2.1 Chlodwig

Die Frankenperiode

Die westgermanischen Franken bildeten die allgemein bekannteste germanische Völkergruppe. Sie waren ein wichtiger Teil für das mittelalterliche Europa.
Ihre Herkunft besteht aus vielen Vermutungen. Es gibt auch hier regionale Unterschiede: Zum einen gab es die sogenannten salischen Franken (Francia salica), die im Gebiet von Schelde, Maas, Niederrhein und Ems lebten, also auch in heute niederländischen und französischen Regionen. Zum anderen gab es es die Rheinfranken (Francia Rhinensis), die im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Gegend rund um Köln, nördlich des Siebengebirges und in weiten Teilen des Rheinlandes siedelten. Die Franken schlossen zunächst jedoch ein friedliches Abkommen mit den Römern und versuchten nicht, sie weiter zu bekämpfen.

Chlodwig der Merowinger

Am Anfang waren die Merowinger mit ihren blondgelockten Haaren, die bereits früh im 5. Jh den Rhein überschritten und mit der römischen Provinzverwaltung einen Föderatenvetrag abschlossen. Der Anherr dieses Volkes nannte sich Clodio, über den jedoch nicht allzu viel bekannt ist. Man vermutet, dass der Namensgeber der Merowinger, nämlich Merowech, sein Sohn gewesen sein könnte. Dieser Merowech hatte ebenfalls einen Sohn, der bereits eine größere Spur hinterlassen hatte. Er nannte sich Childerich und bestieg im Jahre 457 den Thron. Nachdem man ihn wegen seinem ungehörigen Lebenswandel (seine Liebschaften) aus dem Herrschaftsgebiet verjagt hatte, lernte er die thüringische Königin Basina kennen. Mit ihr kehrte er nach acht Jahren in sein Reich zurück, in dem inzwischen der Römer Ägidius als König herrschte. Er wird sich wohl oder übel also den Thron mit dem Römer geteilt haben. Aus dem Bund von Childerich und Basina wurde Chlodwig, der Stärkste der Merowinger geboren. Zuletzt erwählte Childerich die Stadt Tournai, links des Rheins zu seinem Wohnsitz. Dort fand man 1625 sehr viele Gegenstände, die man in Childerichs Grabstätte vermutete. Mit 15 Jahren bestieg Chlodwig den Thron. Und zu diesem Zeitpunkt war seine Macht noch eher bescheiden. Der westgotische König Eurich war einer der machtvollsten Gegenspieler Chlodwigs. Er starb jedoch unerwartet im Jahre 485 und hinterließ einen Nachfolger, mit dem Chlodwig ein leichteres Spiel hatte. Denn als der römische König Ägidius starb und sein Sohn Sygarius das Ruder übernahm, startete der junge Chlodwig 486 mit seinem Heer einen Angriff auf dessen Reich. Sygarius flüchtete nach Toulouse zum König der Westgoten, doch Chlodwig verlangte die Auslieferung und ließ ihn kurzerhand heimlich umbringen.

Chlodwig zog von Tournai nach Soissai, dass sich als merowingisches Machtzentrum erweisen sollte. Seinen Sieg über Soissons verdankte er als Heide natürlich Wodan oder Odin, wie er bei uns genannt wird. Doch er liebäugelte bereits mit der Religion seiner Untertanen, weil er wußte, welchen Einfluß das Christentum mit seinen Gefolgsleuten hatte.

Die Bekehrung zur Christlichen Religion wurde mit der Hochzeit Chlodwigs Wirklichkeit. Der heidnische Frankenkönig hatte sich die am Burgunderhof lebende Chlothilde, die Nichte des Burgunderkönigs Gundobad auserwählt. Sie war, im Gegensatz zu ihrem Onkel eine Katholikin. Im Jahre 483 machte Chlodwig Chlothilde einen Heiratsantrag, der mit Zustimmung angenommen wurde. Er tat dies sicherlich nicht nur aus Zuneigung, sondern mit dem Hintergedanken, die Burgunder auf seiner Seite zu wissen, was ihm bei der Feindschaft der Westgoten ein wenig mehr Sicherheit gegeben haben mußte. Doch kaum war Chlothilde seine Frau, versuchte sie ihn permanent zum Christentum zu bekehren. Diesen Versuchen hielt der Frankenkönig Chlodwig regelrecht stand und verteidigte seine Götterwelt weiterhin. Es gab immer wieder Auseinandersetzungen zwischen den Beiden, es war der Kampf der neuen gegen die alte Religion.

Als der erste eheliche Sohn Ingomar geboren wurde, stimmte Chlodwig wenn auch unwillig, einer christlichen Taufe zu. Doch kurz darauf starb das Kind und Chlodwig fand darin natürlich ein Argument gegen das Christentum, denn wäre sein Kind nach seinen Glauben getauft worden, so wäre es nicht gestorben, behauptete er. Doch sie bekamen einen zweiten Sohn namens Chlodomer, der erkrankte und seinen Eltern wiederum Diskussionsstoff gab. Auch er war nach Christus getauft worden und wurde aber im Gegensatz zum ersten Sohn wieder gesund. Chlodwig beharrte bis dahin weiterhin auf seinem Glauben.

