Samhain

Das "Jahr" geht zu Ende
und lässt Zeit für Vergangenes.
Wir gedenken der Ahnen
und schauen in die Zukunft.

von Ilonka

Es nimmt in unseren Landen immer mehr an Beliebtheit zu. Das in den englischsprachigen Ländern bekannte "Halloween"-Fest, wird auch hier gesellschaftsfähig und zur Partyattraktion - rund um den 31. Oktober. Doch was steckt dahinter? Heidnisches Brauchtum jahrhunderte alter Kultur aus der Vorzeit.

Ursprung

Auch dieses Fest hat einen keltischen Ursprung. Es stammt aus dem alten Mondkalender der Kelten. Ursprünglich wanderte der Kult von Großbritannien und Irland nach Nordamerika und wurde dort bald zum beliebten Fest, bei dem die Lebenden mit den Toten in Kontakt treten. Vorwiegend ist dieses Datum auch für die Bauern wichtig gewesen. Samhain bildete den Abschluss eines Ernte- und Arbeitsjahres. Die letzte Ernte war eingeholt und man bereitete sich nun auf die Ruhezeit vor, die bis zum Erwachen Anfang Februar, dem Imbolc-Fest, eingehalten wurde. An Jule, der Wintersonnenwende am 21. Dezember, kehrt langsam wieder das Licht zurück; die Tage werden ab dato wieder länger. An Samhain jedoch verabschiedete man das Jahr und bedankte sich bei den Göttern. Man ließ sich Zeit, in sich zu gehen und in dieser Stimmung auch Kontakt zu den Toten aufzunehmen.

Auf den Feldern und Hügeln wurden große Feuer entzündet. Es wurde getanzt und getrommelt, damit das einfache Volk ein altes Leben verabschieden und ein Neues beginnen konnten.
Dazu rief man die Toten, die einem über Fehler hinweghelfen würden. Die Weisheit der Ahnen hatte eine große Bedeutung für die nachfolgende Generation. In dieser Nacht wurden auch Wünsche geäußert.

Moderne

In Amerika hielt also "Halloween" Einzug. Die Feuer sind inzwischen weggefallen und auch die Bedeutung des Jahresendes. Statt der Totenverehrung ziehen heute die Kinder verkleidet als Schreckgestalten durch die Straßen, hecken Streiche aus und sammeln Süßigkeiten. Was bis vor ein paar Jahren nur in den USA üblich war, findet hier in Deutschland zusehends Begeisterte. Der Markt hat sich angepasst - von der Dekoration bis zur passenden Verkleidung ist in unseren Geschäften alles zu haben. Es mag so manchem zum Schmunzeln anregen, doch der eigentliche Sinn ist (ähnlich wie Weihnachten/Jule) fast verlorengegangen.

Ein weiterer Aspekt ist der christliche Feiertag "Allerheiligen". "Halloween" bedeutete nichts anderes als "Der Abend vor Allerheiligen". Die Kirche suchte zu Zeiten der Christianisierung nach einem Anlass, die heidnischen Feste in christliche Feste zu verwandeln. Die Totenverehrung haben sie sich somit von den Kelten abgeschaut und daraus den 1. November zum Feiertag erklärt. In den USA und Großbritannien nennt er sich "All Saints Day". Geblieben ist von dem alten Fest die Sitte, unsere verstorbenen Angehörigen auf den Friedhöfen zu besuchen und auf den Gräbern Blumen und Gestecke niederzulegen.

Tradition und Umsetzung

Für jeden von uns persönlich ist Samhain ein Loslassen von alle dem, was in diesem Jahr hinter uns liegt. Es ist Zeit, Fehler einzugestehen und Bilanz zu ziehen, was geblieben und was gegangen ist. An diesem Abend zählt persönliches Engagement und die Kraft, die wir in uns tragen, zu nutzen. Es gibt dennoch keinen Grund, sich zu gruseln und schwarze Magie sollte auch mit diesem Fest nicht in Verbindung stehen. Man sollte sich jedoch gut vorbereiten und die Gewißheit haben, sich ausreichend Zeit für sich selbst, das Ritual und den beteiligten Mitmenschen zu nehmen.

Verschiedene Anliegen können nun zu Tage gebracht werden. Dazu zählen: Dinge abzuschließen, Wünsche zu äußern, mit Verstobenen in Kontakt zu treten und in die Zukunft zu sehen. Zunächst aber bedarf es einer gründlichen Reinigung. Altargegenstände, Räume und Kleidung sollte geputzt und gewaschen sein. Danach ist eine Weihe der Altargegestände und Talismane vorgesehen, um deren Kraft zu erneuern. In der Regel ist es um diese Jahreszeit schwierig, das komplette Fest draussen zu feiern, deswegen ist es völlig in Ordung, wenn man seine Räume nutzt. Die Farben sind Orange und Schwarz. Schwarze Kerzen müßen nicht umbedingt sein, eine weiße Altarkerze gehört jedoch dazu. Die traditionellen ausgehöhlten Kürbisse, die mit einer Kerze beleuchtet werden, oder aber Zierkürbisse der kleineren Art finden sicherlich Platz in den geschmückten Räumen. Blätter und Walnüsse, Äpfel und andere Schätze der Natur schmücken den Altar, die auch als Opfergaben dienen. Wer an seine Ahnen denken möchte, der sollte natürlich auch Fotos oder Bilder nicht vergessen. Empfohlene Speisen und Getränke sind z.B. Kürbistorte, Muffins mit Blaubeeren, Glühwein, Apfelwein und Kräutertees.

