Blickpunkt

Mit diesem letzten Blickpunkt verabschiede ich auch diese Rubrik aus meiner Homepage. Neue Kolumnen wird es ab 2010 nicht mehr geben, da mir oftmals doch die Zeit für einen anständig geschriebenen und ansprechenden Text fehlt. Den nachfolgenden Blickpunkt schrieb ich bereits Ende September, nach dem letzten besuchten Wallis-Konzert. Er soll nochmal Rückblicke für den alten Fantrupp bieten, aber auch Einblicke für Besucher, die meinen Wallis-Wahn noch nicht kennen ;-). In ein paar Wochen werde ich dann auch diese Kolumne ins Archiv legen, das dann aber hier dauerhaft verbleiben wird.

Datum: 26.09.2009/05.01.2010

"Music melts me..."

Drei Jahre Wallis Bird-Konzerte - ein Rückblick

Irgendwann im Sommer 2006 wurde ich infiziert. Infiziert mit einer Musik und einer Musikerin, die für die nächsten drei Jahre mein Leben zeitweilig auf den Kopf stellen sollte. Irgendwann im Sommer 2006 hörte ich zum ersten Mal "Blossoms in the Street" im Radio und war zunächst schon von der Stimme, aber auch von dem ungewöhnlichen Gitarrenspiel begeistert. Also bestellte ich mir ihre erste EP namens "Branches Untangle" aus dem Netz, die man bis heute nicht in den Läden erwerben kann. Aber das allein hat den Virus noch nicht ausgelöst. Es bedurfte eines kleinen Konzerts in einer kleinen Location in Mainz, um mich völlig von Wallis, ihrer Musik und der Stimmung auf ihren Konzerten einnehmen zu lassen. Aber nicht nur das. Auf diesem Konzert lernten wir bereits die ersten "Hardcore-Fans" kennen, die im Ernstfall mal eben so eine Tour mit vier oder fünf Terminen "mitmachen". Und das mit allen Höhen und Tiefen und meist ohne viel Schlaf.Wallisworld in Weinheim

Es war nicht nur ihre Musik, sondern auch ihre Erzählfreudigkeit, das Talent über sich selbst lachen zu können und eigene Fehler auf der Bühne nicht gekünstelt zu kaschieren. So stand sie eben vor dem Publikum: Klein, ungeschminkt und mit roten Zöpfen. Für mich ein eher ungewohntes Bild von einer Musikerin, von der ich anfangs glaubte, sie sähe völlig anders aus und verhalte sich - ihrem großen Talent nach - auch eher wie jemand, der seine Qualitäten auszuspielen weiß. Aber nein, auch die Schwächen kamen durch ihre Geschichten durch - von denen man übrigens nach 14 Konzerten doch schon einige kennengelernt hat. Und diese Tatsache brachte wohl das Fass zum Überlaufen und ist zumindest eine Erklärung für das "Wallis Bird-Syndrom".;-)

Im Jahre 2006 hatte ich zunächst erst ein Konzert besucht, war aber bereits so begeistert, dass ich in den darauffolgenden Monaten begann, aus dem Covermotiv mit Schriftzug ein T-Shirt zu bemalen und zu besticken. Dabei blieb es nicht. Im Jahr 2007 beehrte uns Wallis dann auch mit Besuchen im Rheinland - also auch in Köln, wo ich mit ihr zum ersten Mal nach dem Konzert sprechen konnte. So bekam sie also mein T-Shirt zu sehen, dass ich mitgebracht hatte. Sie war begeistert und signierte es, so dass ich nun ein besonderes Autogramm besitze. Nach dem Kölner Konzert entdeckte ich die Community anhand des Wallisworld-Forums. Hier knüpfte ich die nächsten Fankontakte und blieb auf dem Laufenden.

Aus der Fangemeinde des Forums und einigen weiteren Leuten hat sich inzwischen eine Truppe von bis zu 15 Fans entwickelt, die sich regelmäßig auf den Konzerten treffen - je nach Region und Reiselust der Fans kann es größer oder kleiner ausfallen. Doch oft ist nicht nur das Konzert selbst Treffpunkt für einen Austausch und den vielen Spaß, den wir haben, sondern manchmal auf die Fahrten zum - oder vom Konzert oder das anschließende Bier im Irish Pub. Auf den Konzerten selbst fallen wir immer auf - sei es durch Zyrtaki oder Kreistänze in den ersten Reihen, Seifenblasen, die auf die Bühne schweben und sonstigen "Blödsinn", der uns so einfällt.

