Blickpunkt

 

Datum: 28.04.2004

Thema: "Meiden, was man liebt"

Schon lange brennt es mir auf der Zunge, auch über ein persönliches Problem zu schreiben. Allerdings bin ich damit nicht allein. Laut einer Statistik sind in Mitteleuropa etwa 10% betroffen, nach neueseten Studien betrifft es in Deutschland jeden Dritten. Die Rede ist von der Allergie und damit ist vorwiegend die Pollenallergie gemeint. Für alle, die davon noch nicht betroffen sind und wenig darüber wissen: Die Pollenallergie, im Volksmund auch Heuschnupfen genannt, ist eine Krankheit, die sich seit Jahrzehnten immer mehr ausbreitet. Der Mensch reagiert auf Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern allergisch. Diese Reaktionen sind völlig unnatürlich allerdings gibt es viele Theorien über die Ursache dieser Entwicklung. Man kann sich das auch so vorstellen, dass der Körper falsch reagiert. Statt Virusbakterien zu bekämpfen, bekämpft er plötzlich Blütenpollen, die er für "Eindringlinge" hält und dementsprechend ähnlich reagiert wie bei eine Erkältung oder Grippe.

Die Ursache sehen viele Wissenschaftler in unserem steigendem Hygieneverhalten. Durch häufiges Duschen und Baden machen wir uns nahezu steril gegen Bakterien und dem Rest unserer natürlichen Umwelt. Dadurch verlernt der Körper Stoffe wie z.B. Pollen zu akzeptieren. Auch die Reinigung der Wohnung ist heutzutage in vielen Haushalten äußerst penibel. Dieses Verhalten setzte ich mit dem Entfernen des Menschen aus seiner natürlichen Umgebung und der Erhebung über die Natur gleich.

Doch es liegt nicht immer nur an zu viel Hygienebewußtsein. Auch die Gene spielen eine Rolle. Die Veranlagung zur Allergie kann einem in die Wiege gelegt werden. Wenn beide Elternteile bereits eine Allergie haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Kind mit Allergien sehr hoch.

Ich habe als Kind im Heu gespielt, mich im Sand eingebuddelt, war mit allerhand Tieren zusammen und habe sicherlich auch öfter mal ordentlich Dreck mit nach Hause gebracht und doch mußte ich mit 13 Jahren feststellen, dass ich ungewöhnlich viel niesen mußte. Das war nur der Anfang. Mein Vater hatte vor vielen Jahren schlimme allergische Symptome, fast die ganze Saison von Februar bis in den Oktober. Durch die sogenannte Hyposensibilisierung hat er nun die meiste Zeit des Jahres über Ruhe. Dazu später mehr.

Mit 13 wußte ich noch nichts von einer Allergie, bis auf Vaters Erzählungen. Im Jahr darauf kamen die Augenprobleme dazu. Schwellungen, Rötung und Jucken bis zur Bindehautentzündung. Die meiste Zeit, in der im Sommer die Gräser blühten, konnte ich es nur im Haus aushalten. Wenn das Gras auf den Wiesen gemäht wurde, war mein Tag gelaufen.

Mit 16 kamen die ersten Asthmasymptome, die ich ohne Medikamente überstand. Noch. In den nächsten Jahren darauf veränderte sich die Allergie. Da ich zunächst nur auf Gräserpollen reagierte, hatte ich meist von Juni bis August Probleme. Das änderte sich dann jedoch und mit 19 bzw. 20 Jahren machten mir immer mehr die Bäume zu schaffen. Diese blühen im Frühjahr, meistens Anfang Marz bis Ende Mai.

Die Allergie füllte inzwischen also gut die Hälfte meines Jahres aus und damit die Schönste. Im Frühjahr, wenn die ersten Haselsträucher blühen geht das Drama los. Zunächst juckt die Nase und im Hals kratzt es. Meine Haut wird trockener und empfindlicher. Wenn dann das Brennen in den Augen und die morgendlichen Schwellungen da sind, weiß ich, dass ich irgendetwas unternehmen muß. Am schlimmsten ist dann das nachfolgende Asthma: Husten, Keuchen und Luftschnappen. Damit ist der Höhepunkt erreicht. Seit einigen Jahren nehme ich Tabletten, die sogenannten Antihistaminika, die aber die Symptome (und keinesfalls das Asthma) nur unterdrücken und die man möglichst täglich einnehmen muß. Das ist in meinem Fall jedoch keine Dauerlösung und auch nur ein nüchternes Ergebnis.

Wer seine Allergie für immer in den Griff bekommen möchte, muß schon mehr tun als nur Medikamente zu sich nehmen. Die Hyposensibilisierung, wie bereits oben schon angesprochen, ist dafür eine Langzeittherapie. Der Arzt stellt nach einem Allergietest die entsprechenden Pollen, auf die man reagiert in einer Mischung zusammen, bzw. ein Unternehmen, das mit dem Arzt kooperiert. Diese Lösungen werden anhand von Spritzen in den Oberarm, unterhalb der Haut gespritzt und verteilen sich dann in den nächsten Stunden im Gewebe. Meist gibt es kleine Reaktionen, was ja zunächst auch noch natürlich ist. Der Körper soll sich so an die Stoffe gewöhnen, gegen die er sich wehrt.

Dieses Verfahren wird heute von den meisten Ärzten außerhalb der Pollensaison angewandt und in aufsteigender Dosis gespritzt. Die Abstände zwischen den Behandlungen werden zum Frühjahr hin immer größer. Vor einigen Jahren hat man dieses Verfahren mit großer Sorgfalt jedoch die ganze Saison angewandt und bei meinem Vater hat sich das auch außerordentlich gelohnt. Nur meine Behandlung, die ich jetzt das zweite Jahr mache, schlägt noch nicht richtig an. Normal sind ungefähr 3 bzw. 4 Jahre, in der der Körper sich wieder an die Pollen gewöhnen soll. Ich hoffe, dass er es auch bald schafft, denn mein Geist ist immer in der Natur, nur mein Körper streikt gegen das, was ich so liebe.

Es gibt natürlich auch andere Methoden, die nicht aus der Schulmedizin kommen. Erfolgreich angepriesen wird in der letzten Zeit die Akupunktur. Die Heilungschancen liegen dort im ersten Jahr ca. bei 50-80%. Da die alternative Medizin viel mehr auf Kleinigkeiten achtete und ein einheitliches, medizinisches Bild von Körper und Geist hat, lässt sich darauf sicher auch Einiges bauen. Sollten die Studien der Techniker Krankenkasse in Zusammenarbeit mit der Berliner Charitè erfolgreich sein, dann könnten solche Behandlungen für Allergiker vielleicht demnächst auch einem Kassenpatienten zustehen.

Vielleicht sollte man in Zukunft einen Weg wählen, der näher am Natürlichen liegt. Weniger sauber ist gesünder, Leben zwischen Betonmauern und Abgasluft verstärkt die Abwehreaktionen des Körpers gegen Pollen u.a. Das eigentliche Leben spielt in der Pflanzen- und Tierwelt und wir sind ein Teil davon, dass muß uns bewußt werden.

Ich wünsche allen "Leidensgenossen" eine gute Besserung und eine positive Einstellung, springt über euren Schatten und kämpft!

In diesem Sinne beende ich meine Schreiberei und hoffe, dass alle Leser informiert und nicht gelangweilt sind....

Bis demnächst,

Ilonka

 

Weitere Informationen:

Allergie-Ratgeber

Akupunkur-aktuell

Deutscher Allergiker- und Asthmabund e. V.


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Zuletzt aktualisiert am 28.04.2004
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