1.2 Germanische Religion

Die Edda und die germanische Götterwelt

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Wer sich für unserer Vorfahren interessiert, dem wird nicht entgangen sein, dass es bereits in vorchristlicher Zeit eine ausgeprägte germanische Religion gab. Die Grundlage dieser Religion findet man heute in der in Gedichtform geschriebenen "Edda" wieder. Die Edda wurde zwar erst im Mittelalter verfasst, ist jedoch vom Inhalt der Göttersagen wesentlich älter und hat damit schon eine Bedeutung für Vor- und Frühgeschichte.
Zur Zeit (Vor- und Frühzeit) der Germanen kannte man in Europa noch keine Buchstaben und es gab auch noch kein Papier. Die einzige Schrift, die man kannte, waren die Runen, eine Geheimschrift aus Symbolen, die man heute mit dem Gott Odin in Verbindung bringt. Die Runen hatten jedoch eher eine religiöse Bedeutung und nicht jeder wurde die Runenschrift gelehrt. Die germanische Dichtung wurde hauptsächlich mündlich überliefert.

Im Jahre 1220 verfasste der Isländer Snorri Sturluson die sogenannte "Snorra-Edda". Dies war die erste Aufzeichnung nordischer Mythologie, die in vier Haupt-Handschriften überliefert ist. Dabei werden einzelne Strophen der Edda-Lieder zitiert. Diese Lieder wurden 1643 in einer Handschrift wieder aufgefunden. Im 13. JH wurde diese Sammlung als "Lieder-Edda" zusammengefasst. Man fand außerdem heraus, dass einzelne Strophen aus dem 8./9. JH stammten. Dazu kommen norwegische und dänische Erzählungen. Zur Zeit der Aufzeichnung hatte das Christentum bereits seit über 200 Jahren in Island Einzug gehalten. Das prägte natürlich auch die Chronisten. Snorri entzog sich diesem Einfluss natürlich nicht. Odin bekommt bei ihm die Rolle des Allvaters. Auch am Beispiel des Totenreiches Hel, in das die Normalsterblichen, nicht im Krieg gefallenen Menschen nach ihrem Tod kommen, wird von Snorri ein wenig wie die christliche Hölle ausgelegt. Doch finden wir hier im Gegensatz zur Bibel kein strafendes Fegefeuer. Die Gut- und Böse-Definitionen, die in der Bibel deutlich zu erkennen sind, haben mit der Edda nichts gemeinsam. Die Edda zeigt uns von allen Lebewesen verschiedene Gesichter.

Über die Germanen gibt es ansonsten leider nur Aufzeichnungen von römischen Berichterstattern wie z. B. Tacitus und Caesar, die oft mit den germanischen Völkern in Berührung kamen und diese beobachteten. Die Römer waren uns, was den Gebrauch von Lesen und Schreiben anging, weit voraus. Übrig geblieben sind also nur Schriften wie die Edda, die von Anfang bis Ende die Götterwelt beschreibt, sowie viele deutsche Heldensagen und Märchen.
Der germanische Götterglaube war nicht nur hier im eigentlichen Germanien vertreten, Vorreiter waren Völker wie Island, Norwegen, Schweden und Dänemark. Island konnte seine Religion noch um halbes Jahrhundert länger als andernorts bewahren. Hier existiert, wenn auch übertrumpft von der Kirche, immer noch der Glaube an Naturgeister.

Die meisten Länder wurden schon früh christianisiert. In Germanien spielten dabei Herrscher wie König Chlodwig oder Karl der Große eine Rolle.
Chlodwig ließ sich bereits im Jahre 496 nach Christi bekehren. Der lange Zeit vom Wotansglauben überzeugte König wollte mit Gottes Hilfe eine Schlacht gewinnen und ließ sich nach seinem Sieg feierlich taufen. Das veränderte die religiöse Lage in Europa zusehends. Als Karl der Große sein Frankenreich mehr und mehr vergrößerte, machte er sich die Kirche zum Freund und arbeitete somit auf einen Gottesstaat hin. Das alles sind aber nur Beispiele über die Christianisierung in Königshäusern. Im westlichen Europa wurden zusehends Kirchen gebaut und die Eroberung des heidnischen Volkes fiel weniger schwer, als in Ost- und Nordeuropa. Lange Zeit bevölkerten die heidnischen Sachsen den Norden Germaniens. In Großbritannien herrschten die Kelten, deren Religion nur schwer zu unterdrücken war. Lange jedoch hielt ihr Widerstand nicht. 627 n. Chr. ließ sich der anglische König Edwin vom Bischof von York (Paulinus von Canterbury) bekehren.

Die Auslegung der Göttersage/n ist landesspezifisch unterschiedlich. In Skandinavien kennt man z. B. Gottheiten aus Mitteleuropa nicht und umgekehrt. Je nach Kultur und Überlieferung werden auch die Feste im Jahreskreis unterschiedlich ausgelegt. Der Sinn der Feiertage ist jedoch fast überall der Gleiche. Es gibt somit keine einheitliche Vorstellung der Götterwelt und deren Existenz. Im Christentum hingegen haben die Gläubigen die Bibel und ihre Gesetze und Geschichten, auf die sie bauen und auf die sie zurückgreifen können. Der germanische Glaube wurde zudem noch von heidnischen Religionen des Mittelmeerraums, sowie den Slawen und Balten geprägt.
Ein Vergleich: Die germanische Göttin Freya entspricht ungefähr der römischen Diana und der griechischen Helena.
Viele Einflüsse aus Asien stammten außerdem von den Expeditionen der germanischen Völker.

Heute jedoch, nach langer Zeit des Ruhens und Schweigens findet man oftmals Menschen, die sich wieder auf den alten Glauben zurückbesinnen.
In Dänemark wurde kürzlich der Götterglaube an die Asen wieder als offizielle Religion anerkannt. Die in der Edda beschriebenen 12 Asen-Götter werden zu den Oberhäuptern der neu erkorenen Glaubensgemeinschaft. In Dänemark herrscht Religionsfreiheit und man hält schon lange an alten Riten und Gebräuchen der Vorfahren fest. Jetzt dürfen sie, die sich "Forn Sidr" nennen, stolz ihre Opfergaben zu Göttern wie Odin und Frigg bringen. Die tolerante Haltung der Gesellschaft gegenüber den heidnischen Glaubensrichtungen födert die Normalisierung der germanischen Religion in Dänemark. Nun sind auch die Priester zur Trauung berechtigt und demnächst wird es eventuell auch heidnisch geweihte Friedhöfe geben. 240 Mitglieder zählt die Glaubensgemeinschaft. (Stand: November 2003)

Quellen: www.sungaya.de; Kölner-Stadt-Anzeiger vom 15./16. Nov. 2003; Zeittafel s.o.,
Germanische Götter- und Heldensagen, neu erzählt von Reiner Tetzner



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Zuletzt aktualisiert am 08.01.2004
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