Freyja und Venus

Die Eine liebt, kämpft
und richtet.
Die Andere lehrt uns
Frau zu sein mit allen Seiten

von Ilonka

So manch einer mag sich jetzt fragen, warum ich zwei Göttinnen aus verschiedenen Kulturen auf einer Seite unterbringe. Ganz einfach: Sie mögen verschieden sein und doch haben sie letztlich die gleiche Aufgabe, nämlich als Liebes- und Schönheitsgöttin zu fungieren. Und während die germanische Freyja einen kriegerischen und freien Charakter mitbringt, sehen wir in der römischen Venus die Muse an sich. Eine Göttin, die allein wegen ihres Körpers angebetet wurde und die uns lehrt, unseren Körper zu lieben und ihn anzunehmen.

Freyja

Als Göttin der Vanen steht Freyja aber nicht nur für Liebe, Sexualität und Fruchtbarkeit, sondern herrscht auch über Leben und Tod. Als Mitglied der Vanen wurde sie erst später in die Reihe des anderen Göttergeschlechtes, den Asen aufgenommen. Die Welt der Götter befindet sich laut der germanischen Göttersagen in Asgard, von wo aus die Götter herrschen, andere Welten beobachten und auch des öfteren in Geschehnisse eingreifen. Freyjas männlicher Gegenpart stellt ihr Bruder Freyr dar, der eine wichtige Funktion für Fruchtbarkeit und Ernte der Bauern hatte. Von ihm wird behauptet, dass er sehr frauenkundig sei.

Göttin Freyja

Freyja besitzt in der Hierachie der Götter großes Ansehen. Sie gilt als die schönste Göttin und wird vor allem von Frauen und Mädchen in Liebesdingen angerufen. Sie fährt auf einem mit Katzen bespannten Wagen und kann sich bei Bedarf in ein Falkengewand kleiden, was ihr in gefährlichen Situationen zu Gute kommt. Die beiden Raubtiere symbolisieren gleichzeitig ihre Kraft, die neben ihrer Schönheit besonders groß ist.

Die Göttin erinnert stark an das Bild der schönen und kriegerischen Amazone, doch trotz der unabhängigen Lebensweise hat sie einen Geliebten, der ihr verschollen bleibt. Zunächst einmal war sie von all den Werbern unbeeindruckt und ihr Mann Od mußte dreimal um sie werben, damit sie in die Ehe einwilligte. Dann jedoch entwickelte sich eine so starke Liebe, dass beide ohne einander kaum leben können. Doch er streift durch die Länder, auf der Suche nach Weisheit, während sie ihn sucht und Tränen vergießt, aus denen Bernstein wird. Die Verbindung der beiden wird auch durch ihre Erfahrungen und durch magische Kräfte bestimmt.

Freyas magische Kraft wird auch Seidr genannt (leider kenne ich die isländischen Schriftzeichen nicht) und damit beherrscht sie die Kraft des Verwandelns, was wir ja auch schon durch das Falkengewand erkannt haben. Sie kann zudem magische Tränke brauen, was sie als Schutzgöttin von Hexen und Druiden auszeichnet. Ihre Aufgabe als Göttin über Leben und Tod erfüllt sie als "Assistentin" Odins, in dem sie die Hälfte der gefallenen Krieger nach Fòlkvangur führt, was Volksfeld heißt und den dort frühzeitig Gefallen ein neues Leben schenkt.

Ich verbinde diese Göttin besonders stark mit der Zeit um Beltane. Die Zeiten des Aufblühens und Werbens sowie die der Hochzeiten bilden die Grundlage für Freyjas Schaffen. Der Übergang des Frühlings zum Sommer, von der Wachstumsphase zur Erntephase ist eine Zeit des Wandels und daher geeignet, um Freyja anzurufen oder in ein Fest miteinzubeziehen. Ansonsten können wir uns immer vetrauensvoll an sie wenden, wenn wir in Liebesdingen Rat bzw. eine Antwort brauchen, ganz besonders, wenn wir mit Divinationsmitteln arbeiten wie z.B. Tarot-Karten oder ein Pendel. Sie steht aber auch für die Unabhängkeit in einer Beziehung, für eine starke geistige Verbindung und für das, was ich das "Amazonen-Feeling" nenne. Das heißt, wenn wir uns innerlich oder manchmal auch äußerlich in eine Kriegerin verwandeln wollen. Dieses Rollenspiel wird oft von Wut oder Trauer beherrscht und hilft uns, mit diesen Emotionen sinnvoll umzugehen. Auch bei dieser "Verwandlung" kann Freyja uns beistehen, sollten wir nicht zu lange darin verfallen ;-)