Einer der schönsten Erinnerungen, die ich an ein Fantreffen mit Wallis hatte, war das gemeinsame Foto, bei dem wir Wallis auf Händen getragen haben - im Anschluss an das Konzert in Weinheim im August 2008. Bei diesem Konzert mussten wir erstmals seit langer Zeit auf die Backgroundsängerin Aoife verzichten, die nun nach dem Abschluss ihres Studiums wieder in der Band ist. Das Konzert bleibt mir aber nicht nur durch unsere kleine Fotosession in Erinnerung. Nein, es war auch eine ganz andere Wallis, die mit E-Gitarre und neuen Songs ganz punkig daherkam. Dazu kamen dann noch ein paar Ausflüge ins Publikum, mitten in "Blossoms in the street" ließ sie sich und ihre Gitarre samt Kabel durch die Menge tragen und spielte munter weiter. Ähnlich ging es uns in Köln im November 2008, als sie in dem winzig kleinen Studio 672 einen "Stagediving"-Versuch machte, sich an den Rohren an der Decke festhielt und sich anschließend ins Publikum fallen ließ. Es gingen einige Bierflaschen zu Bruch, aber Wallis und die Fans lebten und so ging die Show in der schweißtreibenden Location weiter. Dies war definitiv einer der schönsten Konzerte ever. sie nahm sich anschließend extra viel Zeit für ihre Fans und begrüßte uns mit Umarmung.

Aber nicht nur die Großen hatten auf den Konzerten ihren Spaß - auch ein paar Kinder, die mit ihren Eltern im Sommer 2007 nach Worms zu Schloss Herrnsheim kamen, um Wallis zu hören, durften der Sängerin auf der Bühne nahe kommen. Als sie Wallis während des Konzertes Blumen brachte, war diese so entzückt, dass sie zunächst versuchte, mit den kleinen Mädchen ein Lied zu singen. Das klappte zwar nicht ganz, dafür blieben die Kleinen den Rest des Abends mutig vor dem Schlagzeugpodest sitzen. Wenn stört es auch (außer das kindliche Trommelfell), wenn diese Musik keine Altersgrenzen überschreitet?

Trotzdem blieb das Konzert in Münster 2008 das wohl Schönste, dass ich mit Wallis erlebt habe. Nach diesem Konzert gab ich ihr das große Seidentuch, dass ich innerhalb weniger Wochen für sie gemacht hatte. "Wallis Utopia" war eine Mixtur aus Liedtiteln oder Zitaten und dem, was sie während einer Fahrt mit dem Tour-Bus sieht. Da ich schon einmal einen Bericht über diesen Abend verfasst habe, will ich hier nur nochmal kurz betonen, dass ihr Gesicht echt einmalig war und dies einer der schönsten Momente meines Lebens war.

Die weit entfernteste Stadt, die ich für ein Wallis-Konzert bislang zurückgelegt habe, war Dublin. Im Dezemeber 2008 wurde ich von Fans überredet, einen Kurztrip in die irische Hauptstadt zu machen, um Wallis dort auf ihrer "Solo Acoustic Tour" zu sehen. Durch einen günstigen Flug wurde mir dies möglich (bloß nicht ans Klima denken) und so flog ich ziemlich früh mit den anderen Verrückten von Weeze los, verbrachte den Rest des Tages in der Stadt und sah abends das Konzert im Crawdaddy. Der Gag an der Geschichte war jedoch, dass wir am Nachmittag Wallis durch Zufall in der Stadt trafen und sie völlig von den Socken war. Dies hatte zur Folge, dass zwei von uns abends auf die Gästeliste kamen und wir am Ende sogar einen reservierten Tisch bekamen. Müde waren wir natürlich alle und einer von uns schlief sogar zeitweilig ein, was man ihm aber bei dem "Stress" wirklich verzeihen kann. Wallis machte auch ohne Band einen guten Eindruck und der Aufwand hatte sich vollstens gelohnt, denn am Ende bekamen wir auch einen Teil ihrer Familie zu Gesicht.

Pannen erlebten wir auch immer wieder. Einmal riß ihr die Hose mitten im Konzert - sie musste von ihrem Schlagzeuger mit Klebeband wieder geflickt werden. Bei einem Konzert zog sie die Socken aus und warf sie ins Publikum und manches Mal bekam sie auch einen Hut zugeworfen. So manches Mal vergaß sie das Verstärkerkabel für die Gitarre. Und natürlich rissen ihr in all den Konzerten ständig Seiten. Egal ob auf der Acoustic- oder E-Gitarre oder sogar auf ihrer neuen Mandoline. Manchmal spielte sie sich die Finger so wund, dass sie einen Verband brauchte und Blutstropfen auf den Setlists hinterließ. Manchmal lagen am Ende einige kaputte Seiten auf der Erde. Auch das gehört dazu, wenn Wallis ihrer Energie freien Lauf lässt.

Nun habe ich das vierzehnte Konzert besucht, bin dafür wieder mit einigen anderen nach Mannheim gefahren und habe eine andere Location kennengelernt. Ich habe einige Fans wiedergesehen und bin wieder bis zum Rauswurf aus der Feuewache geblieben. Manchmal frage ich mich, warum ich mir den Wahnsinn antue und durch die Nacht fahre (oder gefahren werde), nur um dieses eine Konzert zu erleben. Und doch ist es immer wieder schön. Hoffen wir, dass dies so bleibt.

Bis demnächst,

Ilonka

Zu den Fotos der Tourgeschichte:
www.rofrisch.de/wallisbird.htm
Das Wallisworldforum


Zurück zur Startseite

www.bonnensia.de


Zuletzt aktualisiert am 08.02.2010
Copyright © 2003-2010 by Ilonka Normann