Spinnrad, Grab Mal-Ausstellung, Matronenstein

Geschichte/Archäologie

Als ich diese Homepage 2003 auf den Weg brachte, stand das Thema Geschichte sehr im Vordergrund. Schon allein der Homepage-Name "Bonnensia" verrät eine Menge über meinen Bezug zur Geschichte und auch zu Bonn. Aber meine Beschäftigung mit historischen und archäologischen Themen ist inzwischen weit über die Antike hinausgegangen. Die römischen Spuren meiner Heimat sind in der Bonner Umgebung zunächst der Beginn meiner Beschäftigung mit unserer Geschichte. Mich interessiert es immer wieder aufs Neue, wie die Menschen ihren Alltag bewältigen konnten ohne allerlei moderne Hilfsmittel und Technik wie wir sie heute kennen. Und dabei stoßen wir gerade bei den Römern auf erstaunliche Erfindungen wie die Wasserleitungen, die die Städte im Rheinland aus der Eifel und anderen Gegenden kommend, mit Frischwasser versorgten. Auch die Bautechnik und Transportmittel sind in vielen Fällen erstaunlich fortschrittlich. Die Gründung der Städte, die oftmals auf ursprünglichen Militär-Lagern basierte, geht mit der Schaffung kultureller und nützlicher Einrichtungen einher wie religiöse Tempel oder die Thermen, die der Hygiene dienten, aber auch ein Treffpunkt für Gespräche waren. Die Römer haben mit ihrer Besiedlung das Land besonders geprägt. Ihre Spuren finden sich vom Niederrhein bis nach Bayern - immer am Limes - der römischen Grenze entlang.

Besondere Hinterlassenschaften sind für mich die Reste der Tempelanlagen, die meist auf Hügeln oder in Waldstücken liegen und z. T. wieder rekonstruiert worden sind. Ein Matronentempel wie im Eifeldorf Nettersheim lockt jedes Jahr eine Schar von Wanderern an, die in dieser Gegend auf römischen Spuren wandeln. Aber auch viele Frauen besuchen den Tempel, die nach wie vor einen Bezug zu heidnischen Religionen haben, die Jahreskreisfeste feiern und das ganze Jahr Opfergaben niederlegen. Dieser Platz ist immer noch belebt, nahezu beseelt, das wird jeder, der sich solchen Dingen nicht verschließt, spüren. Und damit ist die Geschichte greifbar, sie lebt weiter als kulturelles und individuelles Brauchtum. Auch wenn die Matronen zunächst germanische Göttinnen waren, so haben die Römer sie in ihre Kultur adaptiert und verehrt. Durch diese Übernahme, die es auch in anderen Fällen von germanischen Gottheiten gab, entstanden Kultstätten und Tempel und so haben wir dank der Römer die Möglichkeit, noch heute anhand von Fundstücken und Fundplätzen sehr viel mehr über unsere Kultur und die der Römer zu lernen, als es uns ohne deren Besiedlung überhaupt möglich gewesen wäre.

Doch nicht nur durch die Römer ist mein Geschichtsinteresse entfacht. Mittelalterliche Herrscher wie Clodwig oder Karl der Große haben meinen Horizont in Sachen Christianisierung und der Geschichte Europas erweitert. Der Prozess der Entmachtung des Heidentums durch die Christianisierung wird durch einige Taten dieser Herrscher deutlich. Doch nicht nur männliche Herrscher haben mein Interesse geweckt. Auch die Kaiserin Theopahnu, die einst an der Seite Ottos des II. geherrscht hat und einen erheblichen Einfluss an seiner Politik hatte, hat mich fasziniert. Bislang ist sie als einzige deutsche Kaiserin bekannt, die nach dem Tod ihres Mannes als Frau die Alleinherrschaft durchsetzen konnte, bis ihr Sohn Otto der III. die Nachfolge antreten konnte. Dabei hat sie sich gegen allerhand Widerstand wehren müssen und damit eine Stärke bewiesen, die Frauen im Mittelalter im Allgemeinen nötig gehabt hätten.

