2.2 Karl der Große

Karl der Große

Karl der Große wurde vermutlich im Jahre 742 bei Herestal in Belgien geboren. Sein Vater war der König Pippin und seine Mutter hieß Bertrada.

Karls Bruder, der zweite Sohn, hieß Karlsmann. Weil Beziehungen der Familie zu dem germanischen Volk der Langobarden bestanden, wurde Karl mit der Prinzessin Desiderata vermählt. Karls Schwester Gisela wurde mit dem langobardischen Thronfolger vermählt. Karl war aber nicht glücklich mit seiner Frau, die andere politische und kulturelle Einflüsse mit in die Ehe brachte. Deshalb trennte er sich von ihr und wandte sich der Politik seines Vaters zu.

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Eine Büste Karls des Großen
aus dem Jahr 1349

Karl wurde ca. im Jahre 771 König, nachdem der Vater und kurz darauf der Bruder starben. Er war groß und blond, trug die bekannte Frankentracht und hielt an seiner Familie fest. Einige Impressionen zu seinem Aussehen und Leben kann man in der nachfolgenden Bilderreihe sehen. Fünf Frauen sind aus seinem Leben bekannt. Zuerst lernte er Himiltrud kennen, die aber aufgrund von Karls Ehegattin Desiderata chancenlos blieb. Danach verliebte er sich in Hildegard, die früh starb und die Karl am liebsten mochte. Sie bekam nach ihrem Tod mehrere Zuwendungen in Form von Messen und christlicher Betreuung. Doch er kam auch darüber hinweg und lernte einige Monate später die ostfränkische Fastrada kennen. Auch ihr blieb er nicht lange treu (wie könnte es anders sein!!!) und lernte die Nächste kennen. Sie hieß Luitgard und war eine schimmernde Persönlichkeit, der Karl anscheinend nicht widerstehen konnte. Sie starb vier Jahre später.

Es folgten weitere drei Frauen, von denen nicht allzu viel bekannt ist. Fest steht jedoch, dass er insgesamt 17 Kinder in die Welt gesetzt hat.

Karl der Große war nicht ohne Wissensdrang und Bildung. Nachts schrieb er manchmal Buchstaben auf eine Tafel, obwohl das Schreiben unter Monarchen weniger beliebt war.

Er las auf althochdeutsch und lateinisch und hatte einige Gelehrte an seinem Hof. Nicht ganz geklärt ist, ob Karl nun Franzose oder Deutscher war. Sein Reich jedenfalls erstreckte sich über Frankreich, Italien und Deutschland. Karl legte Wert auf die christliche Lehre und dachte über den Ausbau eines Gottesstaates nach. Er hatte auch germanische Wurzeln und interessierte sich für hochdeutsche Heldenlieder. Letztlich blieb für ihn das Romanische und Christliche aber bestehen.

Aachen

Nicht ohne Hintergedanken wählte Karl der Große für seine christliche Hochburg die Stadt Aachen. Sie sollte ihm als Machtzentrum dienen, in dem die Kirche ihm mit großer Würde entgegenkam. In und um Aachen, das ja heute eine bedeutende Stadt im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Holland ist, lebten keltische, romanische und germanische Stämme. Aachen hat Karl großartige Bauten zu verdanken. Vieles davon wurde leider im zweiten Weltkrieg zerstört. Als Erstes zu nennen wäre das Aachener Dom, für den Säulen und Marmor aus Rom und Ravenna verwendet wurde. Im Münsterumgang kann man den berühmten Marmorthron sehen, von dem der Kaiser die heiligen Messen bestens verfolgen konnte (Fotos). Karl scheute sich in keinster Weise, für sein christliches Imperium das Beste und Schönste zu finden. Besichtigen kann man heute noch zwei Türme, die „Turris Regia” sowie den „Granusturm”.

Verdener Sachsenmord

Die dunkelste Seite seiner Lebenszeit zeigte sich in dem berühmten „Verdener Sachsenmord”. Zu seiner Zeit hatte er nicht allzu wenig Feinde im In- und Ausland. Dabei wurde er während seinem Feldzug in Spanien gleichzeitig von einem zweiten Feind und Widersacher heimgesucht. Während Karl und seine Streitmacht südlich der Pyrenäen kämpften, nutzen die Sachsen seine Abwesenheit für einen Feldzug gegen sein Reich. Sie zogen gen Köln.

