1.4 Externsteine

Externsteine

Die sogenannten Externsteine befinden sich bei Horn, nähe Detmold. Dieses große Naturmonument, dessen Höhe etwa 40 Meter erreicht, hat viel Ähnlichkeit mit den Sandsteinfelsen im Erzgebirge.

Vor etwa 10 Millionen Jahren wurden die Kreideablagerungen durch großen Druck so zusammengepreßt, dass die unteren Sandsteinschichten sich senkrecht stellten. Unter Einfluss von tropischen Regengüssen und den Witterungsverhältnissen der Eiszeit wurden die Steine geformt und kamen so zu ihrer heutigen Gestalt. Externsteine Die Bedeutung der Externsteine in der Kultur der Germanen bleibt aber umstritten. Denn man nimmt an, dass die Steine in früheren Zeiten genau wie besondere Bäume u.ä. von den Menschen verehrt wurden. Viele Forscher behaupten, vorchristliche Spuren seien an den Externsteinen nicht sichtbar. Und im Laufe der Jahre und Jahrzehnte forschte man weiter. Angeblich gab es auch einige verschollene Funde und so gibt es kein beweisträchtiges Anschauungsmaterial, dass die Existenz der Germanen an diesem mystischen Ort beweist. Dann kamen doch noch einige Entdeckungen zu Tage: Der Astronom Schlosser und der Steinmetz Ulrich Niedhorn untersuchten die Felsen genauer.

Am sogenannten Falkenstein fand man sechs Sitzschalen und Fußrasten sowie Rückenlehnen, die auf einen Aussichtsplatz für Sterngucker hindeuten. In der Höhenkammer, in der exakt am 21. Juni die Sonne strahlt, weist eine Öffnung auf Schlagspuren von Steinäxten hin.
Weitere Untersuchungen im Gestein ergaben, dass bereits 1500 bis 500 vor Chr. Feuer in den Höhlen brannten. An Kletterhilfen im Felsen konnten sich die damaligen "Astronomen" zu ihren Plätzen emporhieven. Dazu fand man sechs eingemeißelte Figuren, die aus heidnischer Zeit stammen und dessen höchste Figur etwa 18 Meter hoch ist.

Die Externsteine wurden bis zu diesem Zeitpunkt fast wie ein Tabu in der Forschung angesehen, obwohl das mit ihnen verwandte Stonehenge mehr Aufmerksamkeit bekam. Neben dem heidnischen Ursprung, bzw. Verwendungszweck der Externsteine ist wohl deutlicher der christliche Einfluss zu sehen. Zunächst einmal geht das Gerücht um, dass dort die Irminsul, der Lebensbaum gestanden haben soll. Demnach soll Karl der Große im Zuge der Christianisierung diese Irminsul vernichtet haben. Heute finden wir an dieser geheiligten Stelle ein Kreuzabnahme-Relief, das aus dem 12. Jh. stammt. Und viele glauben heute noch, darin die gebeugte Irminsul zu erkennen. Im frühen Mittelalter dienten die Externsteine jedoch als Kirche. Die Steine gehörten im Jahre 1093 dem Kloster Abdinghof, deren Mönche die Felshöhlen zu kirchlichen Räumen umgestalteten. Der Bischof Heinrich von Paderborn wollte die Grabeskirche zu Jerusalem auch in Deutschland nachbauen. Dieser Einfluss ist dann auch an den Externsteinen zu erkennen, z.B. an der Nachbildung des Grabes Christi.
Die Externsteine wurden immer wieder von anderen Völkern besucht - auch im Nazi-Deutschland spielten sie eine große Rolle.

Kurzer Reisebericht

Jetzt kann ich endlich sagen: Ich habe sie besucht, die Externsteine, von denen hier immer die Rede war. Am 18. September 2004 machte ich mich nach Detmold auf und war bereits gegen Mittag auf dem Gelände der Steine. Mein persönlicher Eindruck war sehr tief. Die großen Felsen waren von der hellen Sonne beleuchtet, es war warm und der Himmel blau. Ein kurzer Rundgang um den See, der die Externsteine umgibt, gab weitere neue Perspektiven für meine Fotos, die demnächst hier auch zu sehen sind. Danach folgte der Aufstieg auf den ersten Stein. Da ich die Namen nicht genau kenne, kann ich nicht sagen, wo ich als erstes war. Die Stufen sind jedenfalls steil, wenn auch an manchen Stellen ausgebessert. Der Blick in luftiger Höhe ist jede Mühe wert. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie unsere Vorfahren hier in die Ferne (oder auch in die Sterne) geschaut haben.
Der zweite Aufstieg führt über eine kleine Brücke mit einem schicken Geländer, dass man sicherlich schon mal auf Postkartenmotiven gesehen hat. Dort oben gab es noch eine Menge zu entdecken. Jede Menge Inschriften und wichtige Informationen wie z.B. "Ich war hier" waren auf den Wänden der Steine (innen) zu lesen. Darunter Schreiber aus Bonn und Königswinter, die die Externsteine um die Jahrhundertwende besuchten. Die herbstliche Stimmung des Teuteburger Waldes gab ein perfekte Kulisse, auch wenn es quasi der letzte richtige Spätsommertag in diesem Jahr war. Im unteren Teil der Felsen steht dann auch das berühmte "Kreuzabnahme-Relief", in dem deutlich die geknickte Irminsul zu erkennen ist. Dieses Relief ist sehr symbolisch, es gibt keinen gemeißelten Baum unterhalb des Reliefs, sondern das Symbol der Irminsul, das von einer der Kreuzträger "zetreten" wird. Da auch ausländische Touristen anwesend waren, machte ich mir bereits schon dort Gedanken darüber, was diese wohl über deutsche "Religionen" dachten und ob sie dieses Bild des Sieges - Christentum über Heidentum - wirklich verstanden. Was in den Besucher-Broschüren stand, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass natürlich auch dort das Meiste, und damit auch der neueste Stand der Forschung verschwiegen wird. Wahrscheinlich werden die "vorchristlichen" Religionen dort als unwichtig oder unheimlich bezeichnet. Wie dem auch sei, das alles sind nur Vermutungen und ich gehe davon aus, dass ein Tourist, der noch nicht mit unserer Kultur in Berührung gekommen ist, wahrscheinlich nur die Hälfte der Wahrheit kennenlernt.
Für den Teil des Aufstiegs der Externsteine und der Vorderseite mit dem Kreuzabnahmerelief wird natürlich Eintritt verlangt. Aber das hält sich in Grenzen. Die Rückseite, die Wege um den See herum und das Felsengrab liegen aber außerhalb des kostenpflichtigen Geländes. In das offene Felsengrab, das wie eine halbrunde Kugel am Ufer des kleinen Sees liegt, legte sich so mancher Besucher. Ich habe - des kalten Steines wegen - darauf verzichtet. Dafür bin ich auf das Dach des kugeligen Grabes gestiegen, konnte aber dort keine besonderen Entdeckungen machen. Ich muß euch leider enttäuschen, auch sonst habe nichts aus prähistorischer Zeit gefunden ;-). Selbst auf dem Felsenplatue habe ich keine Sitzschalen und Fußrasten entdecken können. Nun ja, schließlich haben sich die Forscher auf den nicht begehbaren Falkenstein vom THW hochhieven lassen.

Quellen: Hannsferdinand Döbler: Die Germanen (Lexikon);
Der Spiegel, Ausgabe Nr. 48, "Der Sternenkult der Ur-Germanen"



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Zuletzt aktualisiert am 15.06.2012
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