Blickpunkt

 

Datum: 16.05.2004

Thema: "Verkehrte Welt - Raben jagen Falken"

Das Erlebnis von dem ich hier erzähle, liegt schon ein paar Tage zurück.
Nach tagelangen Regenfällen und kühlen Temperaturen konnte man endlich wieder raus in die Natur. Auf schlammigen Wegen spazieren gehen, die gute Luft des noch nassen Waldes und der Wiesen einatmen, die eine geringere Belastung für Pollenallergiker darstellt

Nach einiger Zeit kam ich bei meinem Spaziergang an einen Weinberg. Dort konnte man mitten durch die Rebenfelder hindurch spazieren und eine (wenn auch vernebelte) Aussicht auf das Rheintal und Bonn genießen. Unterhalb des Berges befindet sich der zu Königswinter gehörende Ort Oberdollendorf. Über mir strahlte mich ein inzwischen nicht mehr so trüber Himmel an. Dann hörte ich das Krächzen zweier Rabenkrähen und suchte den Himmel ab. Sie krächzten auffällig laut durch die Gegend und ich blieb stehen, um zu sehen wo sie waren. In einem Baumgipfel sah ich einen von ihnen landen.

Weinwanderweg

Interessant wurde es aber erst, als ich am Himmel plötzlich einen Falken entdeckte. Die Schreie der Greifvögel sind fast wie Musik in meinen Ohren. Falken und andere Greifvögel sind im Siebengebirge keine Seltenheit. Bei Oberkassel beobachte ich sie des öfteren, wie sie fast wie unscheinbare Punkte über den Wäldern kreisen. Das Tier kreiste über dem Weinberg, als sich plötzlich die zwei keifenden Rabenkrähen auf den Falken stürzten. Sie attakierten ihn und verfolgten ihn. Er schrie, versuchte bei den Attaken die Balance zu halten und verschwand nach kürzester Zeit hinter den Baumwipfeln. Was war das? Ich stand wie angewurzelt auf meinem Weg, voller Wut auf die frechen Krähen, die es wagten einen solchen "König der Lüfte" anzugreifen.

Was die Tiere dazu bewegt hatte, sich mit einem solchen Jäger anzulegen, ist mir unbegreiflich. Aber schließlich waren sie zu zweit und nur so konnten sie sich einen solchen Angriff leisten. Wer nämlich einmal die Krallen eines solchen Greifvogels gesehen hat, kann sich wohl gut vorstellen, wie es ist, sie zu spüren zu bekommen. Falken werden schon seit einiger Zeit in den Städten dazu eingesetzt, den Taubenbestand zu verringern, bzw. sie zu vertreiben. Jedenfalls kamen die Krähen sehr schnell wieder und schimpften weiter lauthals in der Luft herum. Ich nehme mal an, dass sie ihr Einzugsgebiet oder auch Jagdgebiet verteidigen wollten. Vielleicht ist der Falke ihnen aber auch bei der Jagd zuvor gekommen. Die Rabenfamilie gehört auch zu den Fleischfressern und hat somit eine gewisse Verwandtschaft zur Familie der Falken u.a. Tieren.

Nun bin ich kein Experte für Greifvögel. Ich beobachte sie in der Natur und kenne ihre Schreie. Ihre Flugkünste beindrucken mich tief. Allein die Art, wie sie minutenlang "in der Luft stehenbleiben" ist eine wunderbare und außergewöhnliche Fähigkeit der Vögel. Sie beobachten ihre Beute intensiv und können dann im richtigen Moment zuschlagen. Sie sind klug und äußerst schnell.

So richtig Feuer gefangen habe ich aber, als ich die Tiere das erste Mal aus der Nähe sehen durfte. Das war im Herbst letzten Jahres auf der Kasselburg in Gerolstein. Die Burg in der Eifel beinhaltet eine Falknerei, die fast das Ganze Jahr Flugvorführen zeigt. Von Falken, Bussharden bis hin zu Geiern und Eulen gibt es alles an größeren Vögeln zu sehen. Die Falkner kümmern sich auch um verletzte Fundtiere, pflegen sie und wildern sie dann auch wieder aus. Die Flugvorführungen und auch das einmalige Berühreren einer Schneeeule namens "Hedwig" (Harry Potter?) hat mich sehr beindruckt. Zu sehen gibt es dort auch eine Wolfsfütterung.

Von dem Tag an wollte ich so ein Tier umbedingt mal selbst auf die Hand nehmen. Das ist natürlich nicht so einfach, denn dafür muß man erst geschult werden und das ist nicht billig. Wie dem auch sei, das Erlebnis mit den Krähen war schon ein wenig eigenartig. Man meint, man sei in einer verkehrten Welt.

Der Artikel ist allen, die die Natur lieben und respektieren, gewidmet. Falls ich mich in einigen Zeilen nicht fachmännisch ausgedrückt habe, bitte ich dies zu entschuldigen.

Bis demnächst,

Ilonka

 

Weitere Informationen:

www.Falknerei.de

Kasselburg mit Adler- und Wolfspark, Gerolstein

www.naturpark-siebengebirge.de


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Zuletzt aktualisiert am 16.05.2004
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