Die Sachsen waren ein sehr bodenstämmiges und heidnisches Volk, dass an der germanischen Religion und ihrer Kultur festhielt. Sie lebten in der Gegend des heutigen Niedersachsen, haben also keinerlei Wurzeln im heutigen Freistaat Sachsen. Ihr Reich erstreckte sich zwischen Paderborn und Hamburg und sie eroberten gemeinsam mit den Angeln 449 Britannien. Die Sachsen hatten gut dreihundert Jahre mit der römisch-gallischen Kultur gelebt und widersetzten sich der fortschreitenden Christianisierung, die Karl der Große durch den sächsischen Adel verbreitete. Karl hatte diesen Adligen den Königsschutz versprochen und bot ihnen einige Landbesitze, die bei der Unterschicht des sächsischen Volkes noch mehr zu Hass und Abneigung gegen das Christentum und seinem Streiter führte.

Der wichtigste Häuptling und Anführer der sich widersetzenden Sachsen nannte sich „Widukind”, dessen Name übersetzt „Wodansohn” heißt. Dessen Vater war der dänische König Siegfried. Da Karl der Große 777 in Paderborn einen Reichstag gegründet hatte, glaubte er, den Widerstand unter Kontrolle zu haben. Aber als 782 ein neues Gesetz die sächsischen Gebiete zum Frankenreich erklärte, schrie das Bauernvolk auf. Widukind führte das Volk zusammen zu einer Revolution. Das fränkische Heer, dass mit sächsischen Mitstreitern auf die Weser zumarschierte, sollte die slawischen Sorben von Überfällen auf das Frankenreich befreien und wurde von den sächsischen Widersachern nahe der Porta Westfalica überraschend geschlagen. Die sächsischen Krieger auf fränkischer Seite liefen zu ihren Landsmännern über. Dieser Verlust auf Seiten Karls des Großen bildete eine erneuten Feldzug gegen die Sachsen, der mit Blut und Schande bedeckt eine unvergessliche, schwarze Seite in der Geschichte hinterlässt: Der Verderner Sachsenmord.

Es geschah im Jahre 782, als Karl mit seinem Volk an die Mündung der Aller in die Weser zog. Dort versammelten sich die Sachsen, die sich diesmal unterwarfen und die Übeltäter des letzten Aufstandes auslieferten. Es waren ungefähr 4500 Menschen, die alle einen qualvollen Tod durch Enthauptung erlitten. Widukind war inzwischen nach Dänemark geflohen. Viele haben an der hohen Menschenzahl und der Todesstrafe gezweifelt, vieles wurde unter dem Aspekt der Heiligsprechung Karls des Großen verworfen. Doch die sogenannten „Reichsannalen” des Jahres 782 beschreiben diesen Mord, verfasst in lateinischer Sprache. Die Frage, wieviele Menschen genau getötet wurden, ist nicht ganz zu klären, auch wenn in Verden mehrere Schädelfunde ans Licht kamen.

Man hätte annehmen können, dass sich Karl eine mildere Strafe hätte ausdenken können, denn zwischen Aufstand und Sachsenmord waren einige Monate ins Land gegangen. Es gibt keine Rechtfertigung für dieses Verbrechen, das einem bis heute Heiligen zugesprochen wird. Auch wenn die Leistungen Karls des Großen für Europa und seine Ordnung bedeutend waren, so zeigt diese Hinrichtung den wahren Charakter eines getreuen Christen, der selbst keine Gnade vor einem sich unterwerfenden Volk kennt. Karl der Große zerstörte außerdem im Jahre 772 eine der bedeudensten Heiligtümer der germanischen Religion, die Irminsul.

