Athene/Minerva - Kriegsgöttin mit Verstand

Kampf ist ihre Leidenschaft
Strategie ist ihre Waffe
Schutz gibt sie den Bedürftigen
Kreativität lässt sie Großes erschaffen

von Ilonka

Ihr Name erinnert direkt an die griechische Hauptstadt Athen, denn sie darf sich als Stadtpatronin sehen. Sie gewann diesen Titel in einem Wettstreit gegen den Meeresgott Poseidon, wie es die Sage erzählt. Dabei mussten die beiden den Bewohnern der damals namenlosen Stadt ein Geschenk machen. Während Poseidon der Stadt einen Brunnen schenkte, der nur Salzwasser hervorbrachte, entschied sich Athene für einen Olivenbaum. Der Baum hatte letztlich die größeren Vorzüge, da man Nahrung, Holz und Öl aus ihm gewinnen konnte und damit konnte Athene die Bewohner von sich überzeugen. Bei den Römern hieß sie übrigens Minerva.

Athenes Geburt allein ist schon außergewöhnlich, denn sie entstammt dem Haupt des Zeus, dem Göttervater. Auch hierzu gibt es zwei Mythen, die unterschiedliche Ursachen dieser Geburt erklären. Die eine erzählt von der eigenständigen Leistung des Zeus, der Athene ohne Hera gebar. Diese wurde daraufhin eifersüchtig und gebar Hephaistos. Die andere Version bezieht sich auf Zeus erste Frau, Okeanide Metis, von der Athene abstammen soll. Da ihn aber Himmel oder Erde vor seiner zukünftigen Tochter warnten, die an Klugheit und Stärke mit ihm auf einer Stufe stehen sollte, packt er seine schwangere Frau und tut sie in seinen Leib.

Die Geburt Athene zeigt uns unmittelbar zwei Attribute: Die männlichen Eigenschaften eines Kriegers mit einem ausgeprägten Verstand. Sie zeichnet außerdem Vernunft, Mässigung und Weisheit aus. Der oftmals verwendete Namenszusatz "Pallás" bedeutet soviel wie kräftige Jungfrau und weist damit nochmals auf ihre männlichen Attribute hin, die im Gegensatz zum weiblichen Namen Athene stehen. Pallás ist jedoch auch der Name einer Jugendgefährtin Athenes, mit der sie Kampfspiele betreibt. Leider wird eines Tages aus dem Spiel Ernst, denn in einem Kampf der beiden landet die Aigis (Sturmschild) des Zeus unabsichtlich bei Pallás und verwundet sie tödlich. In ihrer Trauer erschafft Athene eine Holzstatue und legt ihr die Aigis um die Schultern. Eine eiserne Jungfrau ist sie dennoch, denn jeder Versuch eines Mannes, sich ihr zu nähern, wird vehement abgewehrt. Eines Tages stellt ihr Hephaistos nach, den sie natürlich abweist. Sein Samen benetzt dabei Athenes Bein. Sie wischt ihn mit einem Tuch weg und wirft dieses auf die Erde. Gaia die Erdmutter, nimmt ihn auf und gebiert somit den Sohn Ericchthonios. Athene zieht ihn heimlich als ihren Sohn auf, wenn sie auch nicht die rechtmäßige Mutter ist.

Über ihre Kriegszüge existieren einige Mythen. Sie spielt eine Rolle im Kampf der Götter gegen die Titanen. Hera hetzte die Titanen auf Zeus um ihn zu stürzen, der wiederum durch Apollon und Artemis verteidigt wird. Athene trat mit einem Amazonenheer gegen Zeus an. Im Kampf gegen die Giganten (die Erdgeborenen), die auch "Gigantomachie" genannt wird, warf sie die Insel Sizilien auf einen der Giganten und begrub ihn darunter. Die Gigantomachie entstand ursprünglich aus einem Streit zwischen Zeus und der Erdmutter Gaia, in dem sich nach und nach immer mehr Götter und Giganten einmischten und gegeneinander kämpften.

Ihre Weisheit zeigt sich oftmals in kriegstaktischer Art. Sie gibt ihrem Vater in dem Kampf gegen die Giganten den Rat, Herakles miteinzubeziehen. Im Kampf unterstützt sie die Griechen, motiviert sie und verleiht ihnen außergewöhnliche Kräfte. Sie ruft sogar die Götter selbst zur Ordnung, wie es beispielsweise bei ihrem Bruder Ares tut. Der Kriegsgott wird von ihr entwaffnet und aus dem Kriegsgeschehen gezogen. Als er sich wehrt, kommt er gegen die Aigis der Athene nicht an und wird verletzt. Im Großen und Ganzen mischt sie sich jedoch oftmals als Beschützerin ins Kampfgeschehen ein. Um sich selbst und andere zu schützen, beherrscht sie die Kunst des Verwandelns. Coronis etwa, die von Neptun verfolgt wird, verwandelt sie in eine Krähe. Die missbrauchte Tochter Neptuns wird dagegen in Eule verwandelt. Die Eule wird später zu ihrer ständigen Begleiterin. Sie bringt den Aspekt der Weisheit mit sich und symbolisiert überlegtes Handeln.

