, Artwork, Videos, Homepage sind diesmal sehr aufwändig ausgefallen. "Medulla" erscheint in verschiedenen Versionen, als Limited Edition (mit Poster), als DVD, auf LP usw. Ich gebe zu, dass ich nicht jeden Titel dieser Platte mag und mich erst reinhören mußte, aber ich kann schon mal ein paar Anspieltipps geben.

Track 9: Oceania
Track 12: Mouth`s Cradle
Track 14: Triumpf of a Heart

Alle Infos unter dieser speziellen Medulla-Homepage: www.bjork.com/specials/albums/medulla

Dancer in the Dark

Björk verarbeitet in ihrer Musik ihre Erlebnisse und macht Realität zur Illusion und umgekehrt. Dieses Verhalten kann man durch den Film, "Dancer in the Dark" erfahren, in dem Björk die Hauptrolle spielt. Es ist ein Musikal-Film, in dem eine Frau, die an einer Erbkrankheit leidet und dadurch eblindet, alles dafür tut, um ihren Sohn vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Sie arbeitet hart und auf ihre eigene Gefahr, um die Operation für ihren Sohn bezahlen zu können. Leider wird das angesparte Geld vom Nachbarn geklaut und sie kommt in eine brenzlige Situation, in der es zum Mord kommt. Dadurch gerät Selma, gespielt von Björk, ins Gericht, in dem über sie das Todesurteil gefällt wird (das Ganze spielt, wie könnte es anders sein, in Amerika). Selma wird öffentlich erhängt, ein schlimmes Ende mit viel Tränen und doch wirkt es authentisch. Man merkt in diesem Film, wie sehr sich Björk in ihre Rolle fügt und auch die musikalischen Passagen stammen von ihr. Viele gute Ideen stecken im Film und der Film-Musik. Auch wenn man den Film sicher nicht mehr so oft sehen will, es bleibt doch etwas davon in einem zurück. Der Film war umstritten, in Cannes jedoch erfolgreich. Die Musik ist hörenswert, jedoch besser, wenn man wie in "Cvalda" die Tanzsezenen dazu sieht.



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Zuletzt aktualisiert am 23.09.2004
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