Bonn

Für alle, die Bonn kennen, erzähle ich hier natürlich nicht viel Neues. Für diejenigen, die Bonn noch nicht kennen, gibt es hier sicher Einiges zu entdecken. Wie ich ausgerechnet auf Bonn gekommen bin, das kann man aber auch gerne nochmal in meinem Lebenslauf nachlesen.

Die kleine Stadt erscheint mir persönlich sehr vielseitig und bietet sehr viel Möglichkeiten sich zu bilden, sich zu unterhalten oder die umgebende Natur zu genießen. Das ist natürlich alles nicht auf einen Schlag zu erklären. Die verschiedenen Gesichter Bonns zeigen sich zunächst einmal in der Architektur. In der Innenstadt und in Poppelsdorf der Barock und Rokoko, wiedergespiegelt in Rathaus und Poppelsdorfer Schloss. In der Südstadt schwelgen wir im Jugendstil, vornehme Stadthäuser, die liebevoll restauriert sind.

In der Nordstadt kommen wir den Römern auf die Spur; dort stand ehemals ein Römerlager. Kleine Überreste und Denkmäler in den Straßen erinnern an römische Vergangenheit. Weiter im Norden begegnen wir dem moderneren Teil der Stadt, der Industrie, dem Straßenbahnbetriebshof....

Bad Godesberg und Beuel, die erst spät eingemeindet wurden, zeigen wiederum andere Gesichter. In Bad Godesberg kann man von der Ruine der Godesburg zum Siebengebirge blicken. Im Villenviertel kann man die vornehmsten Häuschen bewundern.
Das rechtsrheinische Bonn, mit dem großen Stadtteil Beuel wird einmal im Jahr von Karnevalstraditionen heimgesucht und manchmal auch vom Hochwasser. Dort gibt es viele kleine Sträßchen und nette kleine Geschäfte. Bleiben wir weiter südlich, Richtung Oberkassel, begegnen wir den Anfängen des Siebengebirges mit herrlichen Seen und steilen Felswänden. Dahinter erschließen sich die Ortschaften von Königswinter.

Die Bundesstadt

Im Sommer 1999 verließ uns die Regierung mit Sack und Pack und zog um nach Berlin. Das war das Ende der Bundeshauptstadt Bonn, die 1945 immerhin vorläufig ernannt wurde. Die Bundesstadt Bonn jedoch blieb einerseits zurück mit leerstehenden Regierungs- und Botschaftsgebäuden, behielt aber die Ministerien. Dies wurde 1994 durch das Bonn/Berlin-Gesetz, das eine faire Arbeitsteilung zwischen beiden Städten vorsieht, beschlossen.

Heute werden die leerstehenden Gebäude entweder saniert und umfunktioniert oder abgerissen. Vieles ist seitdem neu entstanden. Man nehme da nur das neue Wahrzeichen, das man bereits gut aus der Ferne erkennen kann: Den Posttower, der im ehemaligen Regierungsviertel steht. Dort wird emsig abgerissen und gebaut. Natürlich sind durch den Regierungsumzug viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Viele Firmen sind zwangsläufig mit nach Berlin gegangen. Der Standort Bonn wird deutlich sichtbar von Großkonzernen wie der Deutschen Telekom und der Post AG beherrscht. Aber auch Haribo hat hier seinen Sitz.

Die UN-Stadt

1996 wurde Bonn zur UN-Stadt erwählt. Als erstes zogen die United Nations Volunteers (UNV) in das Haus Carstanjen. Dazu kamen später das Sekretariat der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), das United Nations Information Center (UNIC), die Bonner Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS) und das Sekretariat der Wüstenkonvention (UNCCD).

Durch die ehemaligen internationalen Beziehungen als Bundeshauptstadt sind hier viele Hilfsorganisationen vertreten. Es gibt viele unterschiedliche kulturelle Einrichtungen und Schulen.

Die Wissenschaftsstadt

In Bonn wird geforscht - und das nicht zu knapp. Für ca. 1,6 Milliarden DM, die aus dem Ausgleichsvertrag stammen, wird die Wissenschaftsregion Bonn ausgebaut. Wichtige Institutionen sind hierbei: Die Universität, die Max-Planck-Institute, das Wissenschaftszentrum mit den Wissenschaftsorganisationen und politische Stiftungen.