Desweiteren habe ich über den Ärmelkanal geschaut und mich mit der Geschichte Königin Elisabeths, der I. beschäftigt, die die Zeit der Renaissance in England und Europa sehr geprägt hat. Auch sie hat in einer Zeit als Frau die Alleinherrschaft für ein Land übernommen, das für viele ohne einen Mann an ihrer Seite unmöglich schien. Unter schwierigen Bedingungen hat sie das Land regiert. Sie stand sowohl zwischen den Religionen - dem Katholizismus und dem aufkommenden Protestantismus - deren Unruhen es ständig zu schlichten galt, als auch zwischen den Verbindungen weiterer europäischer Länder wie Frankreich oder Spanien. Sie musste sich gegen Verräter zu Wehr setzen und gegen die spanische Armada, die unter Phillip dem II. im Jahr 1588 versuchte, England einzunehmen. Überhaupt ist die Renaissance eine sehr spannende Zeit, die mit Kunst, Religion, Wissenschaft und Erkundungen in Verbindung gebracht wird.

Der wohl abenteuerlichste Teil meines Geschichtsinteresses sind die Piraten. Hierbei gibt es sowohl Geschichten mit Fantasie und Schneegestöber, aber auch historische Figuren wie Anne Bonny oder Sam Bellamy ("Black Sam"). Anne Bonny ist bislang die einzige bekannte Piratin, die in der Tarnung von Männerkleidung auf einem Piratenschiff durch die Karibik segelte. Sie konnte ihr wahres Geschlecht lange geheim halten und wurde jedoch zwischenzeitlich von dem Piratenkapitän Calico Jack schwanger. Später traf sie auf eine weitere Piratin namens Mary. Doch wie fast alle Piratenleben sollte sie sich mit ihrer Mannschaft der Hinrichtung unterziehen. Durch eine vorgetäuschte Schwangerschaft entkam sie jedoch dem vorzeitigen Tod und über ihr weiteres Leben gibt es zahlreiche Vermutungen. Auch im deutschen Seegebiet gab es Piraterie, wie sie u. a. der berühmte Klaus Stoertebecker betrieb. Sein Unwesen trieb er hauptsächlich auf der Nord- und Ostsee, wo er in Konfrontation mit dem alten Kaufmannsbund - der Hanse - kommt. Auch die Hanse selbst bietet Stoff für etliche historische Romane, die ich gerne lese. Aber natürlich mit dem Gedanken, dass es sich hierbei eben um Romane handelt.

Über Geschichte zu lesen ist das Eine. Sie zu erleben oder erlebbar zu machen, ist das Andere. Durch die Museumspädagogik habe ich gelernt wie dies möglich ist. Ich habe ein gutes Jahr im Museum ehrenamtlich gearbeitet und somit noch einmal verschiedene Epochen kennengelernt. In Ferienkursen habe ich mit Kindern römische Atriumhäuser gebaut, Handpuppen aus verschiedenen Materialien gefertigt, ein steinzeitliches Quartett durch Drucktechnik erstellt und auch steinzeitliche Jagdwaffen wie Pfeile, Harpunen und Speere gebaut. Ich habe nicht nur die geschichtlichen Hintergründe kennengelernt, sondern auch die Materialien und Werkzeuge, sowie einige Techniken. Zudem habe ich in einer Archäologie-Ausstellung für Kinder Führungen gemacht. Dabei durften die Kinder selbst Grabungen im Sand durchführen, Fundstücke sortieren und Baumstrukturen unter dem Mikroskop betrachten. Somit konnte ich auch der Arbeit der Archäologen ein Stück näher kommen und begeistere mich nach wie vor für ihre schwere, aber lohnende Arbeit.

Das Besuchen von Ausstellungen oder von historischen Plätzen bedeutet für mich nach wie vor, etwas über meine eigene Geschichte, die meiner Vorfahren oder anderer Kulturen zu lernen. Aus diesem Kontext heraus habe ich vor vielen Jahren angefangen, einige der Themen, die mich besonders interessieren, für die Homepage zu verschriftlichen. Dabei habe ich überwiegend auf Sachbücher aus dem Geschichts- und Archäologiebereich zurückgegriffen. Trotzdem sind sicherlich nicht alle Angaben korrekt oder zeitgemäß. Viele Erkenntnisse sind nur Vermutungen, manche werden zudem auch wiederrufen. Von Zeit zu Zeit werde ich diesen Bereich überarbeiten und auch neue Themen hinzufügen, um verschiedene Aspekte aus der Geschichte zu zeigen.

1. Vor und Frühgeschichte