Blickpunkt

 

Datum: 25.06.2005

Von einer Künstlerin, die keine Konkurrenz hat
und einem Publikum, dass nicht sitzen bleiben kann....

Konzertbericht über Tori Amos am 23. Juni 2005 in Bonn

Diesmal verlief nicht alles nach Plan. Die Karten für das Tori-Konzert waren bereits schon im März gekauft, sehr gute Plätze im ersten Block. Ich habe mich wie wahnsinnig gefreut, dass Tori Amos, die Künstlerin, von der ich schon soviel gehört, sie aber noch nie live gesehen hatte, endlich mal wieder nach Deutschland kam. Doch 2 Tage vor dem Konzert waren die Karten nicht mehr zu finden. Ob der Umzug sie verschlungen hat? Der Verzweiflung nahe saß ich am Donnerstag zwischen meinen durchwühlten Sachen und beschloß, von meinem letzten Geld Restkarten zu kaufen. Die letzte Kategorie, aber dennoch mit Blick auf die Bühne.

Tori am Bösendorfer

Man muß natürlich wissen, dass das Konzert am Bonner Museumsplatz der Kunsthalle stattfand und es diesmal bestuhlt war. Somit saß ich nicht mehr im vordersten Block, sondern im letzten, aber eben zur Mitte hin. Platzanweiser sorgten dafür, dass jeder seinen Platz schnell und unkompliziert fand. Anfangs waren sehr viele Plätze und auch ganze Reihen leer. Die Leute tummelten sich auch während dem Spiel der Vorband lieber am Bierstand oder bummelten über den Platz. So konnte ich davon schon mal so gut wie nichts sehen und durch die Unruhe konnte ich deren Musik auch kaum wahrnehmen.

Als jedoch nach einer Weile ein wenig Ruhe einkehrte, hörte die Vorband auf zu spielen und nach einer kleinen Pause kam dann der Star des Abends - Tori Amos. Viele Fans, die zur gleichen Zeit noch am Bierstand ihrem Hobby "Bier" nachgingen, stürmten bei den ersten Tönen von "Original Sinsuality", das Lied der gleichnahmigen Tour zu ihren Plätzen. Scheinbar hatte kaum einer damit gerechnet, dass sich die Künstlerin relativ schnell ihren Fans zuwandte. Tori hatte eines ihrer Feenkleider an und ihre rote Mähne wehte ihr über die Schulter. Nachdem ich zehn Minuten lang immer nur Bruchteile von Tori sehen konnte, weil die meisten Leute eben verspätet waren, war Tori schon beim Stück Amber Waves, dass aus ihrem vorletzten Album "Scarlett`s Walk" stammt und dass sie mit Orgel und Bösendorfer-Flügel unheimlich gut darbrachte.

Tori am Rhodes?!

Der dritte Song stammte aus dem früheren "Little Earthquakes-Album" und nennt sich Happy Phantom. Doch plötzlich unterbrach sie ihr Spiel und bat zwei Mädchen aus dem Publikum, die am Rand standen und auf freie Plätze warteten, sich in den ersten Block zu setzen. Damit hat sie die Platzanweiser sicherlich ein wenig verwirrt. Doch Tori tat, als sei nichts Besonderes daran und setzte das Stück fort. Die Kommunikation zum Publikum stimmte und zwischendurch glänzte Tori wieder mit kleinen Improvisiationen, die sehr gut ankamen.

Eine Weile war das Publikum sehr aufmerksam und hörte schweigend zu, doch nach ein paar Songs schienen sich viele zu langweilen, oder hatten wichtige "Geschäfte" zu verrichten. Der Gang wurde zum Laufsteg der getränkeholenden Frauen und Männer. Schlecht nur, wenn man dadurch kaum einen Blick mehr auf die Bühne hat und die Stimmung einfach kaputt gemacht wird. Von Respekt der Künstlerin gegenüber oder Rücksichtnahme auf das Publikum der hinteren Plätze gar nicht zu reden.

Tori an der Hammond

Interessant wurde es, als Tori die "Piano Bar" eröffnete. Sie stellte hier gecoverte Songs vor, die sie in früheren Zeiten einmal in einer Washingtoner Piano-Bar gespielt hatte. Dazu gehört Elton Johns "Daniel" und Don McLeans "Vincent" (Starry, starry Night.....). Letzteres stieß ihr jedoch ein wenig auf, weil sie es vielleicht einmal zu oft gespielt hatte. Deswegen unterbrach sie "Vincent" auch kurz mit den Worten "Oh, I fucked up this song".

Nach der Piano-Bar ging es mit "Parasol", "Goodbye Pisces" und "Beekeeper" aus dem gleichnamigen Album weiter. Zwischendurch spielte sie noch "China" aus früheren Zeiten.

Mit dem "Beekeeper" setzte sie den ersten Schlußpunkt und verschwand mit ihrem wehendem Gewand von der Bühne. Die Leute stürmten von ihren Plätzen vorne zur Bühne, ich konnte mich bis in die dritte Reihe vormogeln und sah Tori bei den Zugaben am besten, wenn sie an ihrem Flügel saß. Fast immer hatte sie die Augen zu und sah nur ab und zu mal ins Publikum. Jetzt war auch zu sehen, wieviel unterschiedliche Altersklassen ihre Musik anspricht. Vom Teenie bis zu älteren Generationen war alles vertreten. Bei den letzten vier Zugaben, die allesamt ältere Stücke waren, wechselte Tori zwischen den verschiedenen Orgeln und dem Flügel hin und her und nun konnte man auch die ungeheure Leistung einer für mich in diesem Genre konkurrenzlosen Künstlerin richtig sehen. Auch der Tontechniker arbeitete mit voller Leidenschaft hinter seinem Pult. Der Sound war alles in allem sehr gut abgemischt, was sicherlich nicht gerade einfach ist, bei den dynamischen Stücken.

Auch wenn ich vorne an der Bühne keine sogenannte "Playlist" mehr ergattern konnte, war ich doch von Toris Musik und ihrem Wesen stark beeindruckt. Fast zwei Stunden hat sie mich gut unterhalten und wirkliche Leistung gezeigt. Leider kann ich das über das Publikum in dieser Location nicht sagen. Die Platzanweiser hätten den "Menschenstrom" während des Konzertes nach außen weisen können, damit die Störung und Beeinträchtigung des hinteren Publikums so gering wie möglich wird. Ich glaube wohl kaum, dass sich am Dienstagabend in der Alten Oper in Frankfurt ein solch respektloses Schauspiel wiederholen wird. Da werden sich die Fans sicherlich an die guten alten Benimm-Regeln erinnern und Toris Musik hat so die Chance, auch voll ausgekostet zu werden.

Bis demnächst,

Ilonka


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Zuletzt aktualisiert am 02.07.2004
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