Demeter - die Erntegöttin mit den drei Gesichtern

Die Mutter der Fruchtbarkeit
trägt Trauer um die Tochter,
die wiederkehrt,
und die Dürre beendet

von Ilonka

Eine bekannte Göttin in der Götterwelt, die aus Griechenland stammt und verschiedene Gesichter hat, ist die Demeter. Ihr Festtag findet zwar laut Kalender am 13. Juli statt, sie gehört jedoch sinngemäß in die Erntezeit, da sie dann ihre Funktion als Ernte- und Fruchtbarkeitsgöttin erfüllt. Mit Demeter wenden wir uns dem Aspekt der Ernte, einem innigen Mutter-Tochter-Verhältnis und einem großen Kult zu, der um sie entstanden ist und eine Weile in Vergessenheit geriet.

Das Wort Demeter setzt sich aus "de"= Erde, und "meter"= Mutter zusammen. Also steht sie in erster Linie für eine Mutter Erde, die ihre Schätze pflegt und hütet und den Menschen die lebensnotwendige Nahrung spendet. Sie wurde im antiken Griechenland sehr verehrt und ist vermutlich einer der ältesten Göttinnen des griechischen Götterhimmels. Auf der Inselgruppe der Kykladen enstand vor ca. 4000 Jahren eine eigenständige Religion, die einem Matriachat zu Grunde lag. Man verehrte dort viele Göttinnen, darunter auch Demeter, die im Ackerbau bereits eine große Rolle spielte. Die Inselgruppe wurde von einem Vulkanausbruch erschüttert und deren Siedlungen zerstört, somit ging nicht nur das minoisische Volk unter, sondern auch deren Religion.

Demeter überlebte in einem neuen, mit Göttern besetzten System. Ihr wurden in verschiedenen Gebieten Griechenlandes unterschiedliche Bedeutungen und Geschichten angehängt. Die dunkle und kriegerische Seite zeigte Demeter als Zornesgöttin Erinys, nachdem sie von dem Meeresgott Poseidon vergewaltigt wurde. Aus diesem unglücklichen Umstand kamen die Tochter Despoina und das geflügelte Pferd Arion hervor. Demeter wird, da sie auf der Flucht vor Poseidon war, häufig als Stute oder Menschenfrau mit Stutenkopf dargstellt. In einigen Gegenden fand man solche Abbildungen.

In der bekannstesten Sage um Demeter, erzählt von einem griechischen Dichter namens Homer, der vermutlich im 8. Jh gelebt hat, wird der Mutter-Aspekt und das innige Verhältnis zu ihrer Tochter deutlich. Es zeigt, wie wichtig der Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern sein kann.Der Sage nach hielt sich Demeter gerade in Sizilien auf, während ihre Tochter Persephone (auch Kore genannt) in der Nähe der Stadt Enna am See Pergus von Hades, dem Gott der Unterwelt geraubt wurde. Er verschwand mit ihr nahe dem Ort Syrakus, wo es seit dieser Zeit eine Quelle gibt, die sich Kyane, die "die Dunkle" nennt. Hades hatte im Auftrag des Zeus gehandelt, Persephone sollte zu seiner Frau ausgewählt werden und Zeus half ihm dabei, in dem er Hades zeigte, wo die Göttin sich gerade befand. Demeter war über diesen Raub so empört, dass sie sich vom Olymp abwandte und durch verschiedene Orte in Griechenland zog, um ihre Tochter zu finden. Gleichzeitig schwor sie, die Erde unfruchtbar zu machen und zu fasten, bis ihre geliebte Tochter Persephone sich wieder bei ihr befinden würde. Somit erlitten die Menschen große Not und viele starben an Ernährungsmangel. Sie zog zum Ort Argos bei Peloponnes, an dem Demeter auf der Suche, bei einem Urmenschen namens Pelasgos und seiner Frau Chrysanthis einkehrte. Der wichtigste Ort auf der Suche der Demeter ist jedoch der Ort Eleusis, von dem auch die "Eleusischen Mysterien" abgeleitet sind. Demeter kehrte dort am Königshof des Keleos ein und weinte am Fels der Tränen um ihre Tochter. Aus großer Dankbarkeit für ihre Aufnahme unter den Menschen von Eleusis schenkte sie ihnen Getreide. Ein weiterer Aspekt der Sage behandelt die Tröstung Demeters und die Begegnung mit weiteren Urmenschen und der Göttin Baubo. Zwischen Athen und Eleusis wandert Demeter weiter auf dem Rharischen Gefilde und gelangt so zu Frau Baubo (= Bauch) und dem Herrn Dysaules sowie deren Söhne Tripolemos, Eumolpos und Eubuleus. Demeter wurde von Baubo freundlich empfangen und erhielt den berühmten Gerstensaft, den sie jedoch zunächst ablehnte. Baubo entblösste daraufhin ihren Unterleib und es ist bis heute wohl nicht ganz eindeutig, was Demeter erblickte. Der Anblick schien sie jedoch zu erheitern, so dass sie darüber ihre Trauer vergaß und ihre ursprüngliche Kraft wiederfand. Doch noch immer herrscht große Not, bis Zeus ihr Boten schickt und versucht, Demeters fruchtbaren Einfluss auf die Erde wiederherzustellen. Sie lehnt die Boten zunächst jedoch ab. Zeus muß letztendlich kapitulieren und macht Demeter das Angebot, Persephone zurückzuschicken, sie jedoch ein Drittel des Jahres in der Unterwelt des Hades zu lassen. Hätte Persephone nicht von dem verlockenden Granatapfelkern des Hades probiert, wäre sie frei von jeglicher Verpflichtung. Aber somit muß sie die dunkle Jahreszeit im Hades verbringen. Nach der freudigen Nachricht fallen sich Mutter und Tochter wieder in die Arme und wie es sich für ein Happy End gehört, macht Demeter die Erde wieder fruchtbar. Beide Göttinnen herrschen in Eleusis und werden dort verehrt.

Zur Zeit der Ernte, dem Lammas-Fest am 2. August und dem Erntedankfest um den 21. September erleben wir mit Demeter, wie wichtig uns Werte sind und wie wir damit umgehen. Nicht nur die tägliche Nahrung, die uns am Leben erhält, sondern auch unsere engen Kontakte zu Freunden und Familie spielen für die Qualität unseres Lebens eine Rolle. Demeter gibt uns Kraft, die Verbindungen zu unseren Lieben zu schützen, zu erneuern und zu bekräftigen. Insbesondere dann, wenn es um eine Mutter-Tochter-Verbindung schlecht steht, ist sie die richtige "Ansprechpartnerin". Als Fruchtbarkeits- und Erntegöttin soll Demeter unsere Fruchtbarkeit bewahren. Sie steht - global gesehen - in Zeiten der Hungers-Not als Hoffnungsträgerin und als Befreierin von Unterdrückung und Armut. Für ein Ritual sind einige Gegenstände aus der Natur hilfreich wie z.B. Kornähren. Wer an ihre Verehrung als Stute erinnern will, dem sind Abbildungen von Pferden auf dem Altar sicherlich willkommen. Als Getränk eignet sich - nach der Begegnung mit Baubo - ein Bier ganz gut ;-)

Quellen:
"Demeter - Gestern und heute" von Christine Icken (Books on Demand GmbH)
www.spiritvoices.de/knistern
www.wikipedia.de



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Zuletzt aktualisiert am 29.12.2006
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