Wintersonnenwende - Julfest - Weihnachten

Die Tage werden kürzer,
bis das Licht wiederkehrt.
Die Arbeit ruht,
der Kreislauf wird geschlossen.

von Ilonka

1. Historisches und Herkunft

1.1 Wintersonnenwende, germ./kelt.
1.2 Mithras, ostasiatisch
1.3 Das Kirchenfest

2. Adventszeit - Julzeit

2.1 Der Lichter/Adventkranz
2.2 Der Julbogen
2.3 Fensterbilder
2.4 Der Weihnachtsbaum und sein Schmuck
2.5 Der Klausenbaum

3. Märchen und Göttergeschichten, Weihnachtsfiguren

3.1 Odin
3.2 Der Nikolaus
3.3 Der Weihnachtsmann und das Christkind
3.4 Frau Holle

4. Das Julfest

4.1 Das Ritual
4.2 Das Familienfest
4.3 Das Julfeuer

5. Und was kommt danach?

5.1 Der Jahreswechsel
5.2 Den Winter austreiben

Die Wintersonnenwende ist das Gegenteil der Sommersonnenwende. Der 21. Dezember ist der kürzeste Tag im Jahr. Im Sommer hingegen, am 21. Juni feiern wir den längsten Tag. Dazwischen liegen die Tag- und Nachtgleichen im Herbst und Frühjahr, die die schnelle Ab- und Zunahme des Sonnenlichts einleiten.

Doch die Wintersonnenwende steht auch für Hoffnung. Denn nach dem 21. Dezember werden die Tage endlich wieder länger. Das Tageslicht nimmt erst langsam, dann immer schneller zu und schließt damit den immerwährenden Kreislauf von Leben und Tod, Tod und Wiedergeburt. In der langen, dunklen Zeit vor der Sonnenwende scheint die Erde zu ruhen und sammelt neue Kräfte. Auch wir ziehen uns ins Haus zurück und halten innere Zwiesprache über das Jahr. Bei den Bauern ruht die Landarbeit, allgemein kehrt Ruhe ein. Bis zu dem Tag, an dem das Licht wiederkehrt. Dieses Ereignis inspirierte die Menschen schon in grauer Vorzeit und ließ sie allerlei Rituale und Bräuche erfinden.

1. Historisches und Herkunft

Das heutige Weihnachten ist aus einigen Religionen und Kulturen entstanden. Interessant ist, dass das Mithras-Fest und die Wintersonnewende eigentlich den gleichen Sinn ergeben: Ein Fest zu Ehren der Sonne.

1.1 Wintersonnenwende, germ./kelt.

Die Wintersonnenwende ist in erster Linie eine "nordische" Erfindung. Die Germanen feierten Jul, das Geburtstsfest der Sonne, in dem die Sonne durch große Räder dargestellt wurde. Wir kennen diese Traditionen bereits aus der den Bräuchen der Sommersonnenwende, die es aber auch zu Ostern gibt. Brennende Wagenräder werden einen Abhang hinunter gerollt. Die Wintersonnenwende war der Beginn der sogenannten "Wilden Jagd", den 12 Rauhnächten. Der Göttervater Odin braust mit seinem Totenheer in diesen Nächten um die Erde. Totenseelen sollen herbeigerufen und eine gute Ernte soll herbeigeführt werden. Diese Zeit ist also die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Auch hier finden wir in einer weiteren Tradition den engen Bezug der Menschen zur Sonne. Die Wiedergeburt der Sonnengöttin Lucina (Lucia) hat in Schweden bis heute Tradition und wird mit einem großen Lichterfest begangen. Die Kelten feierten den 24. Dezember als Fastentag.