Das größte Projekt ist das sogenannte "Center for Advanced European Studies and Research", auch kurz genannt: Caesar. Es greift dabei neue Entwicklungen in der Wissenschaft auf und arbeitet mit Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Industrie zusammen. Caesar ermöglicht eine Zusammenarbeit bei Projektdefinitionen und -durchführungen mit der beteiligten Industrie. Das Zentrum beschäftigt ca. 300 Forscher und Mitarbeiter.

Wer Lust hat, in die Welt der Wissenschaft einzutauchen, hat aber auch andere Möglichkeiten. Sehr interessant ist das Deutsche Museum Bonn, das viele wissenschaftliche Themen anschaulich macht. Außerdem gibt es in Bonn auch eine Sternwarte für die Astronomie-Fans.

Die Künstlerstadt

Bonn ist nicht nur Politik und Wissenschaft, Bonn hat auch etwas übrig für die Kunst. Viele bekannte Künstler leb(t)en hier und sind in Bonn geboren.
Der berühmteste, auch "Sohn der Stadt" genannt, ist wohl Ludwig van Beethoven. Er wurde 1770 in der Bonngasse 20 geboren. Der große Komponist liebte seine Stadt und machte sie berühmt. Das heute denkmalgeschützte Geburtshaus wurde 1996 renoviert und ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Es ist wirklich einen Ausflug wert, weil man viele seiner Instrumente und andere Gegenstände aus seinem Leben bewundern kann. Der Verein "Beethovenhaus" hat viele der Exponate zusammengetragen und somit die größte private Beethovensammlung der Welt geschaffen.

Ein anderer Bonner Künstler ist August Macke. Auch er ist ein Aushängeschild für die Bonner Kunst geworden. Seine Bilder hängen in vielen Museen, und Drucke seiner Bilder sieht man auch in vielen Büros. Der Maler, der am 3. Januar 1887 in Meschede (Sauerland) geboren wurde, lebte eine zeitlang in Köln und kam als 13-jähriger Junge nach Bonn. Hier fand er viele Kontakte. Er verließ vorzeitig die Schule und trat in die Elementarklasse des Historienmalers Professor Adolf Männchen ein. Dort lernte er einige Zeit und begann bald, sich für die Schauspielerei zu interessieren. Er wechselte zum Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er immer mehr Bühnenentwürfe zeichnete. Später freundete er sich auch mit den Malern Franz Marc und Paul Klee an. Er hatte leider ein kurzes Leben, denn er fiel im ersten Weltkrieg und hinterließ seine Frau und seine zwei Söhne.
Da er viele Reisen machte, gibt es auch sehr viele Landschaftsbilder von ihm, auch malte er oft seine Frau. Der Maler liebte Bonn und man kann heute noch sein Haus in der Bornheimer Straße bewundern. Das August-Macke-Haus bringt einige interessante Einblicke in sein Leben.

Im Kunstmuseum Bonn kann man standardmäßig die Ausstellungen "August Macke und die rheinischen Expressionisten" und "Deutsche Kunst nach 1945" sehen. Weitere Kunst-Highlights bietet die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland und der Bonner Kunstverein.

Die Kulturstadt

Die zahlreichen Museen bieten eine Auswahl an kultureller Unterhaltung. Die Museen, die ich bis jetzt noch nicht genannt habe sind z. B. das Frauenmuseum, das Akademische Kunstmuseum der Universität, das Haus der Geschichte, das Museum König und das Haus der Natur. Die meisten Museen findet man allerdings auf der sogenannten Museumsmeile, einem Abschnitt der Bundesstraße B9.

Wer sich lieber für Theater, Oper oder Kabarett interessiert, kommt hier ebenfalls nicht zu kurz. Zahlreiche Theater laden zu kurzweiliger Unterhaltung ein. Comedy vom Feinsten gibt es in der Brotfabrik, dem Pantheon oder der Springmaus. Die Oper, die zentral am Rhein liegt, und die Beethovenhalle sind die etwas größeren Schauplätze. Konzerte in der Open-Air-Saison gibt es auf dem Gelände der Kunst- und Ausstellungshalle.