Wie immer wird ein Kreis geschlossen. Doch nicht nur die Räume werden mit Lichtern geschmückt, auch um das Haus herum kann man einzelne Windlichte verteilen, was zum alten Brauch der Geistervertreibung und zum Schutz gehört. Für die Anliegen können verschiedene Götter gerufen werden; dazu zählt die griechische Göttin Hekate, die keltische Todesgöttin Morrigan und Osiris. Vor Mitternacht sollte man sich von seinen Fehlern und schlechten Gewohnheiten befreien, in dem man zum Beispiel diese auf ein Papier schreibt und es im Feuer (oder auch in einer Feuerschale) verbrennt. Fühlt man sich von diesen Lasten befreit, sollte man Pläne für die Zukunft machen und sich überlegen, was man verbessern könnte.

Ein Hilfsmittel zu erkennen, was einem bevorsteht und wie man sich verhalten sollte, ist die Wahrsagung. Auch diese Sache ist sehr umstritten und hat einen dunklen Ruf, sowie die Vorstellung von alten Zigeunerinnen, die sich über ihre Karten und Kristallkugeln beugen. Ich kann jedoch dazu erfahrungsgemäß ein wenig Rat geben. Die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht eignet sich dafür hervorragend. Wer aber mit Medien wie Tarotkarten oder Pendeln noch nie gearbeitet hat, der sollte sich auch nicht diesen Abend für die erste Wahrsagung aussuchen. Es benötigt Zeit, Geduld, Erfahrung und Training, bis man die Sprache der Dinge versteht. Also: üben, üben, üben. Man sollte sich zunächst das auswählen, zu dem man den engsten Bezug hat. Es nützt reichlich wenig, wenn man ein Pendel benutzen will, aber keine Beziehung dazu aufbauen kann. Für mich ist die Bildsprache die Ausdrucksvollste. Das war auch der Grund, warum es mich zu den Karten gezogen hat. Das Tarot ist ein Spiegelbild der Seele, so sagt man und kann durch seine Bilder einen Bezug zur Persönlichkeit aufbauen. Möchte man also einem Menschen die Karten legen, sollte man zumindest die Persönlichkeit dieses Menschen ein wenig kennen, um seine Handlungsweise bei den weisgesagten Ereignissen abzuschätzen. Es reicht jedoch, wenn man an Samhain nur in seine eigene Zukunft schauen möchte. Wer sich zum Thema "Tarot" bilden möchte, dem empfehle ich, unter der Verwendung der Waite-Karten, das Buch von Kithara - "Das geheime Wissen der modernen Hexe" zu verwenden.

Doch genug der Details. Das Wichtigste ist, einen ruhigen Abend zu verbringen und sich ganz auf seine Anliegen zu konzentrieren. Bei diesem Festtag ist die Konzentration besonders wichtig. Hilfreich dabei ist die Meditation, die vor einem Ritual ausgeführt wird und die sogenannte "Erdung", durch den man den Boden unter den Füßen nicht verliert. Nur dann können auch Wünsche in Erfüllung gehen und der Kreislauf schließt sich. Für einen Herzenswunsch (materielle Dinge sind von nicht so hoher Wichtigkeit) ist auch die Kraft des Mondes hilfreich. Eine klare Mondnacht ist somit ein Glückstreffer und sollte genutzt werden. Wer dann klar und deutlich seine Wünsche und Ziele ausspricht, kann auf Erfüllung hoffen. Ich persönlich habe meine Erfahrung damit gemacht und habe innerhalb kürzester Zeit das bekommen, was ich mir an Samhain gewünscht habe. Dies sei auch anderen gegönnt, also viel Glück!

Zum Schluß wollte ich darauf hinweisen, dass ich davon abrate, sich auf Dinge zu versteifen oder zu erzwingen. Es gibt keine Garantie für eine positive Veränderung. Die Kraft, Dinge zu verändern, liegt allein in jedem selbst. Ich kann nur meine Erfahrungen, allgemeine Beschreibungen und Tipps an eine hoffentlich interessierte Öffentlichkeit weitergeben. Viel Spaß beim Feiern!

"Hexenwissen" von Thea
"Das große Praxisbuch der weißen Magie" von Ansha.
Beides erschienen im Ludwig-Verlag.
"Weiße Magie" von Eric Pier Sperandio.

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Zuletzt aktualisiert am 21.10.2004
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