1.3 Megalithenkultur

Megalithen - Denkmäler einer untergegangen Kultur

Viel ist uns nicht geblieben von der Kultur unserer Vorfahren. Die Mehrzahl der Heiligtümer unserer Vorzeit, der Kelten und Germanen wurde durch die Christianisierung und Machtübernahme der Römer zerstört. Aber es gibt Einiges, das man heute noch bestaunen kann. Vorwiegend in Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, Griechenland, Dänemark, Deutschland, Polen, sowie in Italien herrschte die Megalithkultur.
Die Ältesten dieser Steinbauten schätzt man auf ca. 4500 v. Chr., die sich beispielsweise in der Bretagne befinden.

Die Megalithen werden in drei verschiedene Kategorien eingeteilt:

Die Megalithengräber haben wiederum drei Grundformen

Der Menhir bei Dol de Bretagne

Meinen ersten Menhir, den ich kennenlernte, war in der Bretagne (Frankreich). Ein neun Meter hoher Hinkelstein stand hochaufgerichtet am Rande eines großen Weizenfeldes - mitten in der Landschaft. Dieser Menhir befindet sich ein paar Kilometer von der Stadt Dol de Bretagne entfernt, die wiederum in der Nähe der Sehenswürdigkeit Mont Saint Michel liegt. Als wir an dem Feld ankamen, war es bereits Abend und die goldenen Strahlen der untergehenden Sonne tauchten den Stein in ein warmes Licht. So fällt es einem nicht schwer zu begreifen, welche Macht hinter solchen Monumenten stehen muß.

Beispiele für die Verbreitung der Megalithkultur

Malta

Auf Malta stehen die ältesten Megalithen inform von Tempeln, die bereits im 5. JH vor Chr. existierten. Im 3. Jahrtausend nach Chr. waren dreißig von ihnen vollendet. Es handelt sich vor allem um komplexe Anlagen, die oft auch unterirdische Höhlen besaßen. Ähnlich wie bei römischen Anlage-Funden sind auch diese Reste der alten Gebäude zu bestimmten Zwecken zugeteilt. Tempelanlagen waren aus Kalksteinblöcken zusammengesetzt und waren mit Altären und mehreren kleinen Zusatzräumen ausgestattet. Oftmals befinden sich die Anlagen direkt an der steinigen Küste Maltas. Der Doppelkomplex Ggantija (siehe Karte) steht auf der Insel Gozo, die zu Malta gehörte. Dort befinden sich drei Kammern, die in Kleeblatt-Form angeordnet sind. Sie haben ung. 30 m Durchmesser. Auch hier gab es Feuerstellen, Altäre und Steintische. Weitere Fundstücke aus der Zeit der Megalithen sind z.B. weibliche Statuetten, Altäre und die verbrannten Überreste von Opfertieren. Eine 11,4 cm große Terrakottafigur namens die "schlafende Dame" fand man in einer der Grabanlagen auf Malta. Man nimmt an, dass sie eine Fruchtbarkeitsgöttin darstellt.
Wie eine rituelle Zeremonie auf der Insel Tarxien ausgesehen haben könnte, das enspricht ungefähr folgender Vorstellung: In einem Hof des Tempelkomplexes opfert ein Priester die Knochen einer Ziege auf dem Altar. Hinter ihm bringen zwei Priesterinnen Schalen mit Speisen und Getränken. Sie werden von einer 2.50 m großen Fruchtbarkeitsgöttin übertrumpft. Diese Vorstellung beruht jedoch auf der Zusammensetzung von Fundstücken wie Feuersteinmesser, verkohlten Ziegenknochen und Bruchstücke einer Fruchtbarkeitsgöttin. Da der Priester diese Knochen und das Messer in einer Nische hinter dem Altar verstaut hat, konnte man diese Reste 2500 Jahre später finden. Der Glaube an die Göttin weist Parallelen mit dem heidnisch-vorchristlichen Glauben der Engländer auf.