1.2 Mithras, ostasiatisch

Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus zog der Mithras-Kult in Rom ein. Er wurde dort schnell zur Staatsreligion. Über Kleinasien und Griechenland kam er über Rom bis nach Germanien und Britannien.
"Mithras" oder auch "Mithra" genannt, ist der Sonnen- bzw. Lichtgott, der gleichzeitig auch Kriegsgott, Schutzgott und Bewahrer der Fruchtbarkeit war. Vom Aufbau her ähnelte der Mithras-Kult dem kath. Christentum. Nur Männer durften ihm angehören, und innerhalb dieser Glaubensgemeinschaft herrschte eine strenge Hierarchie. Ebenso gab es die sieben Sakramente und die Lehre der Dreifaltigkeit. So kann man Mithras als allgemeinen Vorläufer des christlichen Gottes sehen.
Zufälligerweise war sein Geburtstag der 25. Dezember, 4 Tage nach der Wintersonnenwende. Mit Kaiser Konstantin, der im Jahre 306 zum Verwalter des Westens ausgerufen wurde, wurde Mithras von Christus "abgelöst". Konstantin benutzte wie viele andere Herrscher das frühe Christentum als mächtigstes Mittel zum Thron.
Im Jahre 354 übernahm die Kirche dann den 25. Dezember und machte aus dem heidnischen Tag den Geburtstag von Jesus Christus. Die früher verfolgten Christen übernahmen die Verfolgung der Mithras-Anhänger.

1.3 Das Kirchenfest

Die Kirche machte aus dem Ehrentag des Mithras also "Weihnachten". Der heutige "Heilige Abend" ist also der Abend vor Jesu Geburt. Wie wir aber inzwischen wissen, ist Jesus nicht an diesem Datum geboren. Über den wahren Geburtstag streiten sich die Geister.
Vieles konnte das Christentum jedoch nicht ausrotten. Das heidnische Brauchtum war schier unerschütterlich bei den Menschen verankert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich bei dem kirchlichen Weihnachtsfest nach vielen Konflikten auch der Weihnachtsbaum und der Adventkranz durch. Die Tannenzweige oder Obstblüten, die man zum Barbaratag ins Haus holt, dienen jedoch zum alten Brauch der Geistervertreibung und haben keinen christlichen Hintergrund. Der "Weihnachtsbaum" wurde zum "Christbaum"; das "Weihnachtsfest" zum "Christfest". Das heutige Weihnachten hat sich die meisten heidnischen Bräuche bewahrt.

Die Kirche ist jedenfalls bis heute öffentlich der Meinung, dass Weihnachten eine christliche Erfindung sei.
Hier ein Beispiel: In einem Interview des WDR mit einem Kirchenoberhaupt des Kölner Doms zum Thema "Weihnachtsmarkt" fiel unter anderem folgendes Kommentar: "Weihnachten ist doch ein urchristliches Fest". ;-)

2. Adventszeit - Julzeit

Die Kirche feiert die Adventszeit als Vorbeitung auf die Geburt von Jesus und hat dazu die vier Adventssonntage erfunden, die diesem Ereignis jedes Jahr wiederholt ein Stück näher kommen. Hierbei wird der übernommene Adventkranz mit seinen vier Kerzen immer heller und am letzten Adventssonntag brennen dann alle Kerzen zum Zeichen, das das Ereignis nahe ist.
Es werden besondere Messen abgehalten und Hilfsorganisationen rufen zum Spenden auf. In der Kirche findet am 24. Dezember, dem Heiligen Abend meist das Krippenspiel statt, das von ein paar Kindern inseziniert wird. Sind die Kirchen bei den meisten Festtagen im Jahr nie sonderlich gefüllt, so locken sie am Weihnachtabend ausnahmlos viele Menschen in die geschmückten Hallen.

An diesem Zeremoniell hat sich allgemein wenig geändert, denn in der Adventszeit erlebt die Kirche immer wieder den großen Boom von den vielen einsamen und nach Geselligkeit dürstenden Menschen. Und doch wird auch dieses Phänomen nicht ewig bleiben.
Diejenigen, die dieses Fest unter dem Aspekt der Sonnewende feiern und nicht im Namen Christi, haben zwar Parallelen zu der christlichen Adventszeit, führen die alten Riten und Bräuche jedoch mit einem ganz anderen Sinn aus, der der Bestimmung von Weihnachtsbaum, Adventkranz und ähnlichem eher auf die Schliche kommt. Was würde es uns auch nutzen, Riten von Andersgläubigen oder alten Kulturen zu übernehmen, wenn wir nicht wissen, was sie bedeuten und ob sie tatsächlich mit der "Weihnachtsgeschichte" etwas zu tun haben?