Kurze Zeit später begannen die Allemannen dem König Ärger zu bereiten. Sie siedelten sich in der Gegend um Köln herum an und kamen somit ins Reich der ripuarischen Franken. Deren Teilkönig Sigebert verständigte Chlodwig, der sich zum Kampf bereit erklärte. Im Jahre 496, bei Zülpich, schlugen die Franken die Allemannen endgültig zurück. Doch inmitten des Schlachttrubels sann er in einigen schweren Stunden über die neue Christenreligion nach. Er hatte das Vetrauen in die Götter schon halbwegs verloren und rief den Christengott an, ihm den Sieg über die Feinde zu schenken. Im Gegenzug würde er sich zu ihm bekennen und sich taufen lassen. Somit hatte die Kirche durch Zufall einen Anhänger mehr im Netz. Und diesmal sogar einen bedeutenden "Heidenkönig".

Chlodwigs Entscheidung war auch diesmal strategisch durchdacht. Viele der Gallorömer, die im Frankenreich siedelten, waren katholisch und verachteten die heidnischen Herren. Chlodwigs Übertritt zum Christentum sollte so die Lage etwas beruhigen. Jedoch Zweifel an diesem Glauben mußte Chlodwig genug haben. Der nachfolgende Text soll seine Auseinandersetzung zwischen germanischer und christlicher Religion zeigen:

Zitiert: Gustav Freytag aus Bilder aus der deutschen Vergangenheit: "Wer war der fremde Gott? Er selbst hatte schimpfliche Strafe erduldet, er war ans Kreuz geschlagen wie ein Überläufer oder tückischer Verräter, er wollte in seiner Gefolgschaft keinen Unterschied machen zwischen Edlen und Knechten, er war in namenlosem Geschlecht geboren, in dürftiger Hütte eines schwachen Stammes, dessen Söhne als reisende Händler vor der Saaltür des Häuptlinges lauerten, diesem seine Kriegsbeute abzukaufen. Vor solchem fremdländischen und ruhmlosen Manne sollte der Abkömmling eines heimischen Gottes sein Haupt neigen und sich unter sein Gesinde stellen? Wie vermochte ein solcher seinen Anhängern Sieg über die Feinde zu geben?"

Chlodwig besiegelte seinen Entschluß damit, auch einen Großteil seiner Stammesgenossen zur Taufe zu bewegen, um keine Auflehnung dieser zu befürchten. Letztlich wurden so ungefähr an die 3000 seiner Leute zu Täuflingen.Der Taufakt war im Mittelalter eine aufwendige Prozedur, die man "Katechumenat" nannte. Der Taufbewerber hatte beim Bischof seinen Entschluß sorgfältig zu ergründen und danach eine strenge Fastenzeit einzuhalten. Nach der gründlichen Vorbereitung, die auch einem König nicht erspart blieb, wurde der Bewerber zum eigentlichen Christen. Weihnachten 498 wurde König Chlodwig vom Bischof Remigius in der Stadt Reims getauft. Nachdem er dem Teufel abgeschworen und das Glaubenbekenntnis gesprochen hatte, entledigte er sich seiner Kleider und Rüstung und stieg in das Taufbecken, in das man ihn dreimal untertauchte. Danach wurde sein Haupt gesalbt als Zeichen seiner Herrschaft.

Mit seiner Taufe hatte er die Gallorömer für sich gewonnen und plante, ganz Europa einzunehmen.
Als Erstes richteten sich Chlodwigs Kreuzzüge gegen Burgund, dem Land, aus dem seine Frau stammte. Doch sein Kampf gegen den Burgunderkönig Gundobad hatte er schnell verloren. Er verbündete sich mit Gundobad, um den König der Westgoten, Alarich in Aquitannien zu schlagen. Der Christenglaube verhalf zum gemeinsamen Raubzug gegen den angeblichen "Ketzer" Alarich. Bei Poitiers kam es dann zum Kampf, in dem Chlodwig noch gerade so dem Tod von der Schippe springen und Alarich den Todesstoß verpassen konnte. Nach der ruhmreichen Schlacht verlieh ihm der oströmische Kaiser Anastasius den Titel des Konsuls. An diesem Beispiel kann man erkennen, dass diejenigen Herrscher die höchsten und heiligsten Titel in der Geschichte bekamen, die die meisten Menschen auf dem Gewissen hatten. Karl der Große hat diese "blutbefleckte" Heiligkeit später noch übertrumpft.

Chlodwig zog von Soissons nach Paris. Schon bald darauf machte er neue Pläne. Er hielt sich an den ripuarischen Franken Chloderich, der Sohn von Teilkönig Sigebert. Eigentlich war Chloderich einer seiner Kampfgefährten, aber Chlodwig ging in seinem Größenwahn über Leichen. Er gab Chloderich zu verstehen, dass er seinen eigenen Vater Sigebert umbringen und dann alleiniger Herrscher des rheinischen Reiches werden sollte. Chloderich tat dies. Woraufhin Chlodwig seinen Leuten den Auftrag erteilte, Chloderich als Vatermörder sofort zu töten.
Für diese Heldentat wurde Chlodwig reichlich belohnt: Das ripuarische Volk ernannte ihn zu ihrem neuen Herrscher. Er tötete weitere, etliche Menschen, die ihm bei seinen Plänen im Weg standen. Doch sein Leben war kurz und so starb er mit 45 Jahren. Er wurde im Jahre 511 in Paris in der Apostelkirche beigesetzt. Der Begründer des Frankenreiches hatte die merowingische Dynastie ins Rollen gebracht.

Quelle: Gustav Faber; "Das erste Reich der Deutschen"

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Zuletzt aktualisiert am 10.12.2003
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