Die Irminsul galt seit jeher als der Lebensbaum, der in der Edda als Verbindungsglied zwischen den Welten beschrieben wird. Ich möchte hierzu kurz erklären, was es weiter damit auf sich hat, auch wenn wir uns hier einmal von der sachlichen Geschichte trennen. Irminsul bedeutet auch übersetzt die „allumfassende Säule”. Bei den Sachsen war sie benannt nach dem Kriegsgott „Irmin”. Die Irminsul soll nahe der sächsischen Hauptfestung Eresburg in Westfalen gestanden haben. Eine der Vermutungen ist, dass die Externsteine im Teuteburger Wald eine Rolle gespielt haben. Dort soll ursprünglich die Irminsul ihren Platz gehabt haben, zugleich aber waren die Externsteine eine bedeutende germanische Kultstätte, die bis heute Geheimnisse birgt und die Forscher immer wieder inspiriert. Dort hat man ein Kreuzabnahmerelief aus dem 12 Jh. entdeckt, dass den gewaltsamen Zug der Christianisierung deutlich macht. Denn viele glauben, darin die gebeugte Irminsul zu erkennen. Der Fall der Irminsul war eine bedeutende Schandtat im Untergang der germanischen Kultur und Religion. Sowie der Apostel und Märtyrer Bonifatius die berühmte und heilige Donareiche fällte, so setzte auch Karl der Große mit dem Fall der Irminsul ein Zeichen seiner Macht und der Macht seiner christlichen Religion.

Die Eroberung des Langobardenreiches

Ungefähr ein Jahr nach der Vernichtung der Irminsul begab sich Karl der Große erneut in die Schlacht. Die Langobarden, die ebenfalls ein christliches Volk waren, bereiteten Karl Sorgen. Der damalige König der Langobarden hieß Desiderius und war der Vater von Desiderata, mit der Karl eine kurze Ehe eingegangen war (wie im obigen Text schon erwähnt).

Dieser Desiderius plante zu dieser Zeit eine Flurbereinigung in seinem Reich. Somit mischte er sich auch unter die päpstlichen Territorien „Ravenna” und das „römische Dukat” (Herzogtum). Noch schlimmer war allerdings seine Forderung an den Papst: Er forderte ihn auf, die beiden Söhne Karlmanns (der erwähnte Bruder Karl des Großen) zu fränkischen Königen salben zu lassen.

Das war zuviel für Papst Hadrian den I. und seiner gläubigen Gefolgschaft. Er ruft Karl zu seiner Verteidung ins Langobardenreich. Karl der Große kommt dieser Kriegsgrund (Schutz des Papstes) gerade äußerst gelegen.

Im Jahr 773 marschiert Karl mit seinen Truppen über den Mont Cenis und breitet sich in ganz Norditalien aus. Desiderius flüchtet nach Pavia, der Hauptstadt des Langobardenreiches.

Der Frankenkönig lässt sich nicht beirren und marschiert auf Pavia. Dort belagert er die Stadt neun Monate lang, bis der eingeschüchterte Desiderius nachgibt. Desiderius und seine Familie werden ins Kloster verbannt, und Karl setzt sich selbst die Krone auf. Er lässt das Reich bestehen und dem Adel seinen Besitz. Dazu behält der Papst Rom und Ravenna, Karl behält jedoch die Zivilgewalt. Sein Geschick mit der Kirche zu kooperieren ist gewinnbringend.

Italien ist jedoch nur zum Teil vereint und das ehemalige Reich der Langobarden zählt nun zum Frankenreich. Ansonsten bestehen noch das Herzogtum Neapel, Kalabrien und das südliche Apulien.

Der Sieg von Karl dem Großen brachte ihn auch zu einem neuen Mitstreiter der Langobarden. Er nannte sich Paulus Diaconus und war Chronist. Dessen Bruder geriet in fränkische Gefangenschaft, den Karl aber wieder frei ließ. Durch diese Handlung war Paulus Karl dem Großen auf ewig dankbar und verbunden. Paulus verfasste unter anderem die „Geschichte der Langobarden”. Er lebte in seiner letzten Lebensphase als Mönch auf Monte Cassino. Aber er starb, bevor er sein Werk über die Langobarden beenden konnte, und somit fehlen uns heute einige Informationen über die Zeit, in der Karl der Große über die Langobarden herrschte.