Fangen wir also mal bei dieser Vorbereitungszeit an. Ende November haben die dunklen Tage uns eingeholt und so bereiten wir uns mit allerlei Mitteln auf die Dunkelheit, aber auch auf das zurückkehrende Licht vor. Doch die ganze Moderne rückt hier in den Hintergrund. Statt elektrischem Licht und Heizung wärmen wir uns lieber an Kerzen und Kaminfeuer. Kerzen spielen in dieser Zeit eine große Rolle und es gibt sie jetzt in allen Farben und Formen. Verwendung finden sie auf dem Lichter- oder Adventkranz, auf dem Julbogen und am Weihnachtsbaum.

2.1 Der Lichter/Adventkranz

Lichterkranz "Elfen", Handarbeit

Kurz vor dem ersten Advent werden diese Kränze gewunden oder von Händlern fertig angeboten. Die Bedeutung dieses alten Brauchs liegt weiter zurück. Die Totenehrung hat damit zu tun, aber auch der Jahreskreis, der Sonnenlauf usw. Das Grün der Tannenzweige hingegen symbolisiert Fruchtbarkeit und Leben. Die vier Kerzen stehen für die vier Jahreszeiten, die vier Elemente und die vier Himmelsrichtungen. Die Flammen der Kerzen stehen für das Sonnenlicht. Im Gegensatz zur heute üblicheren Weise werden die Kerzen erst alle entzündet um dann jede Woche wieder an Licht abzunehmen, gleich dem abnehmenden Sonnenlicht. Am 21. Dezember, am Tag der Wintersonnenwende, strahlen dann alle vier Kerzen wieder um die Wette. Früher war es üblich, diesen Kranz nach dem großen Tag feierlich zu verbrennen in einem großen Feuer.
Ein Adventkranz ist leicht herzustellen. Ein "Unterkranz" aus Stroh dient zur Stabillität. Tannengrün, aber auch andere Zweige wie Misteln, Stechpalmen und verschiedene Nadelgehölze werden als kleine Zweige mit Draht in eine Richtung verbunden, solange bis das Stroh unter dem Tannengrün vollständig verschwunden ist und das Kunstwerk als gleichmäßiger Kranz zu erkennen ist ;-). Die Kerzen werden in der Regel mit einem festen Draht (bekommt man im Blumenladen) in den Kranz gesteckt. Die Drahtstücke mit der Zange abtrennen und ein Ende über der Flamme erhitzen, so geht es leichter. Bei der Wahl der Farben von Kerzen und Dekoration sollte man seinen eigenen Geschmack walten lassen. Traditionell sind rote Kerzen. Dazu kann man auch Schmuck aus der Natur am Kranz festmachen, z.B. Granatäpfel, Nüsse u.a.

2.2 Der Julbogen

Der Julbogen besteht aus einem im Halbkreis gebogenen Kerzenleuchter, der mit Efeu, Tanne, Buchsbaum und Mistel geschmückt ist. Heute ist es oft üblich, ein geschnitzten, hölzernen Kerzenbogen in die Fenster zu stellen. Man ist aber inzwischen dabei zu elektrischem Licht übergegangen. Eine ähnliche Konstruktion ist auch der Julbogen, den man traditionell aus Zweigen von Hasel, Birke oder Wachholder schnitzt (auch anderes Holz ist möglich). Ein festes Brett als Untergestell trägt den Bogen, der mittlere Pfosten hält alles zusammen und stellt gleichzeitig des Lebensbaum dar. Zwei Querstreben ziehen sich paralell zum Bogen und dienen über den Rand des Bogens hinaus für die Plätze der vier kleinen Kerzen. Außer dem grünen Schmuck und den Kerzen gibt es verschiedene Möglichkeiten der weiteren Ausgestaltung. Gebäck in Form von Runen und Sonnensymbolen, sowie einer gebackenen Ermutter symbolisieren die Fruchtbarkeit und das Licht. Äpfel und andere Früchte können am Bogen oder an den Querstreben befestigt werden. Der Julbogen soll ein Stück Lebensbaum darstellen, der unser aller Lebensweg sein könnte und somit auch Schicksale versinnbildlichen. Auch soll er alle guten Wünsche für das kommende Jahr bringen.