Jedes Jahr finden in den Sommermonaten außerdem weitere Open-Air-Highlights statt. Am Schönsten ist das Lichterspektakel "Rhein in Flammen", das jedes Jahr Anfang Mai in der Bonner Rheinaue stattfindet. Nach Musik, Rummel und jeder Menge Spaß gibt es dort ein großes Feuerwerk zu sehen, das viele Menschen Jahr für Jahr immer wieder begeistert. Die kostenlose Aktion ist aber nicht die Einzige in der Bonner Rheinaue. Auch das Rockfestival "Rheinkultur", das vielen Musikern eine Chance gibt, vor großem Publikum zu spielen, ist kostenfrei. Und dann wäre da noch die Bonner Bierbörse, die mit über 100 Biersorten einmal im Jahr zum Probieren einlädt.

Die grüne Stadt

Nach den vielen Vorteilen, die Bonn als Stadt bietet, hat es auch eine grüne Seite. Bonn hat eine ausgesprochen schöne Lage. Die kleine Stadt wird rundherum von Wäldern und Bergen abgegrenzt.
Aber nicht nur das, auch viele Straßen sind hier begrünt. Die vielen Alleen mit ihren alten Bäumen und grünen Vorgärten tragen zum vielseitigen Stadtbild bei.

Naturfans wie ich fühlen sich hier nicht eingesperrt von Mauern und Beton, sondern können oftmals das viele Grün um sie herum geniessen. Auf der linken Rheinseite ragen die Anhöhen des Kottenforstes aus der Landschaft. Der Kottenforst ist ein großes Waldgebiet, das sich vom Rhein-Erft-Kreis bis in die Voreifel erstreckt. Der Venusberg ist umgeben von diesem Waldgebiet; Friesdorf und Bad Godesberg werden von ihm eingerahmt. Der Wald hat eine alte Geschichte und ein hohes Alter. Angeblich haben hier die Germanen gehaust. Und der Feenglaube hielt sich lange hier. Der Wald bietet ausreichend Erholung und lässt einen schnell die Stadt als solches vergessen.

Auf der anderen Rheinseite beginnt bei Pützchen und Holzlar das Waldgebiet Ennert, das zwar wesentlich kleiner ist, jedoch unmittelbar im Siebengebirge endet. Der Wald bedeckt die bergige Landschaft zwischen den verschiedenen Stadtteilen Holzlar, Hoholz, Pützchen, Ramersdorf, Holtorf und Oberkassel. Bei Ramersdorf liegen zwei schöne Seen, der "Dornheckensee" und der "Blaue See", die beide - wie das Waldgebiet - unter Naturschutz stehen. Das märchenhaft klare Wasser am Hang der Felswände spiegelt die übrige Landschaft wider. Weiter südlich, bei Oberkassel, kann man die Gebirgshänge bewundern und tolle Wanderungen machen. Noch weiter südlich kommen wir zum eigentlichen Siebengebirge, das mit Drachenfels und Petersberg sichtbare Zeichen setzt.

Die Stadt der Geschichte

Schon lange vor der römischen Herrschaft in Bonn gab es Leben im Stadtgebiet. In Bonn-Oberkassel fand man Skelette im Alter von 14000 Jahren. Der römische Schriftsteller Florus berichtet erstmals 13 und 9 vor Chr. von einem Brückenschlag in Bonn. Die Römer beherrschten Bonn ca. 400 Jahre und hinterließen jede Menge Spuren (zu sehen z. B. im wiedereröffneten Rheinischen Landesmuseum). Nach der Römerzeit wurde das römische Lager "Castra Bonnensia" von den Franken in "Bonnburg" umgetauft. Das ehemalige Lager wurde durch eine Stadtmauer befestigt.

Durch den Truchess'schen Krieg wurde 1583 von den Bayern die Godesburg gesprengt. Danach erlebte Bonn seine Blütezeit. Die bayrischen Kurfürsten verhalfen Bonn zu dem Poppelsdorfer Schloss, der Universität (das einstige Stadtschloss), der Redoute und dem Rokoko-Rathaus. Der Kurfürst Maximilian Franz machte Godesberg zum Badeort. 1794 kamen die Franzosen nach Bonn und danach die Preußen. Sie gründeten 1818 die Universität.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Bonn im ersten Weltkrieg sehr arm. 1938 trafen sich in Bad Godesberg Hitler und Chamberlain. Der zweite Weltkrieg zerstörte die Stadt zu einem Drittel.

Quellen: Bonner Bürgerbuch, 7. Ausgabe, diverse Informationsbroschüren der Stadt Bonn

Fotos von Bonn und Umgebung:



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Zuletzt aktualisiert am 07.03.2006
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