3.1 Ausstellungsbericht Wikinger

"Wikinger am Rhein"

Vom 1. Juli bis zum 17. Oktober fand im Rheinischen Landesmuseum Bonn die Ausstellung "Wikinger am Rhein" statt. Das Rheinische Landesmuseum, dass als völlig neu inszenierte Institution hinter dem Bonner Hauptbahnhof wiedereröffnet wurde, beinhaltet nicht nur die Geschichte des Rheinlandes, sondern stellt geschichtliche Themen von der Vorzeit bis zur Moderne aus. Das Haus ist nach Themengebieten geordnet und führt den Besucher systematisch vom Erdgeschoß bis zur höchsten Ebene durch die "Epochen", Themen wie "Von den Göttern zu Gott" und "Mach und Mächte". Auf Teilen dieser Etage fand nun die Ausstellung statt.

Die Wikinger werden für den Besucher in ein anderes Licht gerückt, als es allgemein bekannt ist. Der "Räuber" aus dem Norden, der als metsaufender Barabar bekannt ist, findet einen Weg an den Rhein, an dem er Handel betreibt, aber auch Raubüberfälle plant. Heute erkennt man die technische Überlegenheit im Schiffsbau.
Unter den Wikingern versteht man heutzutage alle Skandinavier des Zeitraumes zwischen dem 9. und dem 10. Jahrhundert. In der Ausstellung wird die Beziehung zwischen den Wikingern und dem Reich der Karolinger deutlich gemacht. Der erste datierte Überfall der Wikinger fand im Jahre 793 auf das Kloster Lindisfarne in Nordostengland statt, der letzte war die Schlacht von Stamford Bridge.

Zu Anfang der Ausstellung bekommt man den großen Stein aus Jelling (Dänemark) zu sehen. Dieser zeigt verschiedene, farbige Abbildungen aus der Wikingerzeit. Weitere Informationstafeln leiten die Geschichte der Wikinger ein. Danach folgen die ersten Funde wie z.B. karolingische Fibeln und eine Adlerfibel aus dem 10./11. Jahrhundert. Diese gehört zu einem Mainzer Schatz namens "Der Schmuck der Kaiserin". Weitere Beispiele aus der Wikingerzeit kommen aus Köln: Karolingische Denare sowie ein Modell der Kölner Stadtmauer und Kastell, dass die Überfälle der Wikinger nicht abhalten konnte.

Als besonders interessant galt zu dieser Zeit das Kloster Prüm in der Eifel, das als reichstes Kloster nördlich der Alpen zu verzeichnen war und das Besitztümer in der Süd- und Osteifel bis nach Koblenz vorweisen konnte. Das Kloster wurde zweimal überfallen, nämlich 882 und 892. Die Wikinger waren besonders auf den Meßwein, aber auch auf Lebensmittel, liturgische Geräte und die feinen Stoffe der Meßgewänder aus. Im Laufe der Ausstellung geht es auch zu den Berichten der Opfer. Die Chronisten aus der Karolingerzeit waren überwiegend Mönche und hatten von dem Wikingern somit kein sehr positives Bild. Das ausgestellte "Chronicon des Regius von Prüm" ist auch ein Augenzeugenbericht der Wikingerüberfälle auf das Kloster Prüm, deren Brand sowie die Städte Köln und Bonn.

Es folgen zwei weitere Reliquien, ein Bursenreliquiar und ein Reliquienkasten aus dem Frauenkloster Andenne. Auf Karten wird dargestellt, welche wichtigen Handelsorte es gab und von wo aus die Wikinger ihre Überfälle planten. Sie legten dort auch ihre Lager an. Wichtige Städte waren z. B. : Nimwegen, Maastricht, Jülich, Aachen, Köln, Dormagen, Bonn und Andernach. Diese Orte stammten auch aus dem römischen Straßennetz. Sie nutzen die Flüsse Rhein, Mosel, Maas und Scheelde.