2.3 Fensterbilder

Wer Spaß am Basteln hat, der kann sich aus einfachem Fotokarton und Transparentpapier auch Fensterbilder zaubern. Alte Symbole, die durch die Fenster scheinen, machen in jedem Weihnachtszimmer was her. Auswahl an Motiven gibt es genug, einige davon wären z. B. Sonnensymbole, Triskele und der Lebensbaum. Wer weitere Anregungen braucht, der sucht einfach direkt hier im Internet.

2.4 Der Weihnachtsbaum und sein Schmuck

Aus dem Brauch, sich grüne Zweige ins Haus zu holen, kam es irgendwann zu dem Brauch, sich ganze Tannenbäume ins Haus zu holen. Auch diese Tradition ist bereits sehr alt und findet irgendwo in der Frühzeit ihren Anfang. Der Weihnachtsbaum ist bis heute das Überbleibsel des germanischen Baumkults und auch der Lebensbaum wird in ihm verkörpert. Doch er ist auch Gabenbaum durch seinen Schmuck und die darunter liegenden Geschenke. Die Auswahl des Baumes sei jedem selbst überlassen, jedoch sollte man es vermeiden, sich im Wald einfach irgendeinen zu schlagen. Für diesen Zweck gibt es ja heute genügend Händler, der die verschiedensten Bäume anbietet, vom einfachen Waldbewohner bis zum überzüchteten, wenig nadelnden Hochglanzbaum.
Ich persönlich liebe die Blautanne, die mit ihrer besonderen Farbe eine winterliche Stimmung verbreitet. Der Schmuck des Weihnachtsbaums hat sich mit den Jahren kräftig gewandelt. Natürlicher Schmuck wie Sterne aus Stroh, Äpfel, Nüsse und Gebackenes ist heute so gut wie nicht mehr zu finden. Der Markt bietet von glänzenden Kugeln über Glöckchen, Engeln und Lametta alles, was das Herz begehrt und sogar in den unmöglichsten Farben ;-). Doch die alten "Sinngaben" haben eine wichtige Bedeutung. Äpfel verkörpern Fruchtbarkeit, Jugend und Unsterblichkeit, sie stehen für Lebenskraft und werden mit der Göttin Iduna in Verbindung gebracht. Nüsse sind ein typischer Leckerbissen der kalten Jahrezeit und und stehen für den Lebenskreislauf. Die beliebten Weihnachtskugeln hat man sich auch von der Form des Apfels abgeschaut. Die verschiedenen Farben haben verschiedene Bedeutungen. Man kann sie jedoch auch zusätzlich gestalten, indem man sie mit Symbolen bemalt. Fliegenpilze gehören in Holzform auch zum alten Weihnachtsbaumschmuck oder auch als Glücksbringer fürs neue Jahr. Der giftige Pilz wurde in abgeschwächter Form zu früheren Zeiten als Rauschmittel benutzt. Der Fliegenpilz galt somit als "Draht zu den Göttern". Die Strohsterne stehen für den Bezug zur Natur und zur Ernte. Die Spitze des Weihnachtsbaumes wird meist immer noch mit einem Stern versehen, er kann aus Stroh, Holz oder Metall sein. Im christlichen Brauchtum verkörpert er den Stern von Bethlehem, im heidnischen das Sonnensymbol.

2.5 Der Klausenbaum

Der Klausenbaum ist eine Art Pyramide, die aus Naturmaterialien hergestellt wird. Diese alte Weihnachtstradition kommt aus verschiedenen Regionen und hat, dem Namen nach zu urteilen, einen Bezug zum Nikolaus, den man ja auch unter dem Namen "Santa Claus" kennt. Das Wichtigste aber sind beim Klausenbaum die Äpfel, die die Konstruktion zusammenhalten. Vier Äpfel werden mit sechs angespitzten Holzpflöcken zusammengesetzt, so das sie eine ungefähr gleichlange Pyramide ergeben; die Äpfel werden als Verbindungsteile benutzt. Mistel- oder Tannenzweige werden für die weitere Ausschmückung verwendet, dazu kommen vier Kerzen, die jeweils an den drei unteren Hölzern und an der Spitze befestigt werden.
Die vier Kerzen haben wieder eine Bedeutung für die vier Elemente. Man könnte den Klausenbaum aber sicherlich auch als Vorgänger der heutigen, hölzernen Weihnachtspyramide sehen. Nur dreht sich hier kein Rad.

