Blickpunkt

 

Datum: 30.04.2006

Cara bringt den irischen Frühling nach Ritterhude

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Cara Dillon
Ein Konzertbericht über Cara Dillons Auftritt am 27.04.2006 in Ritterhude

Eine unbekannte Größe - und doch ganz klein von Gestalt. Blonde Mähne, große Augen, eine elfengleiche Silhuette und eine Stimme, die nicht nur Irish-Folk-Fans zum Schwärmen bringt. Die Rede ist von Cara Dillon, einer mehrfach ausgezeichneten irischen Sängerin aus Derry County. Hier in Deutschland nur unter "Kennern" bekannt, feiert sie in Irland und auf der britischen Insel jedoch große Erfolge. Drei Alben hat Cara bis jetzt an die Öffentlichkeit gebracht. Jedes Album ist ein Unikat und hat seinen eigenen Stil. Von dynamischen, traditionellen Stücken bis hin zu Balladen und melancholischen Songs ist alles vertreten.

Trotz einiger Erfolge mauserte sich Cara nicht zum kommerziellen Superstar wie z.B. die Corrs. Und so fallen ihre Tourneen klein und gemütlich aus. Wer sie gerne live sehen will, muß eben zu einem der vier kleinen Konzert-Termine in Halle, Berlin, Hamburg und Ritterhude bei Bremen kommen. Leider gab es kein Konzert im Westen oder im Süden Deutschlands und so beschloßen zwei Fans aus Bornheim bei Bonn, den weiten Weg nach Ritterhude zu machen.

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Cara Dillon und Band
Cara spielte in einem Ort, ca. 15 Kilometer von der Hansestadt Bremen entfernt, in einem kompakten, aber modernen Veranstaltungszentrum. Unverkennbar stand auf dem angrenzenden Parkplatz ein englischer Transporter, mehr war von Cara und ihrer Band noch nicht zu sehen. Eine Stunde vor Beginn des Konzerts trafen wir im Veranstaltungszentrum Ritterhude ein, freundlich begrüßt von Mitgliedern der Folkinitiative Osterholz-Scharmbeck, die dieses wunderschöne Konzert möglich gemacht haben. Für 15,- Euro konnte man sich einen der freien Plätze suchen. Der Saal war komplett bestuhlt und wurde mit Stehtischen ergänzt. Passenderweise gab es irische Spezialitäten wie Kilkenny oder Guinness an der Theke zu kaufen. Wir ergatterten uns Plätze in der ersten Reihe und hatten so auch die beste Aussicht für die hier ausgestellten Fotos.

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Fiddle and bagpipe...
Die Bühne war bereits ausgefüllt mit Instrumenten und von der Beleuchtung bis zur Aussteuerung der Musik und der Akustik des Saals hin war so gut wie alles perfekt. Als Cara dann gegen 20.00 Uhr endlich auf die Bühne kam, war der Saal ausgefüllt und das Publikum am Jubeln. Sie begrüßte ihre Fans auf englisch, versuchte es aber auch mal auf deutsch mit "Guten Abend". Der Auftakt des Konzerts begann mystisch. Angefangen mit Sam Lakemans Klavierspiel, über den Klasse-Gitarristen, den Drummer, der ab und zu auch mal richtig trommeln durfte ;-), dem närrischen Bassisten bis hin zum Flötisten und Dudelsackspieler. Hier war alles vorhanden, was man sich an Instrumenten wünscht. Cara spielte viele Songs aus ihrem aktuellen Album "After the Morning", die bereits einigen im Publikum bekannt waren. Darunter das romantische und dennoch dynamische "Never In A Million Years", das melancholische "October Winds", das sie nach dem Tod ihres Vaters schrieb, "The Streets Of Derry", das von ihrer Heimat erzählt, "Bold Jamie", ein traditionelles Lied, das von einem "bad boy" erzählt, der ein schönes Mädchen entführt, und "Garden Valley", das mit einem klassischen Ensemble in Prag aufgenommen wurde. Wie ihr hieran erkennen konntet, hat Cara zwischen ihren Songs eine ganze Menge erzählt, somit konnte ich auch die Hintergründe zu den neuen oder alten Liedern verstehen.

