Blickpunkt

 

Datum: 03.03.2006

Was Dir schmeichelt ist für Andere der Tod

Vom Trend der Pelzträger

Die Saison ist fast vorüber und die bittere Bilanz meiner Beobachtungen auf den Straßen veranlasst mich zu diesen Zeilen. Bereits im letzten Winter gingen sie nicht einfach so an mir vorbei - die Pelzträger. Sie sind in der Regel weiblich, aber nicht immer im hohen Alter. Zwischen den älteren Frauen, die ihre langgehegten Pelze, für manch einen Erbstücke, wieder aus dem Kleiderschrank holen, und den den Frauen im jungen bis mittleren Alter, die stolz ihren neuen Pelzmantel, Schal oder sonstige Pelz-Applikationen durch die Gegend tragen, besteht nicht mehr viel Unterschied.

Was lange Zeit tabu war, erlebt nun eine Trendwende. Und das in einer Zeit, in der Massentierhaltung und Tierseuchen ihr scheußliches Bild vom Umgang mit Tieren zeigen. Vor einigen Jahren hätte man den Pelzträgern noch die kalte Schulter gezeigt oder sie gar auf offener Straße diskriminiert. Man muß sich ernsthaft fragen, woher diese plötzliche Akzeptanz unserer Gesellschaft für das Tragen von toten Tieren herkommt. Dass man in der Frühzeit selbstverständlich auch "Pelz" getragen hat, ist wirklich kein Argument. Frühmenschen, wie z.B. die Neanderthaler kannten keine Baumwolle und auch noch kein Leinen. Von den getöteten Tieren, die in erster Linie zur Nahrungsaufnahme dienten, wurden Knochenteile und Felle mitverwendet, Letzteres natürlich als warme Kleidung gegen die Kälte. Doch der Neanderthaler lebte in der Eiszeit, mit dessen Klima wir uns in keinster Weise messen können.

Für die kalte Jahreszeit hat die Industrie mittlerweile genug High-Tech-Stoffe entwickelt, die uns sogar vor "Extremtemperaturen" schützen können. Pelze sind also schon lange out und haben keinerlei Funktion mehr. Aber es ist natürlich ein gesellschaftlicher Status darin erkennbar. Es lässt sich schnell beobachten, dass Pelzträger mit einem eigenartigen Selbstbewußtsein durch die Gegend laufen, um nicht oftmals das Wort Arroganz zu nennen. Schenkt man Ihnen einen kühlen Blick, so schauen sie nur im ersten Moment verblüfft, dann wenden Sie ihren Blick schnell ab.

Doch kommen wir mal zu den Leiden der Tiere, dass von den Pelzverkäufern immer wieder gerne abgestritten wird. Viele Tiere werden nur aufgrund ihres Felles gejagt. In der Vegangenheit waren das vor allem Großkatzen wie z.B. Tiger, Leoparden, Geparden und Schneeleoparden. Die Jagd geht jedoch weiter, in den meisten Fällen wird mit brutalen Fallen gejagt und nicht selten trifft es auch bedrohte Tierarten. Gefangen werde heute z.B. Waschbären, Füchse und Marder. Sie sterben oft in den sogenannten Fang-Eisen, in denen die Tiere mit einem Bein hängenbleiben, damit ihr Fell nicht beschädigt wird und somit einen qualvollen Hungertod sterben. Oft sterben sie auch an ihren Verletzungen, die sie sich durch Befreiungsversuche hinzuziehen.

Tiere, die im Wasser leben, wie z.B. der Biber, werden mit Erstickungsboxen getötet. Biber, die in diese unterwasser-angelegten Fallen geraten, ersticken in den luftgefüllten Kästen innerhalb von 20 Minuten. Bekannt sein dürfte den Meisten das Bild von getöteten Robben. Die Jungtiere werden meist mit Keulen erschlagen. Seehunde hingegen werden erschossen. Doch selbst wenn dies noch die einfachste Tötungsmethode darstellt, so sterben viele Tiere langsam und qualvoll an ihren Verletzungen...