Venus

Wohl kaum eine andere Göttin mag die Künstler aller Epochen so inspiriert haben wie die römische Liebesgöttin. Die bekannteste und meiner Meinung nach die schönste Darstellung stammt von Sandro Botticelli - die "Geburt der Venus". Im Schaum des Meeres geboren, auch Schaumgeborene genannt, verkörpert sie eine reine, unantastbare Göttin, die für Liebe, Schönheit und erotisches Verlangen steht. Es gibt verschiedene Theorien über ihre wirkliche Herkunft. Angeblich kam sie ursprünglich aus dem Orient und wurde dann über Griechenland nach Italien weitergereicht. Bei den Römern ist Venus die Tochter des Jupiter und Gattin des Vulcanos sowie die Geliebte des Mars. Sie wird mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt und hat auch Parallen zu der bereits genannten Göttin Freyja.

Botticelli`s Venus

Der Bezug zum gleichnamigen Planeten mag uns gering erscheinen, aber ein paar Daten möchte ich hierzu auch nennen. Die Venus ist aus Sicht der Erde der hellste, größte und schönste Stern und ist auch fast genauso groß wie unser blauer Planet. Über die Oberfläche weiß man inzwischen, dass sich auf ihr Hochebenen wie z.B. die "Ishta Terra" befinden. Wie könnte es anders sein - die Venus ist ein heißer Planet und hat Tag und Nacht eine Temperatur von ungefähr 480° Celsius. Es herrscht dort ein extremer Luftdruck. Um die Venus herum ist eine Wolkenschicht, die aus Schwefelsäure besteht und in den oberen Schichten ist das Wetter unruhig, während es in den unteren Schichten eher trocken ist. Die Venus ist zudem der einzige Planet, der sich entgegengesetzt der Umlaufbahn dreht. Jahreszeiten gibt es dort nicht.

Somit kommen wir vom Planeten auch auf den astrologischen Einfluss. Die Stellung der Venus im Horoskop zeigt an, wie wir mit dem Thema Liebe umgehen und was uns in Beziehungen und Freundschaften wichtig ist. Zugleich gibt sie uns Körperbewußtsein und Gestaltungskraft. Die Venus ist der Haupteinfluss der Tierkreiszeichen Stier (Element Erde) und Waage (Element Luft). Während im Stier der Einfluss der Venus Weiblichkeit, Stabilität, und Bodenständigkeit hervorruft, zeigt sie sich in der Waage als maskuline Kraft, die für Tatendrang, Ordnung, und Ausgleich sorgt. Beiden jedoch wird in der Regel viel Kreativität geschenkt, denn Venus bringt einen Sinn für alles Schöne, für Kunst und Genuss mit. Diese Einflüsse aus der Astrologie kann man paralell zu den Eigenschaften der römischen Göttin sehen.

Nun aber noch zurück zur Göttin und zur Mythologie. Venus war verheiratet mit Hephaistos, den sie aber mit mehreren Göttern betrog. Aus zwei anderen Verbindungen stammen somit die Söhne Eros, der im römischen Amor heißt, und Äneas. Ihre Funktion als Fruchtbarkeitsgöttin hat sie somit auch "erfüllt". Ihr Sohn Amor ist ebenfalls sehr bekannt, da er Götter wie Menschen mit seinen Pfeilen dazu bringt, sich zu verlieben. Er wird oft mit Venus oder anderen Göttinnen dargestellt.