3. Märchen und Göttergeschichten, Weihnachtsfiguren

Zur Weihnachtszeit wird gerne gelesen. Es erscheinen jedes Jahr neue Bücher mit Kurzgeschichten, Märchenbände oder Romane. Nicht nur die Kinder finden daran gefallen. Auch für uns ist diese Zeit da, um uns mit alten Geschichten zu beschäftigen. Denn in den Märchen stecken auch viele Informationen über das Leben in früherer Zeit. Woran glaubte man? Worin sah man Gefahren? In den Märchen finden wir Antwort darauf. Doch wir sollten nicht vergessen, dass man nicht alles wortwörtlich sollte. Auch die heutigen Gabenbringer der Weihnachtszeit haben ihre Geschichte.

3.1 Odin

Im obersten Kapitel über die Wintersonnenwende wurde sein Name bereits genannt. Der Göttervater Odin spielte für unsere Vorfahren eine große Rolle. In den germanischen Göttersagen, in der EDDA ist Odin der Fürst aller Welten und der König der Asen (ein bestimmtes Göttergeschlecht). Er gilt als weise und ist ein Verwandlungskünstler, der sich somit durch die Welt der Menschen, Riesen und Zwerge schlägt, ohne erkannt zu werden. Einmal im Jahr, zwischen der Wintersonnenwende und Neujahr zieht er mit seinem Totenheer (wie oben schon beschrieben) über die Erde. Er bringt Fruchtbarkeit über die Felder und ehrt die Toten mit Opfergaben. Diese zwölftägige Reise ist nicht nur eine Geschichte, die Hoffnung bringt, sie erinnert auch stark an die heutigen Geschichten über den Weihnachtsmann. Der Weihnachtsmann, von denen den Kindern heute erzählt wird, zieht mit seinem großen Rentierschlitten jedes Jahr vom Nordpol um die ganze Welt, um den Kindern die Geschenke zu Weihnachten zu bringen. Dabei hält sich in Ländern wie Großbritannien und den USA der Glaube, dass der Weihnachtsmann nachts heimlich durch den Kamin saust und seine Gaben in aufgehängten Strümpfen und unter dem Weihnachtsbaum verteilt. Man könnte selbst aus diesem Thema eine Wissenschaft machen. Es ist jedoch nur ein Ansatz, der deutlich machen soll, dass der kriegerische Odin und der gutmütige Weihnachtsmann durchaus etwas gemeinsam haben...

3.2 Der Nikolaus

Der Nikolaus hat seinen Ehrentag am 6. Dezember und hat heute weitgehend eine christliche Geschichte. Er war ca. um das Jahr 350 n. Chr. Bischof von Myra (Türkei). Viele Legenden und Geschichten gibt es von ihm, doch handfeste Beweise für seine Existenz und sein mildtätiges Handeln gibt es nicht. Er soll angeblich den Seefahrern erschienen sein und sie aus der Not gerettet haben, weshalb man ihn auch zum Schutzpatron der Seeleute gemacht hat. In einigen Legenden wird erzählt, wie er den Armen und Unschuldigen geholfen hat. Die Kinder freuen sich, Legende hin oder her, jedoch jedes Jahr auf den "Niklausabend", bei dem der Nikolaus ihnen Süßes und Nützliches in die Schuhe legt. Bedingung dafür sind geputzte und vor der Türe aufgestellte Schuhe. Bei dreckigen Schuhen, die die Faulheit des Kindes verrieten, gab es früher nur eine Rute oder Schuhputzzeug in die Schuhe. Der Nikolaus hatte auch lange Zeit einen Gesellen, der bekannteste ist dabei der Knecht Ruprecht. Er wurde für die "bösen" Kinder bestellt, die keine Gaben, sondern Strafe erhielten. Natürlich ist der Nikolaus allen Legenden zum Trotz ein Gemisch aus heidnischen Bräuchen und christlichem Volksglauben. Der Nikolaus weist auch Parallelen mit keltischen Druiden auf, die in der Vorweihnachtszeit mit Kräutern und Beeren "hausierten".