Die Eroberung der spanischen Mark

Eine weitere Eroberung Karl`s des Großen war die „spanische Mark”, die zwischen den Städten Pamplona, Gerona und den Pyrenäen lag.

Im damaligen Spanien herrschten die Moslems, auch genannt die Bagdader Abbasiden. Ein Teil des Volkes hatte sich jedoch von seinem Kalifen abgewandt und erhob Widerstand gegen ihn. Das „abtrünnige” Volk fand in Abd al-Rahman seinen Anführer. Dieses Ereignis sorgte natürlich bei den älteren Anhängern der Bagdader Abbasiden für Haß gegen die Abtrünnigen.

Schließlich holten sich die Abbasiden Karl den Großen zu Hilfe, indem sie den Fürsten Yusuf al-Fitri im Jahre 777 nach Paderborn sandten. Da Karl der Große und das Volk der Abbasiden gut befreundet waren, ging Karl direkt darauf ein. Er trommelte für sein Heer Franken, Burgunden, Bayern, Alemannen und Langobarden zusammen und zog mit ihnen Richtung Pyrenäen. Schon kurz darauf nahm Karl die Stadt Gerona ein, die sich im Nordwesten Spaniens befindet. Dort erinnern heute noch einige Baudenkmäler an seine Herrschaft. Nach Gerona folgte Pamplona, wo sich eine zweite Heeresgruppe hinzugesellte und mit dem ersten Heer gen Saragossa zog. Doch die Kämpfer der Abbasiden und andere Mitstreiter gaben ihnen keine Unterstützung und so blieben weitere Eroberungen im Süden aussichtslos. Karl zog seine Truppen zurück und bekam währendessen neue Aufstandsmeldungen von der Sachsenfront. Klug, wie er war, rief er zum Aufbruch und zog über die Pyrenäen wieder Richtung Heimat.

Die kleine Schlacht um Bayern

Im Jahre 787 begab sich Karl dann in die nächste Schlacht. Diesmal machte ihm sein eigener Vetter, der Bayernherzog Tassilo Konkurrenz. Tassilo nämlich hatte einen sehr guten Draht ins Langobardenreich. Er pflegte dort den Kontakt zu dem Herzog Arichis von Benevent, den er zum Bündnispartner machte und hielt heimlichen Kontakt zum Vatikan. Ausserdem rüstete er sein Heer weiter auf. Er machte sich durch weitere Kontakte und neue Gesetze beliebt bei seinem Volk. Das waren für Karl genug gute Gründe um mit seiner Armee Richtung Bayern zu ziehen. Bei Augsburg schließlich gab der bayrische Adel dem Frankenkönig recht und Tassilo mußte kapitulieren. In der sogenannten Ingelheimer Pfalz mußte er sich Karls Urteil unterziehen. Dort wurde für seinen Tod plädiert, doch Karl der Große erließ eine milde Strafe für ihn. Denn laut seiner Liebe zu Gott und der Tatsache, dass Tassilo nun mal sein Vetter war, wurde er zu lebenslangem Klosterleben verurteilt. (Diese Gewohnheit von christlichen Herrschern aus der frühmittelalterlichen Zeit, seine Feinde unblutig loszuwerden kann man auch bei Chlodwig nachlesen...). Auch Tassilos Familie war zum Klosterleben verurteilt. Doch niemand weiß bis heute, wie es ihnen dabei ergangen ist.

Karl der Große jedenfalls hatte längst den überwiegenden Teil der Bayern für sich gewonnen. Er hatte diesmal auch ein besonders leichtes Spiel, das ohne Blutvergießen endete und keinen Verlust für ihn bedeutet haben muß. Der Herzog Tassilo wurde durch einen fränkischen Statthalter ersetzt. Im Jahre 794 wurde Tassilo nochmal für kurze Zeit aus dem Kloster befreit, um vor Karl seine Abbitte zu leisten. Der König wollte sich auch versichern, ob niemand einen Anspruch auf das Herzogtum erhob. Tassilos Sarkophag wurde im 16. Jhd im Kloster Lorsch entdeckt.