Doch da viele Tierarten schon bald ausgerottet sind, versucht man, auf Pelzfarmen Tiere zu züchten. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Füchse, Nerze, Nutrias und Chinchillas. Die Domestikation ist jedoch fraglich, da es die erste Nerzfarm in Europa erst 1914 gab und dieses langwierige Verfahren mehr Zeit in Anspruch nimmt. Zudem ist die Haltung der Tiere in engen Drahtkäfigen beschämend, die Tiere holen sich Verletzungen an den Pfoten und leiden an Bewegungsmangel und Kreislaufschäden. Die psychischen Auswirkungen auf die Tiere erkennt man in stereotypischen Bewegungen und Kannibalismus. Die bewegungslustigen Tiere erleiden also genug Qualen durch ihre eingeschränkte Haltung. Die Tiere auf Pelzfarmen werden nach ihrem kurzen Leben getötet, meist durch Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Elektroschock und Gift-Injektion. Diese Tötungsmethoden beruhen auf Empfehlungen des Europarates.

Bislang ändern Gesetze nicht viel, die EU geht der Pelzindustrie auf den Leim, schließlich geht es ja um viel Geld. Da spielen die vielen Tierschicksale keine Rolle mehr. Inzwischen führen in Deutschland selbst Legehennen ein besseres Leben, da sich die Käfighaltung laut Bundesverfassungsgericht nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbaren lässt. Wäre das nicht auch für Pelztiere denkbar? Wenn den Tieren wenigstens ein artgerechteres Leben zustünde, wäre schon Einiges getan. Aber auch das wird die Denkmuster unserer Gesellschaft nicht völlig durchbrechen.

Es gibt sicherlich noch viele weitere Beispiele von Tieren, die zum Opfer der Pelzindustrie werden und Menschen, die diese rücksichtlos unterstützen. Interessant wird es für die Meisten dann, wenn es um Haustiere geht. Das Unwissen oder Desinteresse vieler Menschen führt zu einer weiteren Tötung von Haustieren wie z.B. Hunden und Katzen. Besonders in Asien lebt eine regelrechte Industrie von Katzenfellen, die z.B. zu Rheumadecken verarbeitet werden. Selbst in Osteuropa werden Hunde für Pelzbesätze an Jacken u.ä. getötet. Wer glaubt, er habe einen "Gae Wolf" oder eine "mountain cat" erworben, sollte sich im Klaren sein, dass es sich hierbei um ganz normale Felle von Hunden und Katzen handelt. Die Bezeichnungen für Pelze sind oftmals sehr irreführend.

Klar ist, wer sich einen Pelz kauft, hat Blut an den Fingern und unterstützt Menschen beim Morden. Und auch, wenn ein Pelzträger noch so viele Ausreden für seinen Luxus hat, er ist ein Mensch ohne Gewissen. Schwer haben es dagegen die Kunst- bzw Webpelzträger, deren Mantel man vom echten Pelz kaum noch unterscheiden kann. Bevor man also vorschnelle Schlüsse zieht, sollte man "genau hinsehen". All den echten Pelz-Liebhabern sei jedoch aller Hohn und Spott gegönnt.

Die Steigerung des Pelz-Kultes habe ich übrigens vor kurzem in der Bonner Innenstadt in einem Geschäft am Kaiserplatz gesehen: Dort diente ein Fuchspelz als Unterlage für Schmuck. Ein totes Tier als Highlight im Schaufenster!

Mit diesem letzten traurigen Absatz schließe ich meine Kolumne ab und hoffe, dass ich so manch einen Leser sensibler für das Thema Pelz gemacht habe. Je mehr Menschen sich dagegen ausprechen, umso mehr wird sich das Leiden reduzieren.

Bis demnächst,

Ilonka

Quellen und Links:
www.tierschutzbund.de
www.peta.de
Auf diesen Seiten findet ihr umfangreiche und aktuelle Informationen zum Thema Pelz und Tierschutz sowie Kampagnen und Aktionen, an denen ihr euch gegebenfalls selbst beteiligen könnt.

 


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Zuletzt aktualisiert am 03.03.2006
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