Der Kult um Venus erreichte auch Julius Cäsar, der für die Venus Genetrix um 46 v. Chr. einen Tempel errichten liess, weil er sie als mythische Ahnherrin sah. Sie erhielt ca. 295 v. Chr. den Staatskult in Rom und hatte Einfluss auf die Polititk ;-). Eine der Theorien, die sich um ihre Herkunft drehen, besagt, dass sie nahe der Insel Zypern im Meer geboren wurde. Aus diesem Grund gab es rund um die Insel einige Kultstätten, die ihr unter verschiedenen Namen geweiht waren. In vielen Museen finden wir weitere Venus-Figuren und Abbildungen auf Gefäßen, die auch aus nichtrömischer Zeit stammen. Der Begriff "Venus" als Ursymbol einer fruchtbaren Frau begegnet uns z. B. in der "Venus von Willendorf", einer steinzeitlichen Figur, die vor ca. 25000 Jahren entstanden ist. Die Frauenverehrung und damit ihre künstlerische Darstellung waren schon früh in den Köpfen der Menschen vorhanden.

Die Göttin Venus könnte man ebenfalls mit der Zeit des Mai-Festes Beltane verbinden, sie kann uns aber auch im ausgelassenen Fest der Sommersonnenwende begegnen. Wer einen astronomischen Bezug zur Venus hat, sollte sich am Abend- oder Morgenhimmel den hellsten Stern suchen oder nach Karten ihren Standpunkt am Himmel ausmachen, um sie zu beobachten. Sich mit Venus zu verbünden heißt, alle Sinne auszukosten. Dazu reicht es, zu singen zu tanzen oder Musik zu machen. Wer mehr Körperbewußtsein verspüren möchte, kann sich in einem Ritual an die Göttin richten und sich Stärken und Schwächen bewußtwerden sowie dafür danken. Sie unterstützt uns weiterhin in Dingen wie Erotik und Anziehung, Liebe und Ausstrahlung, sowie Harmonie und Schönheit. Wer dringend Kreativität benötigt, kann sie um ihren Einfluss bitten und sich dabei von vielen Dingen inspirieren lassen.

Zum Schluss bekommt ihr noch einige Zuordnungen zur Venus, die euch bei euren Anliegen helfen sollen: Ihre Farben sind: Orange, Rosa, klares Blau, Smaragdgrün. Als Figuren sind alle wohlproportionierten Göttinnen-Figuren geeignet. Wer hat, der kann auch eine "originale" Botticelli-Figur auf den Altar stellen. Zu den Mineralien gehören: Kupfer, Karneol, Rosenquarz, Rhodonit, Achat, Smaragd, Malachit. Zugeordnete Pflanzen sind: Apfelbaum, Birke, Linde, Mandelbaum, Rose, Ringelblume, Jasmin, Malve, Erdbeere, Flieder, Magnolie, Nelke, Waldmeister, Geranie. Brauchbare Accessoires sind Blühende Blumen, Früchte wie z.B. Äpfel, Eier, Düfte, Seidenbänder, Spiegel und Gürtel. Symbole wie Herz, Mandel, Pentagramm und Labyrinth könnten zudem Verwendung finden.

Auch hier betone ich nochmals, dass trotz aller hier genannten Ausführlichkeiten die Göttinnen nur Aspekte der großen Mutter oder eben auch der Göttin sind (zumindest in meiner Vorstellung). Die gennanten Attribute sollen eine Hilfestellung für gezielte Anliegen sein und eure Vorstellungskraft etwas ankurbeln. Was ist letztlich schlecht daran, Vorstellungen aus alten Zeiten zu übernehmen? Auch wenn die alten Götter und Göttinnen das Christentum kaum überlebt haben, sind sie immer noch in unserer Fantasie.

Quellen:
"Germanische Götter- und Heldensagen" neu erzählt von Reiner Tetzner - Reclam-Verlag
"Das Silberrad der Sterne" von Karin Lachmeir
"Sextrologie" von Stella Starsky und Quinn Cox.
www.wikipedia.de
www.sungaya.de
www.geocities.com/venus



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Zuletzt aktualisiert am 15.03.2007
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