Der Höhepunkt seines Lebens: Die Kaiserkrönung

Zunächst gab es im Jahre 795 einen neuen Papst auf dem Stuhl. Auf Hadrian den I. folgte Leo der III. Doch dieser Leo erwies sich als schwach. Er wurde am 25. April 799 Opfer eines Attentats. Man rettete ihn vor den Attacken und Misshandlungen und brachte ihn zur Klosterkirche. Er flüchtete in einer beschwerlichen Reise zu Karl dem Großen nach Paderborn. Dort angekommen wurde er von Karl gebührend empfangen und letztlich in seinen Palast geführt. Der Frankenkönig wußte, wie man das Kirchenoberhaupt empfängt. Doch der drohende Widerstand, der Leo zu Hause erwartete, war nicht abzuwenden. Ihn empfing in Paderborn eine Abordnung der römischen Gegner, die ihm einige Verfehlungen vorwarfen. Diese Anklagen konnten Leo jedoch nicht direkt von seinem Amt entlassen. Als Papst hatte er eine sehr hohe Stellung und es bedurfte zu seiner Zeit 72 belastende Zeugenaussagen, um zu einem Gerichtsprozeß geführt zu werden. Deshalb vertagte Karl der Große die Entscheidung auf das nächste Jahr. In der Stadt Rom wurde am 23. November 800 über die Anschuldigungen verhandelt. Die Verhandlung dauerte eine Woche und wurde von Erzbischöfen und Bischöfen geleitet. Leo der III. schwor einen Reinigungseid und war damit überzeugend genug, so dass er freigesprochen wurde. Die Ankläger wurden für schuldig erklärt und zum Tode verurteilt, jedoch letztlich zur Verbannung gezwungen.

Karl hatte die christliche Hierachie wieder hergestellt und betonte auch, dass es seine Aufgabe sei, die christlichen Heiligen immer zu verteidigen. Wieso sollte er auch gegen den Papst handeln? Leo stand doch jetzt um so mehr in Karls Schuld. So kam es, dass Leo der III. Karl den Großen am Weihnachtsfest 800 zum Kaiser machte.

Doch die Krönung war Karl nicht allzu gelegen. Der Frankenkönig wurde angeblich nicht über seine bevorstehende Krönung informiert. Das römische Volk war begeistert und jubelte um seinen Kaiser. Währenddessen erreichte die frohe Botschaft das Kaiserreich Byzanz, die dem Barbarenkönig und der Politik des Abendlandes nicht gerade positiv gegenüberstanden. In Konstantinopel war man empört über die Kaiserkrönung. Damit verschärfte sich die Entwicklung von Abend- und Morgenland und die des Christentums.

Im Jahre 809 gab es die ersten Konflikte. Aus Spanien kam die Erweiterung des Glaubensbekenntnisses, in dem der Heilige Geist auch vom Sohn ausgehe (filioque = und vom Sohn). Diese Änderung, die im fränkischen Gottesdienst umgesetzt wurde, verärgerte Byzanz zutiefst. Man sah dort die Eingriffe in das kanonische Werk der Väter als Verletzung.

Karl der Große spielte schon mit dem Gedanken, die Herrscherin des Bosporus, Kaiserin Irene, zu heiraten. Doch sie starb, und ihr Nachfolger war Kaiser Nikephoros. Dieser war auf das Frankenreich nicht gut zu sprechen. Das einstige Römerreich war bis 812 verfeindet und erst ab diesem Zeitpunkt erkannte Ostrom das fränkische Kaisertum an.

Die Folgen der Kaiserkrönung für Deutschland

Karl hat mit der Kaiserkrönung eine Menge in Deutschland bewegt. Denn letztlich setzte sich durch, dass die deutschen Herrscher in Rom zum Kaiser und in Aachen zum deutschen König gekrönt wurden. In Aachen wurden die Krönungsfeierlichkeiten in der Pfalzkapelle abgehalten unter der Leitung der Geistlichen. Nach kirchlichem Zeremoniell setzte sich der König auf den Thron Karls des Großen nieder und mußte den sogenannten Krönungseid auf einem Evangelienbuch ablegen. Nach 31 Krönungsjahren in Aachen wählte man dann schließlich Frankfurt als neue Krönungsstadt.

