Blickpunkt

 

Datum: 15.05.2008

Geschenke und Erinnerungen - Wallis Bird in Münster und mein bestes Geburtstagserlebnis

Ein besonderer Konzertbericht über Wallis Bird vom 14. Mai 2008

Doch, sie taucht schon wieder auf. Die grandiose Musikerin mit der Gitarre auf der "falschen Seite". Wallis Bird hat sich für ihre diesjährige Frühjahrstour nicht Köln, sondern Münster ausgesucht. Auch wenn der Süden wieder mit vielen Konzerten bereichert war (Heidelberg, Schorndorf, München, Freiburg...), so haben wir doch Glück gehabt, ein Konzert in noch erreichbarer Nähe zu erleben. Der Club "Gleis 22" bietet mit seiner kleinen Bühne immer mal wieder Raum für günstige, kleinere Konzerte. Bereits vor Beginn des Konzertes tummelte sich die Jugend vor den Toren und das gute Wetter verhalf sicherlich auch zum Besuch des Konzertes. Bis auf eine Ausnahme traf sich wieder die übliche "rheinländische Fangemeinde" vor den Toren und blockierte die Treppe, an der zufällig auch Wallis und Aoife (mit Hut incognito) an uns vorbeirauschten. Ebenso Mitglieder der Vorband "The Life Between", von der wir die erste gute halbe Stunde etwas geboten bekamen.

"The Life Between" spielte bereits viermal als Vorband auf dieser Tour von Wallis und gab in Münster ihr kleines Finale. Die Band besteht aus vier Mitgliedern an Digitalpiano, E-Gitarre, Bass und Schlagzeug. Schon bei den ersten Tönen wurde ich ein wenig an "Keane" erinnert. Das elektronische Piano dominierte die rockigen Klänge. Dazu Gesang und einige Percussionsounds vom Schlagzeuger. Das Schlagzeug hatte jedoch schnell an ohrenbetäubender Lautstärke zugelegt, was meine Ohren so nah vor der Bühne ganz schön leiden ließ. Alles in allem - unterstrichen durch Gitarrenriffs - eine rockige Musik, die durch die Klaviersoli einen klassischen Touch bekam.

Die Vorband brachte noch bis um ca. 21:45 Uhr Leben auf die Bühne, bevor ein wenig Umbau für Wallis begann. Somit startete der Hauptakt diesmal erst gegen 22:00 Uhr, nachdem wir in der ersten, aber auch in den anderen Reihen zu klatschen begannen, um Wallis und Band auf die Bühne zu locken. Und da kamen sie: Wallis, Backgroundsängerin Aoife, Schlagzeuger Christian und sein Bruder Michael am Bass. Schon zu Beginn starrte ich zunächst auf Aoife`s gelbe, hohe Schuhe, die in Socken mit Kirschmotiven steckten, passend zu ihrem gelben Oberteil und den weichen Wellen in den Haaren. Wallis kam wie immer sehr lässig in Jeans, T-Shirt und den berühmten Converse - einen roten und einen grünen. Direkt zu Beginn strahlte sie in die Menge und war bester Laune. Das Publikum in Münster gab ihr von der guten Stimmung massig zurück. Man hätte die aufmerksame Stimmung vieler anscheinend neuer Fans bald anfassen können. Anders als die Auftritte in Köln, die selbst bei ruhigen Balladen vom Publikum öfters durch Blödeleien und laute Rufe begleitet wurden, war das Publikum in Münster eher in schwelgender Ruhe und Erwartung versunken.

Aoife rocks the GlockBereits beim Opener "Slow Down", der wirklich mit Hingabe von allen gespielt und gesungen wurde, war klar: Sie lassen es langsam angehen. Kein harter Kantenschlag zerrte mehr an meinen Ohren. Christian behandelte seine Drums lieber mit den kleinen Besen, die man so aus der Jazzmusik kennt. Aoife glänzte wieder durch tollen Backgroundgesang und setzte auch im nachfolgenden "Country Bumpkin", der Song bei dem ich unentwegt an lassoschwingende Cowboys denken muss, viele kleine Instrumente ein. Sie besaß an der linken Seite der Bühne einen regelrechten Klangparcour, von Wallis "Magic Table" genannt. Es sah zunächst eher aus wie ein gedeckter Tisch mit zwei Weingläsern, die an passenden Stellen gegeneinander gestoßen wurden, einem Topfdeckel mit Löffeln (Wer`s noch nicht weiß: Ihr Debütalbum nennt sich "Spoons"), der zwischendurch ein bißchen zum Scheppern gebracht wurde und die "Glock", das kleine Xylophon, dass immer wieder in Songs wie "Your Morning Dream" oder "The Circle" zum Einsatz kam. So weit vorn hörte man Aoife eher schlechter, weiter hinten im Raum war sie hoffentlich besser zu hören.