Als wichtige Handelsstadt galt auch das am Niederrhein gelegene Dorestad. Es war ein Umschlagplatz für Waren zwischen Skandinavien, Friesland und dem fränkischen Reich. Dort kamen die Skandinavier auch erstmals mit Luxusgütern und dem Einfluss des Christentums in Berührung.
Im Zeitraum von 834-883 wurde Dorestad mehrmals von Wikingern überfallen. Da Karl der Große der Stadt Dorestad das Münzrecht verliehen hatte, kam die Münzprägung im Zeitraum der Überfälle kurzfrstig zum Stillstand. Es gibt zahlreiche Funde aus diesem Ort. Dazu zählen Schmuck wie Fibeln und Haarschmuck; Glasperlen, Amulette, Nähzubehör und Schlittschuhe aus Tierknochen; karolingische Keramik wie z. B. Reliefbandamphoren und Schüsseln; Äxte, Bootshaken und Teile eines Pferdegeschirrs aus Eisen; ein Toilettenset aus Silber (Ring, Haarnadel und Ohrlöffel, der zu medizinischen Körperpflege diente), denn die Wikinger waren sehr auf das Äussere bedacht, u.v.a.

Beeindruckend war der Schiffsbau der Wikinger, die ihre Schiffe zu verschiedenen Zwecken und in unterschiedlichen Größen bauten. Das größte der Flaggschiffe ist das "Drakar", das auch Drachenschiff genannt wird. Ein Modell dieses Schiffes, das rund 300 Mann fasste, konnte man dort bewundern. Es folgten zwei weitere Modelle: Das Modell "Prahm" vom Niederrhein, das als Lastkahn zum Transport schwerer Güter wie Steinen und anderen Baumateralien diente. Gegenüber konnte man noch das Handelsschiff aus Utrecht bewundern, das im 9.-10. JH als Frachtschiff für Flüsse der Rheinmündung diente.

Im oberen Teil der Ausstellungsräume ging es mit den zwei Aspekten zwischen dem Rheinland und Skandinavien weiter, nämlich dem Handel und dem Raub.
Dazu stellte man hier eine Reihe von Flussfunden aus: Schwerter, Lanzen und Sporen. Bei Dusiburg wurden Flügellanzenspitzen, ein Schädel mit Schlagwunde und eine Wurfaxt "Franziska" gefunden. Diese Gegenstände weisen auf einen Wikingerüberfall von 883 hin. Im niederländischen Zuithen fand man in den Resten von Grubenhäusern Menschenknochen einer 30-40-jährigen Frau und eines 13-jährigen Mädchens, die in Glaskästen ausgestellt waren. Eine Kette mit Haken, die einst in einem solchen Grubenhaus gehangen haben soll, gab es auch zu sehen. In einem Teil des Raumes gab es einen kleinen Einblick in einen Markt mit Fellen, Lebensmitteln und Tieren.

Für die Wikinger war das Rheinland aber auch durch den Rheinwein attraktiv, denn die Weinbaugrenze befand sich in der Gegend von Xanten, also dem Mittel- und Niederrhein. Der Wein war allerdings säuerlicher und hatte einen geringeren Alkoholgehalt mangels Zucker. Die Skandinavier machten den Wein mit Honig und Gewürzen. Aus Mayen stammen die Mühlensteine, die auch als Balast für die Handelsschiffe dienten. Die Rheinische Keramik wie z. B. Töpfe und Reliefbandamphoren wurden für den Transport und zum Verkauf als Gebrauchtwaren benötigt. Auch fränkische Gläser waren bei den Wikingern beliebt. Sie wurden mit Frachtkähnen nach Nordeuropa verkauft. Ihre Herstellung fand am Oberrhein und im Schwarzwald statt. Weitere Ausstellungsstücke waren Gussformen aus Eisen in Form eines Kreuzes und dem Thorshammer.

Nach den schon erwähnten "Berichten der Opfer" und der Spielecke für Kinder ging es zum "Schatz von Dingtuna", der u.a. aus Schmuckfragmenten, arabischen Münzen und einer Schalenwaage bestand. Zwei weitere Schatzfunde: "Westerklief 1" von der Insel Wieringen, der aus Silber besteht und ein Gewicht von 1,6 kg hat, sowie "Roermond", der aus vielen Münzen und Gürtelschließen aus dem 9. JH besteht. Zum Schluß des Rundganges erinnern eiserne Sklavenfesseln an die Sklaverei in der Zeit der Wikinger. Man nimmt an, dass sie die Küsten von Irland bis Russland nach Sklaven unsicher gemacht haben.

Alles in allem war es also eine umfangreiche Ausstellung, die auf geringer Fläche gezeigt hat, wie mächtig und interessant das Volk der Wikinger war. Ich hoffe natürlich, dass es allen anderen Besuchern auch gefallen hat und bedauere, dass es leider immer noch nicht möglich ist, einige Exponate zu fotografieren. Aber vielleicht beim nächsten Mal.



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Zuletzt aktualisiert am 17.10.2004
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