Doch Athene gilt nicht nur als Kriegsgöttin, Beschützerin und Ratgeberin. Auch in handwerklichen Dingen hat sie sich einen Namen gemacht. Sie erfand den lenkbaren Pflug und lehrte die Bauern, wie man ihn verwendet. Weiterhin wird ihr der Schiffs- und Wagenbau zugeschrieben. Sie misst sich aber auch gerne in anderen Diszplinen wie dem Spinnen, Weben und Sticken. Nachdem sie in einem Wettstreit den kostbaren Bildteppich der Arachne zerstört hat, verwandelt sie Arachne in eine Spinne, als diese sich erhängen will. Zum Trost schenkt sie Arachne zudem ihren eigens gewebten Peplos (viereckiges Tuch, dass in der Eisenzeit als Gewand getragen wurde). Weitere Bereiche, die Athene zugeschrieben werden, sind die Künste und die Wissenschaft.

Ihre kriegerische Darstellung mit der Aigis, der Lanze, dem Helm und dem Schild heben sie deutlich aus dem Reich der griechischen Göttinnen ab. Allein das Tragen der Aigis, die sie längere Zeit von Zeus zur Verfügung gestellt bekam, symbolisiert Schutz. Die Aigis ist mit Schlangen und dem Haupt der Medusa geschmückt, die bekanntlich ihre Betrachter versteinert. Auch die Schlange symbolisiert Schutz und wehrt das Böse ab. Sie soll vor Betrug und Hinterlist schützen und gilt gleichzeitig als Symbol für die Ewigkeit.

Mit Athene arbeiten

Athene lebt uns quasi ein Doppelleben vor. Einerseits stellt sie sich mit ihren künstlerischen Begabungen und ihrer Rolle als Beschützerin weiblich dar, andererseits zeigen ihre kriegerischen, kriegstaktischen und handwerklichen Charakterzüge auch den Mann in ihr. Diese so gegensätzlichen Merkmale der Göttin finden wir auch ins uns selbst. In der heutigen Gesellschaft müssen Frauen oftmals beide Rollen einnehmen, sie balancieren zwischen der beschützenden und sorgenden Mutter oder Partnerin und der kämpfenden Karrierefrau. Auch die Berufsbilder von Frauen sind heute nicht immer typisch weiblich. Viele Frauen entscheiden sich für technische oder handwerkliche Berufe, in denen sie in vielen Betrieben als Frau noch eine Sonderrolle in der Männerwelt einnehmen.

Athene zeigt uns von Anfang an, dass sie ihre Unabhängigkeit und Freiheit liebt. Sie braucht keinen Mann an ihrer Seite und schämt sich nicht für ihre Jungfräulichkeit. Auch das ist für viele sicherlich heute eine unmögliche Vorstellung. In Zeiten, in denen man seinen Körper ständig mit gesellschaftlich-angesagten Vorbildern vergleicht, ist es wichtig, sich seinem Körper bewusst werden. Ich spreche hierbei nicht von lebenslanger Enthaltung, sondern von einem Körpergefühl, das uns zeigt, was uns gut tut und was nicht.

Der Schutzcharakter der Athene kann uns in Situationen helfen, in denen wir Schutz und Sicherheit brauchen. Wenn wir uns ihre Gestalt in einer Kampfsituation vorstellen, können wir ihren Schild visualisieren, wie er feindliche Pfeile und Schwerter abwehrt. Solche Situationen, in denen wir uns bedroht fühlen und uns zur Wehr setzen müssen, verlangen nicht nur Kraft, sondern auch Durchhaltevermögen und Strategien, die uns helfen, die Situation zu durchleben. Bevor wir also an den "Schlachtplan" gehen gilt es, eigene Ressourcen zu finden und diese einzusetzen. Wir sollten uns zunächst einmal fragen, ob und wieviel Schutz nötig ist oder ob es möglich ist, die Situation frühzeitig zu entschärfen. Schließlich gilt Athene nicht nur als Kriegsgöttin, sondern auch als Bewahrerin des Friedens, der sich natürlich vorwiegend auf ihre Stadt bezieht.

Auch in Fragen, die mit unseren Rollenbildern und der Stellung in der Familie und Gesellschaft zu tun haben, kann Athene angerufen werden. Wir können uns durch sie bewusst machen, welche weiblichen und männlichen Eigenschaften in uns wohnen und welche wir davon ausleben wollen. Die Rolle der Amazone vereint beide Seiten in uns und zeigt uns was möglich ist. Hineinschlüpfen kann man wunderbar in Rollenspielen, im Kampfsport, beim Bogenschießen, Fechten und im Schwertkampf. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kampftechniken kann Aggressionen vermindern, Selbstsicherheit geben und die Koordination des Körpers trainieren.

Athene gehört für mich immer zum Lammas-Fest, dem Fest der Schnitterin. Zu dieser Zeit befinden wir uns mitten im Hochsommer und sind meist voller Tatendrang, um unsere naheliegenden Ziele zu erreichen. Das Schnitterin-Fest ist allerdings auch ein guter Zeitpunkt, um Verbindungen zu kappen, die sich negativ auf uns auswirken, um Dinge zu beenden und Ideen weiterzuentwickeln. Gerade in dieser Zeit ist das Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen groß und kann genutzt werden, um seine Kraftreserven sinnvoll einzusetzen. Die Strategiefähigkeit und Stärke von Athene ist mir somit an Lammas besonders willkommen.

Quellen:
Lücke, H.-K., S. (2007). Die Götter der Griechen und Römer. Wiesbaden: Marix Verlag.
Kithara- Das geheime Wissen einer modernen Hexe. (1998). München: Ludwig Buchverlag.
Zur Athene, Agais u. a. Begriffen: www.wikipedia.de und www.messala.de



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Zuletzt aktualisiert am 06.07.2009
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