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Tempelanlage von Mnajdra

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Tempelanlage von Mnajdra

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Orakelaltar

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Normannische Kapelle

Bretagne

Interessante und beeindruckende Steinalleen bietet uns der nördlich gelegene Teil Frankreichs, die Bretagne. Die Monumente sind mehr als 4500 Jahre alt und beherrschen die Gegend von Carnac. Die Steine ziehen sich meilenweit in parallel laufenden Reihen. Man kann in ihnen heute ein Gradnetz erkennen, das den frühen Astronomen zur Beobachtung der Himmelsgestirne diente. Der schottische Professor für Ingenieurwissenschaft, Alexander Thom, hat diese Sache genauer untersucht und kam zu dem Schluß, dass die Alleen den Himmelsbeobachtern astronomische Kenntnisse einbrachten, die später im 16. JH nach Chr. wieder neu erworben wurden. Über dieses Wissen gibt es eben keine schriftlichen Zeugnisse, somit ist es auch schwer nachzuweisen, welchen Wissensumfang man zu diesem vorgeschichtlichen Zeitpunkt bereits hatte.
Um sich eine Vorstellung zu machen, wie die Arbeit der Vorzeit-Astronomen ausgesehen haben könnte, müssen die Archäologen die Steinalleen berechnen/vermessen. Dabei nimmt man an, dass die Baumeister mit Schnüren aus Ochsenhaut die Länge festlegten, die die Steine voneinander trennen sollten. Dabei spielte der Mondaufgang und die Bewegungsphasen des Mondes eine große Rolle. Mit ihren Berechnungen fanden sie heraus, dass der Mond einen 18,6-Jahres-Zyklus durchläuft. Damit konnten sie wiederum die Häufigkeit von Finsternissen voraussagen.

Die Entdeckung

Im Jahre 1648 entdeckte John Aubrey aus Wiltshire die Menhire von Avebury. Damit begann eine Suche nach dem Sinn und der Verbreitung solcher Denkmäler. Die Wissenschaft begann damit, sie auszugraben und freizulegen. Doch damals wußte man noch nicht, was sie eigentlich bedeuteten. Man ging davon aus, dass die Megalithe sehr große Gemeinsamkeiten mit den Denkmälern der östlichen Welt wie z.B. in Asien, in Griechenland und in Ägypten hatten. Deshalb nahm man an, dass der Ackerbau, das Schriftwesen und andere Dinge Teil einer Kultur waren, die ursprünglich aus dem fernen Osten kamen. Auch die römische und griechische Kultur stammt von älteren Zivilisationen aus Vorderasien und Ägypten ab. Man erfand also ein Modell der Kulturausbreitung, dass es ihnen leicht machte zu glauben, dass die Steinbauten sich auf dem Weg in den Westen und Norden verbreitet und dadurch verändert hätten. Da aber die meisten Grabanlagen aus der Bronzezeit und manche sogar älter sind, passte diese Theorie nicht ganz zur Wircklichkeit.
Es wurde offensichtlich, dass die Steinbauten Westeuropas wenig Ähnlichkeit mit den Monumenten Ägyptens oder anderen Ländern hatten. Auch die Wertvorstellungen der Bauten sind unterschiedlich. Als der amerikanische Chemiker Willard Libby in den vierziger Jahren die Messung von organischen Stoffen anhand des C14-Kohlenstoff-Verfahrens erforschte, kam man den Megalithen langsam auf die Spur.

Das C14-Atom entsteht durch die Verbindung mit dem Stickstoffatom und so wird aus dem Neutron ein Proton. Das C14-Atom trifft in der Atmosphäre auf ein Sauerstoff-Molekül und geht damit ebenfalls eine Verbindung ein. Daraus entsteht Kohlendioxid, dass von der Erde oder vom Wasser aufgenommen wird. Tiere, die z.B. diese Pflanzen fressen, lagern dieses C14 in ihrem Körper ab und dort bleibt es, solange das Tier lebt. Stirbt das Tier, dann verliert es zwar auch die C14-Atome, aber es kommen auch keine neuen Atome mehr hinzu.Dadurch ist die C14-Konzentration in organischen Stoffen sehr lange Zeit meßbar. In Holzkohle, Knochen oder Torfsoden aus vorgeschichtlichen Siedlungen oder Grabanlagen konnte man so durch die radioaktive Strahlung eine wenn auch nicht ganz präzise Messung des Alters durchführen.