Die Pax Carolina, der Gottestaat

Nach der Krönung Karls des Großen gab es nur noch wenige Kämpfe und Eroberungen. Sein großes Reich, das weite Teile Europas umschloß, war zur Pax Carolina geworden, das heißt: Ein Gott, ein Reich, ein Herrscher. Ursprünglich geht diese Herrschaftsführung auf die Idee der Römer zurück. Karl kümmerte sich um den Ausbau seines Kirchenstaates, in dem er sich auch in den Abteien um ausreichende Bildung bemühte. Man nannte diese Epoche die karolingische Renaissance, die aber nichts mit der späteren, italienischen Renaissance zu tun hat. Die karolingische Kunst war orientalisch und byzantinisch geprägt (siehe Pfalzkapelle, Oktogon-Bau) und äußerte sich oft in Fresko- und Mosaikkunst. Latein wurde wieder im Klassischen gelehrt. Doch Karl leistete nicht nur einen großen Beitrag zur Bildung. Er kümmerte sich auch um Münzprägung, Marktrecht und Rechtsprechung.

Zuletzt befasste er sich auch mit Bauprojekten. Die Rheinbrücke bei Mainz geht auf sein Konto. Und die grandiose Idee des Karlsgraben, im lat. genannt fossa carolina. Der Kanal sollte die Donau mit dem Rhein verbinden, um so den Schiffahrtsweg vom schwarzen Meer bis zur Nordsee ausbauen zu können. Karl war nun mal mit den Wasserstraßen auf der sicheren Seite, wenn er sich auf Reisen begab. So begann man also im Jahre 793 mit dem Bau des Kanals. Ein 2000 Fuß langer und 300 Fuß breiter Graben kam zustande, aber kurz darauf war das Scheitern des Plans nahe.

Denn die Beschaffenheit der Erde und die Regenfälle gaben dem Projekt keinen Halt. Karl brach das Bauprojekt ab. Es gab genug Gründe dafür: 1. Er sah selbst ein, dass er es nicht verwirklichen konnte, 2. Er hatte kaum noch genug Nahrung, um seine Arbeiter zu versorgen, 3. Es gab wieder erneute Unruhen in Sachsen und Septimania. Natürlich wurde im Lauf der Jahrhunderte auch diese Idee Karls des Großen von anderen Herrschern wieder aufgegriffen. Ludwig der I., der Bayernkönig, nahm den Plan in Angriff. Im Jahr 1846 vervollständigte er das Projekt letztlich mit 103 Schleusen, wobei die Boote von Pferden bewegt wurden. Dieser Ausbau brachte ihm daher nur Spott und Unzufriedenheit beim Volk ein. Noch heute kann man bei dem Dorf Graben, das nach dem Karlsgraben benannt wurde, einen Kanaltorso von 1300 Metern Länge bewundern.

Der Tod

Am 28. Januar 814 starb Karl der Große im Alter von 72 Jahren. Er erkrankte letztendlich und wollte sich von niemandem helfen lassen. Nach 55 Jahren Regierungszeit bereitete man ihm ein würdiges Ende, die Beisetzung fand im Aachener Dom statt.

Fotos

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Marmor-Sarkophag Karls
aus dem 2. Jahrhundert

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Der Karlsschrein
im Aachener Dom

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Armreliquiar Karls des Großen
aus dem Jahr 1481

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Jagdhorn und Jagdmessern
aus dem 11. Jahrhundert

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Eine Büste Karls des Großen
aus dem Jahr 1349

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Blick in den
Aachener Dom

Bild anklicken, um es vergrößert zu sehen
Der (angebliche) Thron
Karls des Großen

Karte zum Reich Karls des Großen

Quellen: Gustav Faber; "Das erste Reich der Deutschen"



Zurück zum Inhaltsverzeichnis Geschichte

Zurück zur Startseite


www.bonnensia.de


Zuletzt aktualisiert am 04.01.2004
Copyright © 2003-2004 by Ilonka Normann