3.3 Der Weihnachtsmann und das Christkind

Außer dem Nikolaus gibt es noch den Weihnachtsmann und das Christkind, die heute üblicherweise für die Geschenke am Weihnachtsabend zuständig sind. Der Weihnachtsmann ist eine späte, amerikanische Erfindung aus den 50er-Jahren und wurde ja bereits als Odin-Paralle genannt. In Deutschland ist jedoch das Christkind üblicher. Das Christkind ist natürlich nichts anderes als das Jesuskind, das die Geschenke bringt. Beide Figuren erfüllen nur eine Mission: Sie bewahren die Eltern davor, dem Kind die langweilige Wahrheit zu sagen und die Spannung am Weihnachtsabend zu erhöhen.

3.4 Frau Holle

Wir kennen sie alle aus dem berühmten Märchen der Gebrüder Grimm. Frau Holle ist dort die Richterin über Gut und Böse. Sie belohnt die Fleißige und bestraft die Faule. Außerdem ist sie für den Schnee zuständig, daher ein geeignetes Wintermärchen. Doch hinter Frau Holle steckt Hel, die Göttin des Todes und Herrscherin der Unterwelt. "Hel" bedeutet soviel wie "schützen" und hat keinesfalls einen wirklichen Bezug zur kirchlichen Hölle. Die Qualen bleiben hier aus. Sie herrscht über die dunkle Zeit und ist somit auch für das Fest der Wintersonnenwende zuständig.

4. Das Julfest

Die Festtage des Julfestes lassen wir am 21. Dezember beginnen und mit dem Ausklang des 2. Weihnachstfeiertages enden. Somit haben wir eine Brücke zwischen den alten und neuen Feiertagen geschlagen. Relevant für die meisten Hexen und Heiden ist jedoch der Tag der Wintersonnenwende. An diesem Tag ist bereits alles fertig geschmückt und das Ritual kann beginnen.

4.1 Das Ritual

Für den Normalfall feiert man das Fest drinnen. Es folgt die übliche Vorbereitung für das Ritual. Beim Dekorieren des Raumes sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, ein paar Tannenzweige, Nüsse und weiterer Schmuck sollte jedoch nicht fehlen. Die Farben für Kerzen, Schmuck und Altardecke sollten möglichst grün, weiß, rot, silber, gold oder gelb sein. Tigerauge und Rubin passen dazu. Strohsterne und Strohpuppen sollten nicht fehlen. Weitere Tipps sind nochmal im obigen Kapitel nachzulesen.
Alle Äpfelprodukte sind als Essen oder Trinken angebracht. Kuchen und Plätzchen sowie ein Festtagsessen kann auch am Tag der Wintersonnewende als Tagesabschluß genossen werden. Vorher jedoch wird durch den Raum ein Kreis gezogen und mit vier Kerzen in Position der Himmelsrichtungen markiert. Danach schließt man den Kreis symbolisch und beginnt mit der Anrufung der Götter/Göttin. Wie bereits schon erwähnt, sind auch Odin und Hel/Frau Holle für dieses Fest zuständig. Dazu noch die Lichtergöttin Lucina (Lucia) und Dionysos, der griechische Gott des Weins und der Fruchtbarkeit. Eine Räucherung mit Myhre oder Weihrauch sorgen für die richtige Stimmung. Da dieses Fest ein Familienfest ist, wird vor allem um Schutz der Kinder und Angehörigen gebeten. Außerdem kann man um Segen für das kommende Jahr bitten.

