Blickpunkt

Datum: 25.08.2004

Zwei Wochen Leipziger Allerlei mit Studenten-Strudel

Wie ihr am obigen Datum sehen könnt, bin ich nun aus meiner Sommerpause zurück. Und nach erlebnisreichen zwei Wochen in Leipzig habe ich auch einige Erlebnisse und Eindrücke, die hier ihren Platz finden. Ich möchte nur erstmal dazu bemerken, dass dies nicht meine erste "Ost-Reise" ist, wie ja auch schon an meinen Sachsen-Fotos zu sehen ist. Da ich auch Verwandte in Sachsen habe und eine ehemalige Freundin in Brandenburg hatte, gibt es durchaus Einiges, was mich mit dieser Gegend und den Menschen dort verbindet. Für die letzten zwei Wochen war ich allerdings bei meiner Freundin einquartiert, die in einer echten Studenten-WG im Herzen Leipzigs wohnt und dort Germanistik und Anglistik studiert. Mehr über sie: Lebenslauf von Julia Löwe

Was mir in Leipzig natürlich als Erstes ins Auge sprang, war der überdimensionale Bahnhof mit seiner ausgeprägten Einkaufs-Welt. Wem abends um halb zehn noch einfällt, dass er kein Brot mehr hat, der hat - zumindest in der Woche - durchaus die Chance dies bei Aldi bis 22.00 Uhr noch zu besorgen; ideal also für den Lebens-Rhythmus eines Studenten. Der Bahnhof ist sozusagen eine würdige Begrüßung für Leipzig-Besucher.

Zudem geben die vielen historischen Gebäude und alten Wohnhäuser der Stadt ein schönes Gesicht. DDR-Charme und Verfall zeigen sich erst in den Nebenstraßen - die Innenstadt läßt trotz alten Bauten sehr viel Modernes zu und wird derzeit auch von Baggern und Straßenarbeitern beherrscht. Es tut sich was in Leipzig. Auch dort bleibt die Zeit nicht ewig stehen. Der Augustusplatz mit seiner Oper und naheliegenden Universität bot uns zudem ein buntes Programm namens "Classic Open" - eine Außenbühne vor der Oper bei der wir unter anderem das "Queen Tribute" sehr genossen haben.

Der berühmte "Auerbachs Keller" war für mich natürlich auch einen Abstecher und einen Kaffee wert. Die Atmosphäre in dem berühmten Weinkeller und Lokal, indem sich Johann Wolfgang von Goethe zu seinem Werk "Faust" inspirieren ließ, ist überwältigend. Der Keller befindet sich in einer der schmucken Einkaufpassagen. Restaurants und Cafes gibt es in Leipzig genug - da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Es mangelt auch nicht an ausgefallenen Läden für farbenfrohe Kleidung oder Dekoration. Zudem kommen noch die vielen kleinen Fein-Bäckereien, die typische und allgemeine Spezialititäten anbieten.

Das Leben in einer Studenten-WG erforderte zunächst von mir etwas Umstellung. Manchmal wurde bis in die Morgenstunden oder bis spät in die Nacht gequatscht. Gegessen wurde zu den unterschiedlichsten Zeiten und dabei kreativ gekocht. Schließlich sind zur Zeit Semesterferien, das heißt lange schlafen. Und dennoch brachten all diese Dinge schließlich Abwechslung in mein Leben. Zeit für tiefsinnige Gespräche hatte man fast immer. Einiges habe ich gelernt, auch über Unterschiede zwischen Leipig und Bonn - Ost und West. Auch wenn ich das Wort "Wessi" quasi immer noch nicht gerne höre und der Meinung bin, dass diese Art der Einteilung bald ein Ende finden sollte - so bewundere ich die "Ossis" oft immer noch für einige Dinge. Schließlich ist auch ein Teil meines "Blutes" ostdeutsch ;-).

Es gab auch Schwierigkeiten und Hindernisse: Die neue Mitbewohnerin zog ein und die Dinge liefen nicht immer wie geplant. Manchmal standen die Zeichen auf Sturm und Konfliktlösungen mußten her. Es gab Wunden zu kitten und Geduld zu bewahren. Die Verschiedenheit der Menschen und ihre Bedürfnisse gaben mir genug Stoff zum Grübeln. Letztlich habe ich gelernt, dass so Manches, das ich erst negativ sah, plötzlich positiv wurde. Der erste Eindruck zählt nicht immer. Unter den Treffen dieser Menschen kamen viele Gefühle zu Tage. Vergangene Geschichten wurden erzählt, so manches konnte man in den Gesichtern der intelligenten Frauen lesen, dass mich überraschte oder auch traurig machte.

In der letzten Woche besuchten wir außerdem die Ausstellung "Everest 360°" von Yadegar Asisi. Das Gasometer in Leipzig beherbergt noch bis zum 31. März 2005 ein großes 360°-Panorama des Mount Everest. Es führt den Besucher in eine Welt aus Schnee und Gipfeln und dokumentiert zudem noch die Besteigungsversuche seit den zwanziger Jahren. Rund um das Panorama erlebt man ein Stück tibetische Kultur. Ich kann diese Ausstellung nur empfehlen.

Zwischen Kultur, Kino, Prasselkuchen und Tatra-Straßenbahnen bleibt mir Leipzig in guter Erinnerung und hoffentlich mit gutem Kontakt in die "Ost-Metropole". Die Fotos sind zur Zeit noch in der Entwicklung und werden in den nächsten Wochen veröffentlicht. Ich grüße die ganze WG, die mich beherbergt hat und sage: Vielen Dank und bis zum nächsten Mal in Leipzig!

Bis demnächst,

Ilonka

Auerbachs Keller in Leipzig
Die Homepage der Stadt Leipzig
Eindrücke der oben erwähnten Everest-Ausstellung

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Zuletzt aktualisiert am 25.08.2004
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