Das Alter der Megalithen konnte somit weitaus genauer gemessen werden. Das ergab erstaunliche Ergebnisse, denn das wirckliche Alter der Bauten wurde weitaus unterschätzt. Die ältesten bretonischen Ganggräber, die man in Frankreich fand, datiert man auf 4500 vor Chr., also in der mittleren Steinzeit. In der mittleren Steinzeit bis zur Kupfer- und Bronzezeit wurden die Steinkreise, Gräber und Siedlungsplätze in England datiert. In der Zeit von 1500 - 1000 vor Chr. wurden die Ganggräber auf den Scilly-Inseln, die Steinkreise in Irland und die Menhire auf Korsika geschätzt.Damit rückte man also immer weiter von der Kulturverbreitungs-Theorie ab und schrieb den Megalithen eine eigene Kultur zu.

Offen bleibt jedoch die Frage, was für Menschen es dazu bewogen hat, solche Gemeinschaftsleistungen zu vollbringen. Da es keine schriftlichen Zeugnisse aus dieser Zeit gibt, kann man den eigentlichen Sinn nicht genau nachweisen. Alles Wissen wurde mündlich weitergegeben. Religiöse Vorstellungen mögen wohl der Hauptantrieb für die Arbeit an den Megalithen-Denkmälern gewesen sein. Auch die Erweiterung des menschlichen Wissens stand im Vordergrund.

Berühmtetes Megalithenbeispiel: Stonehenge in England

Wer hat nicht schon einmal von dem berühmtesten Steinkreis von Europa gehört? Stonehenge in England ist heute ein Postkartenmotiv wie viele andere. Und dennoch weiß niemand so genau, was es eigentlich darstellt und niemand kennt seine genaue Bedeutung. Es ist und bleibt ein Mythos.
Der Bau des Monuments dauerte ungefähr 1200 Jahre und wurde von verschiedenen Baumeistern mit verschiedenen Materialien fertiggestellt. Dieser Bau kostete mehrere Völker Englands Jahre und Jahrzehnte an Kraft. Das gemeinsame Ziel wurde jedoch erreicht: Die bessere Bestimmung von Himmelsgestirnen und Erscheinungen. Die Entstehung ordnet man in vier verschiedene Bau-Phasen.

(zu gegebener Zeit werden hier ein paar Skizzen ergänzt, die die Bauphasen deutlicher machen.)

Stonehenge 1 wird zunächst mit einer kreisförmigen Begrenzungslinie gegründet. Zwei Kreidewälle beiderseits des runden Grabens sowie im inneren Wall die sogenannten Aubrey-Löcher kennzeichenen den Aufbau. Markierungspfähle für astronomische Visierungen und Steinpfeiler für den Eingangsbereich wurden aufgebaut. Der Fersenstein weiter außerhalb stand neben einem hölzernen Tor.
Stonehenge 2 lässt weitere Veränderungen zu Tage kommen. Beide Monolithe am Eingang des Kreises wurden entfernt. Dafür kann man jetzt doppelte Kreidewälle an der Prozessionstraße erkennen. Zwei neue Steine stehen zwischen Eingangsbereich und Fersenstein. Diese bilden eine Achse mit einem dritten Monolithen, der sich im Kreismittelpunkt befindet. Dort sieht man auch zwei Reihen Blausteine, die im Halbmond-Kreis aufgestellt sind. Von den überwachsenen Aubrey-Löchern ist nun nichts mehr zu sehen.
Stonehenge 3 hat bereits die bekannten Sandsteinpfeiler mit ihren Decksteinen, die als Ring angeordnet sind. Im inneren Teil des Ringes hat man Trilithe in Hufeisenform angeordnet. In dieser Phase sind die Blausteine aus der 2. Phase verschwunden, die aber später wieder erneuert werden. Die steineren Markierungspfeiler haben die Holzpfosten ersetzt. Zwei neue Steinblöcke stehen am Eingang.
Stonehenge 4, die letzte Bauphase, ergänzt die vorhandenen Steinkreise durch einen zweiten Kreis von Blausteinen. Dieser befindet sich zwischen dem äußeren Sandsteinkreis und dem Hufeisen der Trilithen. Zwei in Kreisen angeordnete Löcher umgeben die Steine.