Wallis Bird, ZugabeZwischen den Songs erzählte Wallis wieder Geschichten aus dem Leben ;-). So erzählte sie, dass am vorigen Tag in Freiburg alles schief gegangen war. Das Peinlichste war wohl ihre geplatzte Hose, mit der sie in der Öffentlichkeit herumlaufen musste. Dann gab sie zu, zwei deutsche Worte verwechselt zu haben, so dass sie versehentlich sagte, sie sei "enttäuscht" anstatt "aufgeregt", in Freiburg zu spielen. Deutsch ist nun einmal nicht immer so ganz einfach. Die Stolpersteine kamen beim Publikum in Münster natürlich gut an und es gab viel zu lachen. Neben ein oder zwei gerissenen Saiten und energiegeladenen Songs wie "Your Daddy" oder "Moodsets" gab es natürlich auch ruhigere Balladen. "Your Morning Dream" wurde diesmal durch Hall-Effekte verfeinert. Auch ein wunderschönes Solo in der Mitte des Stückes machte den Gig besonders. Am Ende sangen wieder alle die bekannten Zeilen mit, bis Wallis schwer gerührt war. Auch bei "All for you" regte sie das Publikum zum Mitmachen an. Alle pfiffen plötzlich wie Vögel, so lange bis Wallis zu singen begann. Christian saß kopfschüttelnd und grinsend hinter seinem Schlagzeug - und ich war, die Melodie summend, völlig von den Socken von diesem freundlich gemeinten Pfeifkonzert. Bei "Blossoms In The Street" ließ Wallis auch wieder das Publikum mitsingen, denn es begann mit einer neuen Version, die aber nichts an der Beliebtheit des Liedes änderte. "Counting To Sleep" oder "The Circle" wurden ebenfalls durch das Publikum schwer unterstützt. Mit drei Zugaben und Wallis solo auf der Bühne ging ein wunderbares Konzert zu Ende. Mit "Just Keep Going" verabschiedete sie sich von den Münsteranern - aber noch nicht ganz von dem harten Kern!

Dann war es plötzlich Schlag 12 - Nein, ich habe mich nicht in einen Frosch verwandelt, ich bin einfach nur 29 geworden. Wir begossen das Ganze dann unalkoholisch an der Bar und verzogen uns dann zum gepflegten "Konzert-Chillout" nach draußen. Nachdem wir nun beim letzten Wallis-Gig in Köln in Eiseskälte eine gute Stunde auf die Stars des Abends warteten, hatten wir es gestern wesentlich besser mit den Temperaturen. Sogar ein Ständchen gab's von der Fangemeinde, die fast annähernd so gut singen kann wie die Profis ;-)! Aber da war ja noch was. Nicht umsonst hatte ich mein neuestes "Wallis-Werk" mitgebracht. Ich dachte mir, es sei schön, nach den T-Shirts, die ich selbst trage, etwas für die Musikerin zu gestalten und habe in meinen Winterferien emsig an einem großen Seidenschal gearbeitet, der viele Elemente aus den Songs verknüpft darstellen soll. Da vieles mit der Natur verbunden ist, aber auch vom Leben auf Tour und großen Gefühlen in den Songs geschrieben wird, habe ich mir überlegt, wie ich das Ganze auf's Tuch bringen kann. Herausgekommen ist "Walli's Utopia", dass ich demnächst auch hier ausstellen werde.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als nochmal Richtung Innenraum zu schlendern, wo inzwischen schon fast alles gepackt war. Wallis saß auf einer Bank und telefonierte, verschwand kurz darauf und tauchte dann wieder auf. Sie begrüßte uns freundlich und gesellte sich zu uns. Dann war also der Moment gekommen, wo ich meinen "Kram" loswerden wollte und drückte ihr den Schal in die Hand ;-). Der wurde dann ausgewickelt und von allen Seiten bestaunt. Ich kann es mit Worten nicht beschreiben, weil ihr selbst die Worte dafür fehlten und das war ungefähr 10 Minuten so, bis alle Band-Mitglieder inklusive Manager Peter den Schal ausführlich begutachtet hatten. Hin und wieder schaffte ich es mal, etwas zu erklären aber dass sie so überwältigt war, damit hätte ich nicht gerechnet. Mir machte es unheimliche Freude, ihr Gesicht zu sehen und alle Emotionen, die sich darin spiegelten, dann fiel der Kölner Dom auf dem Bild auf und wir sprachen über das letzte Kölner Konzert, den Auftritt beim ZDF-Fernsehgarten, der sehr ungewohnt und auch lustig war und vieles Andere. Den Schal und das Bier in der Hand haltend, verabschiedete sich Wallis von uns - es war inzwischen ca. 1:35 Uhr.

Und während die Band sich Richtung Dresden aufmachte, wo heute der nächste Gig angesagt ist, fuhren wir nach Hause und fielen dann gegen gepflegte 4 Uhr morgens ins Bett - keine ungewöhnliche Zeit für eine solche kleine Konzertreise. Dafür habe ich dann heute morgen - heiser vom Mitsingen die ersten Geburtstagswünsche entgegengenommen. Alles in allem hat mir der gestrige Tag, bzw. der heutige frühe Morgen sehr viel bedeutet. Ich habe einen Teil von mir weitergegeben, der wiederrum durch jemand anders entstanden ist - und konnte das mit Leuten genießen, die mit mir diese tollen Momente geteilt haben. Vielen Dank an Alle!

P.S. Wir sehen uns Samstag beim nächsten Konzert in Duisburg!

Bis demnächst,

Ilonka


Zurück zur Startseite

www.bonnensia.de


Zuletzt aktualisiert am 08.02.2004
Copyright © 2003-2004 by Ilonka Normann