4.2 Das Familienfest

In den Tagen des Julfestes finden seit jeher Verwandtenbesuche statt. Familie und Freunde treffen sich und tauschen sich nach langer Zeit mal wieder aus. Es gibt Geschenke, besonderes Essen und manchmal auch Spiele. Das Julfest soll etwas Besonderes sein, es soll Frieden vermitteln. Auch die Zeit davor wird viel mehr gemeinsam verbracht. Heutzutage macht sich jedoch mehr Streß und Konsumdenken breit, als es eigentlich gesund ist. Die Menschen, um die es sich eigentlich dreht und das Ereignis an sich werden oft vergessen. Die Wünsche der Kinder werden immer größer, obwohl die Portemonnaies nicht voller werden und statt Gebäck, Nüssen, Äpfeln und Mandarinen werden ganze Tüten und Teller voll Schokolade und Marzipan verteilt. Der Vertrieb der Weihnachtsprodukte beginnt entsetzlicherweise immer früher. Scheinbar haben sich die Bedürfnisse in den Familien geändert und nehmen andere Formen an. Aber tut es nicht auch ein bißchen weniger? Ohne den Moralapostel spielen zu wollen: Aber geht es nicht eigentlich um das Fest des Lichts? Da sollte eigentlich schon der Anblick des leuchtenden Weihnachtsbaumes Vorfreude genug auslösen.

4.3 Das Julfeuer

Für das Feiern in der Natur ist natürlich das Julfeuer unerlässlich. Dazu wird ein Feuerturm errichtet, der in der Mitte von einem großem Baum ausgeht. Um diesen herum werden dann immer mehr Äste, die nach oben hin dünner werden, errichtet. Die Äste werden mit Seilen festgehalten und zwischen die Äste wird Reisig gestopft. So ein Vorhaben ist jedoch nur für erfahrene Feuerturm-Bauer geeignet.

5. Und was kommt danach?

Sind die Festtage erstmal vorbei, wird es Zeit in die Zukunft zu sehen und der Sonne entgegen zu feiern...

5.1 Der Jahreswechsel

Ab dem Samhainfest am 31. Oktober befinden wir uns in der sogenannten Ruhephase und haben den eigentlichen Jahreswechsel schon hinter uns gebracht. Das Bauernjahr findet bereits vor Jul ein Ende. Die Tage zwischen den Jahren geben Raum für Pläne, Wünsche und Vorsätze. Nicht nur das Rauchen wollen viele aufgeben, es entstehen auch ganz andere Vorsätze. Man denkt an andere und wünscht allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Hinter all diesen Sitten steckt auch ein wenig "Aberglaube". Die Angst, das etwas schief gehen könnte und das dadurch die nahe Zukunft beeinflusst wird, scheint seit jeher in den Köpfen der Menschen verankert zu sein. Dehalb werden an Sylvester so gerne die berühmten Glückssymbole wie vierblättriger Klee, kleine Schornsteinfeger-Figuren und die bereits erwähnten Fliegenpilze verschenkt.
Dazu kommen Bräuche wie das Bleigießen am Sylvesterabend, das man im Kreise von Freunde und Familie benutzt, um aus den merkwürdigen Bleifiguren etwas über die Zukunft zu erfahren - eine Ableitung des früheren Runenorakels. Der Heidenlärm, den das Feuerwerk dann verursacht, gehört zu den Lärmbräuchen, die böse Geister verscheuchen und allgemeines Glück bringen soll. Die Zukunftsängste der Menschen werden somit übertönt. Jeder sollte sich aber letztendlich selbst Gedanken um seine Vorsätze machen und wie er sie im neuen Jahr umsetzt.

5.2 Den Winter austreiben

Ist das neue Jahr angebrochen und der Winter hat immer noch die Oberhand, wird es Zeit, den Winter auszutreiben. Schließlich feiern wir am 2. Februar bereits schon wieder ein kleines Vorfrühlings- und Lichterfest: Imbolc. Jetzt, da das Licht wieder zugenommen hat, wird alles Alte und Dunkle verdrängt. Ein Ritual zur Winteraustreibung wird natürlich möglichst unter freiem Himmel begangen. Mit einem Kerzenkreis oder einem Feuer werden die letzten Wintergeister durch Lärmen und Tanzen vertrieben. Schon jetzt kann man an kleinen Beispielen in der Natur erkennen, dass der Frühling nahe ist. Natürlich ist klar, das dieses alte Ritual der Vorläufer der heutigen Faschings- und Karnevalszeit ist. Das Verkleiden ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Die Ruhezeit ist damit offiziell beendet.

Quellen:

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Zuletzt aktualisiert am 28.12.2006
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