Am 21. Juni, der Tag der Sommersonnenwende geht die Sonne in Stonehenge fast genau über dem Fersenstein, der am Eingangsbereich steht, auf und bietet natürlich somit genug Raum für religiöse Vorstellungen. In einer Drehung von 90 Grad sieht man somit dem Punkt der aufgehenden Sonne zur Wintersonnenwende entegegen. Nur an diesem Platz kann diese Berechnung aufgehen. Diese Tatsache beweist, dass jahrzehntelange Himmelsforschung die Menschen der Vorzeit beschäftigt hat. Die Priester ihrer Zeit hatten sich an den Mondphasen und den Ablauf der Jahreszeiten orientiert, auch Mond- und Sonnenfinsternisse wurden in den Himmelskalender miteinbezogen. Nach dieser Ordnung der Priester richtete sich das Volk und bestimmte so den günstigsten Zeitpunkt für Aussaat, Zucht und bevorstehende Reisen. Dass die Sonnenwendfeier eine wichtige Bedeutung für das damalige Volk hatte, ist somit naheliegend. Man nimmt an, dass damals das Bauernvolk dominierte und die Landwirtschaft eine große Rolle gespielt hat, was auch den verbreiteten Fruchtbarkeitskult erklären würde. Die Riten, die in den Steinbauten zu bestimmten Festtagen abgehalten wurden, dienten also hauptsächlich der Ernte und dem Wohlergehen des Volkes.
Jedoch wurden nur bestimmte Menschen für die Zeremonien ausgewählt, die den Zugang zu den Göttern besaßen, Druiden und Hohepriesterinnen. Anhand des Aufwandes von Stonehenge, die Herbeischaffung und Aufrichtung der Sandsteine, kann man auf eine große Bevölkerung schließen, die aber nicht ausschließlich in den Steinkreis von 30 Meter Durchmesser gepasst hätte. Es werden also nur die Ranghöchsten ihren Platz im Heiligtum gehabt haben.

Die Mittsommernacht war das bedeutenste Fest weit und breit in Europa. Viele Völker wandern in Scharen zu dem großen Denkmal nach England. Damals, in der Mitte des zweiten JH vor Chr. begrüßen alle in Stonehenge gemeinsam die längste Nacht des Jahres. Nicht nur Arbeiter und Familien der Insel erscheinen dort festlich gekleidet, auch Händler aus den Mittelmeergebieten reisen zu dem bedeutenden Anlass, um dort ihre Waren zu tauschen. Und auch, wenn es zur damaligen Zeit bereits größere und andere Baudenkmäler gab, wie Tempel und Steinallen, so zieht Stonehenge alle Angereisten in ihren Bann. Die Nacht bildet einen Wendepunkt, denn das Himmelsgeschehen verändert sich und die Sonne wird ab jetzt jeden Tag ein Stück weniger scheinen, bis zu ihrer Wiedergeburt an der Wintersonnenwende. Das Kultritual bringt die Menschen zusammen und und vereint ihren Glauben, wenn auch nur für diese eine Nacht. Man ist stolz auf die Leistungen der früheren Generationen, die ihr Ziel mit großer Kraft verwircklicht haben. Die Menschen zur damaligen Zeit halten an ihren Riten fest. Und die Freudenfeuer werden in dieser Nacht bis zum Morgen brennen. Es wird traditionell über das Feuer gesprungen, getanzt und gesungen. Trommeln werden geschlagen, die die Verbindung zur Mutter Natur zu einer berauschenden Stimmung erleichtern. Die Fruchtbarkeit der Erde soll mit all diesen Riten verstärkt werden, die Menschen sollen sich in dieser Nacht gezielt aneinander erfreuen.
Beim Anbruch des neuen Morgens verlöschen die Feuer und die Menge versammelt sich um die heiligen Steinkreise.
So oder so ähnlich jedenfalls könnte eine Sonnenwendfeier in Stonehenge ausgesehen haben.



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Zuletzt aktualisiert am 27.01.2004
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