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Cara Dillon und Band
Die Kommunikation zwischen Cara und dem Publikum war einfach glänzend. Ihre natürliche, authentische Art und ihr Humor kam bei den Fans einfach gut an. Ihr Mann Sam versuchte sich zwischendurch immer wieder an der Gitarre, die er angeblich erst seit einem Jahr beherrscht, was man nach ein paar Akkorden kaum glauben konnte. Beide Gitarristen gingen ganz in ihrer Musik auf und spielten die meiste Zeit wie die TV-Total-Entdeckung "Max" mit geschlossenen Augen. Man hatte den Eindruck, dass selbst die Musiker ganz von Caras Stimme getragen wurden, und auch die Verständigung untereinander klappte fast einwandfrei. Etwas mürrisch guckte nur der unterforderte Drummer, der erst bei den letzten Stücken so richtig Gas geben konnte, zwischendurch aber auch mit Bongo-Einlagen und Paukenschlägen glänzte. Dafür machte er umso mehr Faxen mit Caras schottischem Bass-Mann, der sich ständig zwischen Bassgeige und E-Bass entscheiden mußte. Für den traditionellen Klang sorgte der Flötist und Duddelsackspieler, der ältere Stücke wie "Donald Of Glencoe" und "Where Are You" begleitete und zudem noch Akkordeon spielte.

Bekannte Hymnen wie "Black Is The Colour" und "There Were Roses" kamen bei Publikum gut an. Beim letzteren Lied, das von irischen Katholiken und Protestanten erzählt, sangen einige Männer hinter mir den Refrain mit, bis Cara alle dazu aufforderte, miteinzustimmen: "There were roses... and the tears of the people ran together". Als besonderes Highlight legten die Musiker eine irische Session ein und Cara griff dabei zur Geige. Nach einem tosenden Applaus gab es noch zwei Zugaben; die letztere nannte sich "The Emigrants Farewell" und stammt aus Caras erstem, gleichnamigem Album.

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Autogrammstunde

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Cara Dillon und ich
Knappe 1 1/2 Stunden plus Pause dauerte das Konzert, danach war der Andrang am CD-Stand umso größer. Denn nun kam Cara zur Autogrammstunde und signierte fleißig CDs, Cover und Fotos der Fans. Ohne Berührungsängste erfüllte sie die Wünsche der Fans und ganz anders als auf den großen Konzerten störten weder Security-Leute noch sonstige Absperrungen die Kommunikation. Irgendwann kam ich natürlich auch an die Reihe und ließ mein gerade erworbendes Album "Sweet Liberty" von Cara mit "Best Wishes" signieren. Später bekam ich sogar die Chance, ein gemeinsames Foto mit ihr zusammen machen zu lassen. Auch das ist bei Caras Fans keine Seltenheit.

Alles in allem war es ein gelungener Abend und ich habe es nicht bereut, den weiten Weg auf mich genommen zu haben. Leider gibt es im Netz noch nicht allzu viel Informationen zu diesem Konzert, aber einige Fanseiten kann ich empfehlen, s.u. Demnächst wird es auf jeden Fall eine Cara-Dillon-Rubrik auf meiner Musikseite geben. Vielleicht wird sich ja der eine oder andere wie ich in Caras Musik "verlieben". Sie bringt, ganz gleich welche Jahreszeit und welches Wetter herrscht, immer wieder den irischen Frühling in mein Leben.

Bis demnächst,

Ilonka

Quellen und Links:
www.Cara Dillon.co.uk Caras offizielle Seite.
www.caradillon-gallery.de.vu Eine umfangreiche, deutsche Fansite
Eine japanische Fansite
www.myspace-com/caradillon Hier gibts einige Hörproben von Cara Dillon.


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Zuletzt aktualisiert am 30.04.2006
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